Hengstenberg setzt auch in Zukunft auf die Produktion in Deutschland. Foto:  

Das extreme Wetter bedroht die Gurken-Ernte. Es kann zu Lieferengpässen auch bei anderen Gemüsesorten kommen. Die Esslinger Firma Hengstenberg muss daher umdenken und die Landwirtschaft der Zukunft mitdenken.

Esslingen - Wer es sich definitiv nicht leisten kann, den Klimawandel zu leugnen oder zu ignorieren ist die Nahrungsmittelfirma Hengstenberg in Esslingen mit ihren 500 Mitarbeitern und rund 132 Millionen Euro Umsatz. Um die Produktion in einem immer trockeneren Klima zu retten, denkt der Geschäftsführer Andreas Reimer weit in die Zukunft.

Haben wir wieder ein extremes Jahr?

Die Extreme nehmen zu, das hat auch die Firma Hengstenberg deutlich gespürt. Es waren die Schwankungen zwischen Hitzeperioden und kalten Nächten, die besonders dem Gurken-Anbau zu schaffen machten. Der Firma fehlt Rohware, vor allem feinere Gurken aus deutschem Anbau. Andreas Reimer rechnet damit, dass es zu Lieferengpässen kommen kann und zu Preissteigerungen.

Was tun gegen den Klimawandel?

Die Experten bei Hengstenberg sind sicher: Wenn die Deutschen auch in zehn bis 20 Jahren heimisches Freilandgemüse essen wollen, müssen sie umdenken. Bei Starkregen müssen die Bauern Regenwasser sammeln und speichern, bei Dürre auf die Felder leiten. Rückhaltebecken oder Bewässerungsteiche sind Möglichkeiten. Teilweise lassen sich solche Ansätze sogar mit Hochwasserschutz und ökologischen Maßnahmen verbinden. All das erfordert viel Engagement und hohe Investitionen. Im Grunde heißt das: Wetterextreme und die Bereitstellung von Wasser werden in Zukunft alle Agrarkulturen verteuern.

Wie wappnet sich Hengstenberg gegen einen Rohstoff-Engpass?

Nach der extremen Dürre im letzten Jahr hat das Unternehmen für den Kohl Vorkehrungen getroffen. Es bezahlt den Landwirten einen Bewässerungszuschlag, hat Bewässerungsschulungen initiiert, mehr Flächen eingeplant und setzt stärker auf beregnungsfähige Felder. Diese Maßnahmen geben Sicherheit, kosten aber mehr Geld.

Wie ist die Situation beim Kraut?

Momentan geht Hengstenberg von einem besseren Jahr aus als 2018, doch werden die nächsten zwei Monate entscheidend sein. Allerdings mussten die Landwirte in den Hitzetagen dieses Sommers den Kohl bereits bewässern, sofern sie natürlich entsprechende Anlagen hatten.

Kann man Ernteausfälle durch Einkäufe aus dem Ausland ausgleichen?

„Wetterextreme hören nicht an einer Landesgrenze auf“, gibt Andreas Reimer zu bedenken. Ein Ankauf aus dem Ausland widerspricht der Philosophie des Unternehmens, das seinen Verbrauchern verspricht, Kohl aus deutschem Anbau zu verarbeiten. Das will Hengstenberg auf alle Fälle so beibehalten, denn nur so kann die Firma die Qualität von der Saat bis zur Ernte kontrollieren. Regionaler Anbau ist nachhaltig, hat Vorteile für Mensch und Umwelt. Und es stehen zahlreiche Existenzen dahinter.

Wie kann der Gurken-Anbau für die Landwirte wieder attraktiver werden?

Ein wesentlicher Punkt ist: Höhere Preise in der gesamten Wertschöpfungskette. In einem Glas Gurken aus deutschem Anbau steckt viel Handarbeit. Die hohen Umwelt- und Sozialstandards in der deutschen Landwirtschaft müssen etwas Wert sein. Erntehelfer ernten von Hand, und in der Produktion stopfen Mitarbeiter Gurken ins Glas. Und: Es braucht neue Beschaffungskonzepte für Erntehelfer.

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