Evelyne Gebhardt (SPD) – eine der Kandidatinnen aus dem Land, die sich berechtigte Hoffnungen machen. Foto: dpa

Ob Kandidaten aus Baden-Württemberg am 26. Mai ein Mandat erhalten, hängt von ihrer Platzierung auf der Liste ab.

Stuttgart - 1380 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich bundesweit um die 96 deutschen Sitze im Europäischen Parlament. An die Hundert sind es allein in Baden-Württemberg. Doch wer aus dem Südwesten hat wirklich Chancen auf ein Mandat in Brüssel und Straßburg? Genau weiß das natürlich niemand, und der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel hat einmal gemahnt: „Man darf Gottes Güte und dem Wähler keine Grenzen setzen.“ Soll heißen: Es ist stets alles drin.

Anhand der bisherigen Mandatsverteilung und dem jeweiligen Listenplatz lassen sich jedoch, kombiniert mit Umfragetrends, Prognosen wagen. Aus dem CDU-Landesverband sitzen momentan fünf Abgeordnete im Europaparlament – und alle fünf treten wieder an. Außer Spitzenkandidat Rainer Wieland (Gerlingen) sind das Daniel Caspary (Weingarten), Andreas Schwab (Villingen-Schwenningen), Norbert Lins (Pfullendorf) und Ingeborg Gräßle (Heidenheim). Ob es für Inge Gräßle, die auf der Landesliste Platz 5 einnimmt, tatsächlich reicht, ist aber fraglich. Denn jüngsten Umfragen zufolge muss die Union mit Verlusten rechnen.

Evelyne Gebhardt will durchstarten

Das gilt in noch größerem Ausmaß für die SPD. Vor fünf Jahren hatte sie bundesweit 27,3 Prozent der Stimmen erhalten, derzeit wird sie aber nur auf 16 bis 18 Prozent taxiert. 2014 zogen Evelyne Gebhardt (Künzelsau) und Peter Simon (Mannheim) mit ihren Listenplätzen 6 und 17 ins Parlament ein. Evelyne Gebhardt, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, tritt nun auf Platz 15 an. Das müsste ihr auch dieses Mal reichen. Für Luisa Boos (Platz 25) und Peter Simon (Platz 26) sind die Chancen allerdings gering.

Mit deutlichem Stimmenzuwachs können hingegen die Grünen rechnen. Bisher hält eine Abgeordnete aus Baden-Württemberg dort ihre Fahne hoch: Maria Heubuch aus Leutkirch. Da die Oberschwäbin von ihrer Partei aber nicht mehr für einen Listenplatz nominiert wurde, muss sie aus dem Parlament ausscheiden. Mit Michael Bloss (Stuttgart) und Anna Deparnay-Grunenberg (Stuttgart) kandidieren aber auf den Plätzen 14 und 15 zwei Baden-Württemberger, die gute Aussichten auf den Einzug ins Europaparlament haben. Übrigens: Der aus Mannheim stammende Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer betreut mittlerweile ostdeutsche Bundesländer.

Jörg Meuthen ist AfD-Spitzenkandidat

Für die FDP ist im Herbst 2017 der aus Horb stammende Abgeordneter Michael Theurer aus dem Europaparlament ausgeschieden, da er in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Für ihn rückte Wolf Klinz aus Berlin nach – als einer von drei FDP-Abgeordneten in Brüssel und Straßburg. Auch die Liberalen (2014: 3,4 Prozent) können Umfragen zufolge mit einem Stimmenzuwachs rechnen. Deshalb hat der Baden-Württemberger Andreas Glück (Münsingen) mit seinem Listenplatz 3 gute Aussichten.

Die AfD zog 2014 mit zwei Abgeordneten ins Europaparlament ein: Bernd Kölmel (Ötigheim) und Joachim Starbatty (Tübingen). Beide haben jedoch die Partei mittlerweile verlassen. Für die AfD sitzt seit 2017 nur ein Abgeordneter in Brüssel und Straßburg: Ihr Bundesvorsitzender Jörg Meuthen, der für die in den Bundestag gewählte Beatrix von Storch nachgerückt ist. Der frühere Landtagsabgeordnete aus Karlsruhe ist nun Spitzenkandidat der AfD. Auch sie kann am 26. Mai mit einem Stimmenzuwachs rechnen. Deshalb kann der bisherige Tuttlinger Landtagsabgeordnete Lars Patrick Berg damit rechnen, ins Europaparlament einzuziehen. Denn er hat Listenplatz 4.

Auch Claudia Haydt (Linke) hofft

Für die Linke kann sich Claudia Haydt aus Tübingen gewisse Hoffnungen machen. Sie steht auf Platz 7. Exakt so viele Mandatsträger stellt die Partei bisher im Europaparlament. Umfragen trauen ihr ein ähnliches Ergebnis wie 2014 zu, das waren bundesweit 7,4 Prozent. Freie Wähler, Piraten und mehrere weitere Parteien stellen ebenso einzelne Abgeordnete in Brüssel und Straßburg, jedoch niemanden aus baden-württembergischen Landesverbänden. Wahlkreise, die man den Kandidaten zuordnen könnte, gibt es bei der Europawahl übrigens nicht.

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