Für gewöhnlich im Dienste der Patienten: Der Geschäftsführer Jürgen Brunner (links), die Redakteurin Kristin Weigand-Wiebel und der Produktionsleiter Paul Glöckner stellen ihre Arbeit vor. Foto: factum/Granville

Der Klinik-Info-Kanal produziert Fernseh- und Unterhaltungsprogramme für mehr als 700 Krankenhäuser. Dabei ist das Ziel des Unternehmens, ein wenig Farbe in den oft grauen Klinikalltag zu bringen.

Herrenberg - Jeder, der schon mal ins Krankenhaus musste, ob als Patient oder Angehöriger, kennt die Situation. Man ist voller Sorge, fühlt sich vom Klinikpersonal nicht ausreichend informiert, und die Wartezeit in der Notaufnahme erscheint wie eine Ewigkeit. „Wir wollen den Menschen diese Ausnahmesituationen ein wenig erleichtern“, erklärt Jürgen Brunner, der Geschäftsführer des Klinik-Info-Kanals. Das Ziel seiner Firma sei, Farbe in den oft grauen Krankenhausalltag zu bringen.

In dem Unternehmen mit Hauptsitz in Herrenberg produziert Brunner mit seinen Mitarbeitern Patientenfernsehen, das an mehr als 700 Klinikstandorten ausgestrahlt wird. Jedes zweite Krankenhaus in Baden-Württemberg hat den Klinik-Info-Kanal – aber auch Häuser wie die Berliner Charité oder die Vivantes-Kliniken zählen zu den Kunden. In der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein wird ebenfalls gesendet. Damit ist der Klinik-Info-Kanal nach eigenen Angaben europäischer Marktführer.

Patienten erfahren das Wichtigste über ihren Aufenthalt in der Klinik

Brunner setzt auf eine Mischung aus Information über die jeweilige Klinik und Unterhaltung. Egal, ob es sich um tagesaktuelle Informationen, Speisepläne, Gottesdienste oder andere Veranstaltungen handelt – über den Klinikhauskanal erfahren die Patienten das Wichtigste über die Abläufe während ihres Aufenthalts. „Fragen, die immer wieder gestellt werden, können so beantwortet werden“, sagt Brunner. Darüber hinaus schaffen Tierdokumentationen, Reise- und Gesundheitsreportagen, Wetterberichte oder Quizfragen eine Wohlfühlatmosphäre in den oft kargen Klinikzimmern. „Anfangs hatten wir auch Blockbuster im Programm – aber eine Befragung der Patienten hat ergeben, dass sich die meisten ruhige Unterhaltung wünschen“, erklärt Brunner die Auswahl. Oft seien die Menschen im Krankenhaus auch in einer Umbruchphase – sie nähmen sich beispielsweise vor, gesünder zu leben. Deshalb seien sie besonders empfänglich für Gesundheitstipps.

Auch für die Wartebereiche hat sich das Team mit dem „Kik-Foyer“ etwas einfallen lassen. Über die Bildschirme flimmert ein Unterhaltungsprogramm für Erwachsene oder Kinder. Die Kliniken können aber auch Informationen übermitteln, beispielsweise über die Länge der Wartezeit oder die Abläufe in einer Notaufnahme. „Das entlastet dann auch das Klinikpersonal“, sagt Brunner.

Kleinstes Unternehmen mit bundesweiter Sendelizenz

Begonnen hat alles im Jahr 1998. Damals saß die Firma noch in Böblingen und war auf die Entwicklung neuer Kommunikations- und Mediensysteme spezialisiert. Die Leonberg-Klinik wollte für die Patienten ein Unterhaltungsprogramm. „Anfangs konnten wir noch nichts Aktuelles einspeisen, das Programm lief über eine 70-minütige DVD in einer Dauerschleife“, berichtet Brunner. Doch nach einer Marktanalyse war klar, dass die Nachfrage nach einem speziellen Krankenhausprogramm groß ist. „Wir kamen zum rechten Zeitpunkt, vorher gab es die nötige Technik noch gar nicht“, erklärt Brenner den Erfolg des Unternehmens. Daraufhin entwickelte es ein eigenes Programm, die dazugehörige Technik und konzentrierte sich fortan auf die Krankenhaussparte. Besonders stolz ist Brunner darauf, dass der Klinik-Info-Kanal seit dem Jahr 2007 eine bundesweite Sendelizenz als Fernsehspartenrahmenprogramm erhalten hat – „als kleinstes Unternehmen bundesweit“.

45 Mitarbeiter hat das Unternehmen, sie arbeiten in Herrenberg und in externen Studios in der Schweiz und in Österreich. Außerdem arbeitet Brunner mit freiberuflichen Filmteams in Hamburg und Berlin zusammen. Inzwischen hat der Klinik-Info-Kanal noch ein weiteres Standbein: Mit Imagefilmen zeigen Brunner und seine Mitarbeiter die Krankenhäuser von ihrer besten Seite. Dazu kommen auch speziellere Aufträge, etwa um Blicke hinter die Kulissen der Kliniken zu gewähren. Für Brunner steht fest: „Wir müssen uns ständig weiterentwickeln – aber das macht es auch so spannend.“

Unterhaltung in Kliniken

Standorte: In der Region Stuttgart nutzen den Klinik-Info-Kanal das Klinikum Stuttgart, das Diakonie-Klinikum, das Karl-Olga-Hospital und der Klinikverbund Südwest.

Klinikverbund Südwest: Zum Klinikverbund Südwest gehören das Klinikum Sindelfingen-Böblingen, das Kreisklinikum Calw-Nagold, das Herrenberger und das Leonberger Krankenhaus. In diesen Kliniken gibt es keine regelmäßigen Veranstaltungen, da die meisten Patienten nicht mobil sind. Die Zimmer sind mit Fernsehern ausgestattet, in den renovierten Bereichen gibt es eigene Bildschirme am Bett. Zudem gibt es in vielen Bereichen freies WLAN. „Bücher und Zeitschriften sind aber auch nicht aus der Mode“, sagt Ingo Matheus, der Sprecher des Klinikverbunds. Am wichtigsten seien aber trotz aller Medientechnik die Besuche von Freunden und Familie für die Patienten.

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