Am 23. August tanzt Catarina Gonçalves Ribeiro um den Einzug ins Finale der Street Dance- Weltmeisterschaft. Foto: Matthias Ring

Catarina Gonçalves Ribeiro ist Europameisterin im Streetdance. Jetzt fährt die Reutlingerin zur WM nach England.

Reutlingen - Europameister gibt es viele. Einige sind je nach Sportart mehr oder weniger populär, manche völlig unbekannt – wie Catarina Gonçalves Ribeiro. Die 19-Jährige aus Reutlingen ist Europameisterin im Streetdance, wenn man es genau nehmen will im Hip-Hop Streetdance Freestyle Solo über 18. Und weil in ihrer Disziplin nicht zwischen Männern und Frauen unterschieden wird, ist sie die Beste überhaupt.

Das, was die junge Frau auf der Tanzfläche zeigt, kommt ganz aus ihr selbst – ohne Trainer und ohne Verein. Eher zufällig hatte sie erfahren, dass es eine United Dance Organisation (Udo) gibt und sich dort mal vorgestellt. Nach dem ersten Vortanzen wurde sie alsbald süddeutsche Meisterin und dann Zweite bei der Deutschen Meisterschaft, was sie schließlich zur Teilnahme an der EM in den Niederlanden berechtigte. Inzwischen tanzt Gonçalves Ribeiro zusätzlich in einer 17-köpfigen Gruppe unter choreografischer Anleitung des erfolgreichen Streetdancers Memi Demiri, rein privat. „Da geht es ums Teilen einer gemeinsamen Leidenschaft“, sagt sie. „Aber im Freestyle solo ist alles improvisiert und kann man über sich selbst hinauswachsen.“

Getanzt hat Gonçalves Ribeiro schon immer

Die Bewegung hat sich aus dem Breakdance in Straßen der Bronx entwickelt und nicht zwingend mit dessen Abläufen zu tun. Beim Freestyle ist eben alles möglich. Gonçalves Ribeiro dreht keine Pirouetten auf dem Kopf, sondern ist meist mit beiden Beinen auf dem Boden. Nicht nur auf der Tanzfläche: Sie hat gerade ihr Abitur gemacht und denkt daran, ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Psychiatrie zu absolvieren. Am liebsten würde sie Psychologie studieren, „doch dafür reicht wohl mein Notenschnitt nicht“, sagt sie. Der liegt bei 2,9, „in der 12. Klasse habe ich die Schule wegen Streetdance ziemlich vernachlässigt“. Sie ist realistisch genug, nicht davon zu träumen, ihr Hobby zum Beruf zu machen, etwa in Shows oder mit Workshops. „Aber wenn man’s mir vor die Füße legen würde . . .“

Getanzt hat Gonçalves Ribeiro schon immer, mit Fünf das erste Mal in einer Gruppe. Musikalisch festgelegt ist sie nicht. Sie mag auch Volkstänze – aus Portugal, woher ihre Familie stammt, allerdings ist schon ihr Vater hier geboren – und hört eigentlich alles. „Klassische Musik hilft mir bei der Konzentration.“ Als sie vor einigen Jahren den Gewinner der TV-Show „Got to dance“ entdeckt hat und auch an einem Workshop von Majid Kessab teilnahm, hat der Streetdance eine gewisse Größenordnung in ihrem Leben bekommen. Bis zu fünf Mal die Woche geht sie tanzen, meist mit Freunden in den Jugendhäusern in der Region, gelegentlich auch mal in den Perkins Park nach Stuttgart. Besonders wenn Battles sind – ein Wettbewerb, an dessen Ende nur einer auf der Tanzfläche übrig bleibt.

Getanzt wird zu den Beats eines DJs.

So ähnlich muss man sich auch die Weltmeisterschaft vorstellen, die im englischen Seebad Blackpool stattfindet. Die „Preselection“ beginnt für Catarina Gonçalves Ribeiro am 23. August, einen Tag nach ihrem 20. Geburtstag. Wenn sie die übersteht, ist sie am nächsten Tag im Finale. Getanzt wird im Wettbewerb nicht zu einem Song, sondern zu den Beats eines DJs. Hohe Preisgelder gibt es nicht, Anreise und Unterkunft sind selbst organisiert und finanziert.

„Ich habe das Glück, dass mich meine Eltern voll und ganz unterstützen“, sagt Gonçalves Ribeiro, deren Nachname sich wie in Portugal üblich aus denen ihrer Mutter und ihres Vaters zusammensetzt. Die beiden und Freunde begleiten sie nach Blackpool, danach sollen es noch ein paar Tage London sein, ehe es direkt zur Familie nach Porto geht, ob mit oder ohne Pokal – der von der Europameisterschaft steht in ihrem Zimmer über dem Fernseher. In dem werden übrigens keine Bilder von der WM zu sehen sein, sondern nur auf Youtube – und im Familienarchiv. Diesmal filmt sicherheitshalber Catarinas Vater mit, weil ihre Schwester es bei der EM vor lauter Aufregung vergessen hatte.

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