Immer geduldig, immer hilfsbereit, das ist das Rezept von Spiros Kounouslis. Foto: Horst Rudel

Der Verkehrsverbund Stuttgart zeichnet zwei heldenhafte Busfahrer aus und einen besonders rücksichtsvollen. Dieser verrät sein Geheimrezept gegen ätzende Fahrgäste.

Esslingen - Die Frau schreit um ihr Leben. Der hünenhafte Mann, voll mit Drogen gepumpt, schleift sie an den Haaren zum Wendlinger Bahnsteig 12. Er will sie vor die S-Bahn stoßen, ihr Oberkörper liegt schon halb im Gleisbett, gerade fährt die S-Bahn ein. Die Fahrgäste am Bahnsteig schauen einfach zu.

Nicht so der Busfahrer Ugur Altun und sein Kollege Mario Landwehr, die in ihren Bussen auf der anderen Seite des Bahnsteigs warten. Sie fackeln nicht lange, rennen aus ihren Bussen, werfen sich auf den Mann. Taifun bekommt einen heftigen Schlag ab, der ihm die Schulter auskugelt, ihm ein halbes Jahr Krankschreibung und eine lebenslange Beeinträchtigung einbringt. Trotzdem kann er den Hünen zu Boden reißen. Er und Mario Landwehr setzen sich auf ihn und halten ihn fest, bis die Polizei kommt.

Für diese heldenhafte Tat am 29. Dezember wurde der 37-Jährige am Donnerstag vom Horst Stammler, Chef des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS), mit einer Urkunde für besondere Zivilcourage geehrt, dazu bekam Altun einen Theater- und Restaurantgutschein. Gewürdigt wurde auch Mario Landwehr, der zur Zeit auf einer Urlaubsreise ist. Warum hat ausgerechnet er geholfen? „Ich habe gedacht, es hätte ja auch meine Schwester oder meine Tochter sein können“, sagt Altun, der für das Kirchheimer Unternehmen OVK fährt.

Doch es gab an diesem Donnerstag noch einen weiteren Mann, der vom VVS-Chef Horst Stammler eine Urkunde erhielt. Das ist der 58-Jährige Spiros Kounouslis, den etwa 1000 befragte Fahrgäste zum Busfahrer des Jahres im Kreis Esslingen kürten.

Verglichen mit Athen, ist Esslingen doch eher familiär

Spiros Kounouslis ist seit sechs Jahren in Deutschland, hat dort auch einen Sprachkurs absolviert, bei dem ihn seine Firma, GR-Omnibus, unterstützt hat. Von Beruf ist er Bäcker, aber er hat schon drei Jahre lang in Athen Busse gefahren, bevor er mit seiner Familie nach Deutschland zog.

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Busverkehr in Athen und in Esslingen? „Ich möchte nichts Schlechtes über meine Heimat sagen“, bekennt Spiros Kounouslis, „aber für die Verkehrsverhältnisse in Athen gibt es ein schönes griechisches Wort: ,Katastrophe’“.

Verglichen mit der griechischen Metropole gehe es in Esslingen gemütlich und familiär zu. Kounouslis kennt seine Fahrgäste, die er vom Flughafen über die Filder nach Esslingen fährt – und sie kennen ihn. Die Fahrgäste beschreiben ihn als höflich und rücksichtsvoll, er fahre ausgeglichen, er sei freundlich und zuvorkommend, heißt es auf den Stimmzetteln, die für ihn abgegeben wurden.

Aber was tut man, wenn man rüpelhaft behandelt wird? „Ich weiß ja nicht, was dieser Mensch im Kopf hat, vielleicht hat er Ärger bei der Arbeit oder mit seiner Familie“, sagt Kounouslis, „mein Rezept ist: geduldig bleiben, höflich und hilfsbereit.“

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