Und weg: Organisierte Diebe schlagen aber nicht nur an öffentlichen Fahrradständern zu. Foto: dpa

Die Fahrräder werden technischer immer hochwertiger und damit immer teurer – damit steigen auch die Gewinnaussichten von organisierten Diebesbanden.

Stuttgart - Die Zahl der Fahrraddiebstähle im Südwesten steigt stetig – so wurde mit 28 723 gestohlenen Rädern in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr ein Höchststand erreicht. Nach Angaben des Landesinnenministeriums kletterten die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren um acht Prozentpunkte, während bundesweit das Plus nur zwei Prozentpunkte ausmachte. Für 2017 gibt es keine Entwarnung, die Zahlen stagnieren auf hohem Niveau.

Dabei geht es nicht nur um zufällige Massendelikte, sondern vor allem um organisierte Diebstähle aus Garagen, Kellerräumen und Fahrradgeschäften. Besonders auffällig ist das Auftauchen von ungarischen Tätern, die im Südwesten dingfest gemacht wurden. Nach Informationen unserer Zeitung führen die Spuren besonders in die Nördliche Tiefebene, wo offenbar Diebe verstärkt rekrutiert werden. Hochwertige Räder verschwinden auch Richtung Balaton auf den dortigen Schwarzmarkt.

Mammutprozess gegen neun Angeklagte

Während sich in Stuttgart und in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen die Fälle häufen, bei denen Garagen und Geschäfte heimgesucht werden, hat am Montag in Stuttgart-Stammheim ein mehrmonatiger Gerichtsprozess gegen eine neunköpfige mutmaßliche Diebesbande begonnen. Die vorwiegend bosnischen Täter sollen im Raum Tübingen im Jahr 2016 mehr als 400 Fahrräder im Wert von 200 000 Euro gestohlen und in der Heimat weiterverkauft haben.

Der Fall offenbart aber auch ein Manko der Polizei: Zentrale Ermittlungen gibt es beim Delikt Fahrraddiebstahl selten – Zusammenhänge und Strukturen werden so häufig erst spät oder gar nicht erkannt. Die Aufklärungsquote ist gering. Landesweit liegt die Quote der geklärten Fälle bei 7,7 Prozent. In Stuttgart liegt die Quote noch niedriger – bei zuletzt 4,4 Prozent.

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