Yalcin Bayraktar (links) – mit Oberbürgermeister Jürgen Zieger – hat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Foto: Ines Rudel

Der 40-Jährige aus Friedrichshafen wird in den kommenden acht Jahren für die Bereiche Schule, Ordnung, Kultur, Sport und Soziales zuständig sein. Bei der Wahl hat sich damit der Favorit durchgesetzt. Es gab aber dennoch eine Überraschung.

Esslingen - Das Ergebnis birgt Sprengstoff. Zwar hat der Esslinger Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit das Vorschlagsrecht der Grünen akzeptiert und mit 25 Stimmen den Friedrichshafener Amtsleiter für Soziales, Familie und Jugend, Yalcin Bayraktar, als Nachfolger von Markus Raab (CDU) zum neuen Esslinger Ordnungs-, Sozial-, Kultur- und Schulbürgermeister gewählt.

Es gab aber auch 13 Stadträte, die sich nicht an die seit Jahrzehnten geübte gemeinderätliche Absprache gehalten haben. Überraschenderweise hat dabei nicht Brigitte Häfele die meisten Reststimmen erhalten, sondern die im Esslinger Landratsamt tätige Regina Liebe-Tumbrick. Für sie votierten sieben Stadträte. Die als Parteilose bisher der Grünenfraktion angehörende Brigitte Häfele erhielt fünf Stimmen. Ein Stadtrat gab seine Stimme dem Plochinger Thomas Wust.

Yalcin Bayraktar war zuletzt Amtsleiter in Friedrichshafen

Der bisher in Oberschwaben beheimatete Yalcin Bayraktar hat in den vergangenen fünf Jahren in Friedrichshafen zunächst als Integrationsbeauftragter, dann als Sachgebietsleiter Migration und Asyl und seit 2016 als Amtsleiter für Migration und Integration im Bodensee-Landratsamt gearbeitet. Seit 15 Monaten ist er bei der Stadt Friedrichshafen Amtsleiter für Soziales, Familie und Jugend.

Darüber hinaus ist er seit mehr als zwölf Jahren Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Türkischen Akademiker-Vereins in Ravensburg, der sich mit vielen, teilweise bundesweit beachteten Projekten – etwa einem Grundrechte-Comic – um die Integrationschancen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kümmert.

Parforceritt durch das neue Aufgabengebiet

In seiner Bewerbungsrede, die einem Parforceritt durch sein umfangreiches, neues Aufgabengebiet in Esslingen glich, regte er die Einberufung einer lokalen Sicherheitskonferenz ebenso an wie die Schaffung einer Kinder-Uni und eines effizienteren Raummanagements. „Ich werde Beteiligungsprozesse, dort wo sie möglich sind, vorantreiben“, kündigte Yalcin Bayraktar an.

Nicht erfüllt haben sich die Hoffnungen der Grünen-Stadträtin Brigitte Häfele, die sich mit ihrer überraschenden Bewerbung gegen ihre eigene Fraktion gestellt hatte und diese nun wird verlassen müssen. Mit Themen wie Schulentwicklung, Kultur als Grundversorgung der Gesellschaft oder der geplanten Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit im Betreuungs- und Pflegesektor konnte sie nur wenige Stadträte von sich überzeugen.

15 Kandidaten wollten Bürgermeister werden

Durchaus selbstbewusst und dem Vernehmen nach unterstützt von weiten Teilen der CDU hat sich Regina Liebe-Tumbrink als kompetente Bewerberin angepriesen. Neben ihrer Landratsamtskarriere ist sie als Dozentin an den Hochschulen in Ludwigsburg und Esslingen – dort im Bereich Soziale Arbeit – tätig.

Insgesamt hatten sich 15 Kandidaten für die Wahl gemeldet, neun von ihnen nutzten die Möglichkeit, sich am Montag jeweils zehn Minuten im Gemeinderat vorzustellen. Unter ihnen waren auch der Dauerbewerber Ulrich Raisch, der erneut für einen Musikkindergarten warb, und Chris Winter, Großfürst von Kerry, der darauf pochte, dass seine offizielle Ansprache „königliche Hoheit“ zu lauten habe.

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