Wer mit seinen Problemen nicht mehr weiter weiß, kann sich Hilfe holen. Foto: Adobe Stock

Die psychologischen Beratungsstellen des Kreisdiakonieverbandes unterstützen Menschen mit seelischen Problemen. Am Donnerstag stellten sie ihre Jahresberichte vor. Viele Hilfesuchende sind Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern.

Esslingen - Die Liste ist lang. Von Problemen in der Schule, Leistungsdruck, Liebeskummer bis hin zu Streit mit den Eltern oder Freunden reichen die Sorgen und Nöte, mit denen Kinder und Jugendliche sowie deren Familien zu den Beratungsstellen des Kreisdiakonieverbandes in Esslingen und auf den Fildern kommen. Am Donnerstag stellte der Kreisdiakonieverband die Jahresberichte der beiden Beratungsstellen im Otto-Riethmüllerhaus in Esslingen vor. In beiden Beratungsstellen wurden im vergangenen Jahr jeweils rund 1000 Menschen unterstützt. Etwa zwei Drittel davon waren Kinder oder Jugendliche sowie deren Eltern.

Vor allem Mädchen leiden unter Essstörungen

Die seelischen Sorgen können vor allem bei Mädchen zu Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Adipositas führen. In Esslingen gibt es eine spezielle Anlauf- und Beratungsstelle dafür. Die Adipositas, also die krankhafte Fettleibigkeit, habe gerade bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. Das sagt die Leiterin der psychologischen Beratungsstelle Esslingen, Gunhild Ilisei. Die Gründe dafür seien vielschichtig. Bei der Adipositas sei neben einem gewissen Lebensstil auch Armut eine Ursache. Darüber hinaus hat Ilisei in jüngster Zeit beobachtet, dass sich immer mehr Jugendliche selbst verletzten. Dabei schnitten sie sich mit Messern oder Rasierklingen an den Armen oder Beinen. Dies sei ein Ausdruck seelischer Not, erklärte sie. Ein weiter wachsendes Problem sei ferner das Mobbing unter jungen Leuten, im echten Leben sowie im Internet. „Das hat deutlich zugenommen und wird weiter zunehmen“, ist sich Ilisei sicher.

Einen rückläufigen Trend erkennt die Psychologin dagegen beim Komasaufen und den Suizidandrohungen, die in der Vergangenheit einen großen Beratungsaufwand verursacht hatten. Immer wieder änderten sich die Ausdrucksweisen, mit denen sich die Jugendlichen Ventile für ihre Probleme schaffen würden. Ebenfalls rückläufig seien die Besuche von Eltern, deren Kinder unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) litten.

In Gesprächen versuchen insgesamt zehn Psychologen und Sozialpädagogen den Betroffenen zu helfen. „Wir suchen ganz individuell nach Lösungen“, erklärt Elisabeth Rümenapf. Sie ist die Leiterin der Beratungsstelle auf den Fildern. In vielen Fällen könne bereits nach fünf oder sechs Terminen ein Ausweg gefunden werden. Sollte die Beratungsstelle keine Lösung finden, stehen ihr Partner zur Verfügung, an die Hilfesuchende weiterverwiesen werden können, beispielsweise wenn ein Psychiater aufgesucht werden sollte, der eine medikamentöse Behandlung bei psychischen Problemen beginnen kann.

Es gibt auch eine Online-Beratung

Um leichter einen Zugang zu den Jugendlichen zu bekommen, bietet die Beratungsstelle auch eine Online-Beratung an. Häufig seien dort Anfragen wegen Mobbing oder Suizidgedanken, erklärt Rümenapf. Über die Online-Beratung fänden viele Jugendliche den Weg in die Beratungsstellen. „Die Jugendlichen nutzen gerne den Weg über das Internet. Das sind sie gewohnt“, ergänzt Ilisei. Außerdem könne der Erstkontakt so anonym erfolgen. Man müsse sich zwar anmelden und sich einen Zugang einrichten. Aber die Anmeldung müsse nicht mit dem richtigen Namen erfolgen.

Über die Beratung von Kindern und Jugendlichen hinaus bieten die Beratungsstellen auch Schwangeren-, Flüchtlings- und Paarberatung an. Bei der Paarberatung kämen immer häufiger auch Senioren, die Probleme mit dem Zusammenleben nach dem Renteneintritt hätten.

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