In der Sulzgrieser Straße sind 2018 vier Haltestellen barrierefrei geworden. Foto: Ines Rudel

Bis Ende 2021 müssen sämtliche Haltestellen im Stadtgebiet umgerüstet werden – eigentlich.

Esslingen - Der Text des Personenbeförderungsgesetzes ist nur auf den ersten Blick eindeutig: Bis zum 1. Januar 2022, heißt es da, müssen alle Bushaltestellen in Deutschland barrierefrei sein. Weil aber selbst dem eingefleischtesten Bürokraten in Berlin klar ist, dass die Städte und Kommunen diese Forderung nicht erfüllen können, hat der Gesetzgeber einige Schlupflöcher eingebaut, die die Umrüstung auch in späteren Jahren möglich machen.

Davon profitiert auch Esslingen, wo es bis zum Mai 2017 rund 20 solcher barrierefreien Haltestellen gab. Mittlerweile sind zwar noch einige – im vergangenen Jahr allein vier im Zuge der Sanierung der Sulzgrieser Straße – hinzugekommen. Aber wenn man bedenkt, dass es in Esslingen mehr als 300 Haltestellen gibt, ist die Stadt von einer flächendeckenden Ausstattung mit barrierefreien Busstops noch meilenweit entfernt.

Ein möglichst enges Netz wird geknüpft

Das hatten die Linken im Esslinger Gemeinderat moniert und Anfang 2018 gefordert, die Bemühungen um den Ausbau des barrierefreien Bushaltenetzes zu forcieren. Weil das ein Vorstoß war, gegen den selbst die großen Parteien guten Gewissens nichts einwenden konnten, bekam ein Antrag der Linken ausnahmsweise im Gemeinderat einmal eine Mehrheit. Über das, was seither geschah, gehen die Meinungen indes auseinander. Die Linken monierten in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses, dass die Stadt wenig bis nichts getan habe. Dem widersprach der für den Busverkehr zuständige Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust vehement.

Zum einen sei auch im vergangenen Jahr überall dort, wo die Stadt in der Nähe von Bushaltestellen Bauarbeiten durchgeführt habe, die Barrierefreiheit – wenn irgend möglich – hergestellt worden. Zum anderen habe die Stadt die Zeit genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen. Rust: „Schließlich muss es unser Ziel sein, das Netz an barrierefreien Bushaltestellen möglichst effektiv zu knüpfen.“

Es gibt jetzt eine Prioritätenliste

Dazu hat die Stadt in einem ersten Schritt eine Ist-Erhebung aller Haltestellen in der Stadt erstellt. Dabei ist nicht nur untersucht worden, welche Baumaßnahmen notwendig sind, um die Barrierefreiheit zu erreichen. Auch die Erreichbarkeit und die Ausstattung mit Sitzgelegenheiten und der Wetterschutz wurden ermittelt. In einem zweiten Schritt hat der Verkehrsplaner Fabian Dobeschinsky eine Prioritätenliste erstellt. Demnach gibt es jetzt drei Kategorien: Stadtteil-, Haupt- und normale Haltestellen. Die ausgewiesenen 22 Stadtteilhaltestellen, die für die einzelnen Esslinger Ortsteile von zentraler Bedeutung sind, sollen nun ebenso vorrangig ausgebaut werden wie jene 20 Haupthaltestellen, die deutlich stärker frequentiert werden als die restlichen 260 Haltepunkte.

Ziel ist es also, ein barrierefreies Grundnetz zu schaffen, um in den folgenden Jahren dieses Netz dann immer enger knüpfen zu können. Die vorrangig zu sanierenden Haltestellen sollen nicht nur ein Hochbord erhalten, der einen ebenerdigen Ausstieg ermöglicht, sondern auch ein so genanntes taktiles Leitsystem, das sehbehinderten und blinden Menschen die Orientierung im Haltestellenbereich erleichtert.

Das Projekt birgt durchaus Probleme. Weil manche Haltestellen in Kurven und vor Garagen oder Hofeinfahrten liegen, können barrierefreie Lösungen teilweise nur verwirklicht werden, wenn die Haltestellen verlegt werden.

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