Hat sich noch nicht in die erste Elf des VfB Stuttgart arbeiten können: Neuzugang Marc-Oliver Kempf (li.) Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart startet ungeschlagen ins erste Pflichtspiel der Saison. Trainer Tayfun Korkut ist mit der Vorbereitung bislang zufrieden. Vieles macht Hoffnung, dennoch bleibt der Trainer auf der Hut.

Stuttgart - Sechs Wochen und sieben Spiele sind vorüber – die Profis des VfB Stuttgart biegen auf die Zielgerade der Saisonvorbereitung ein. Nicht wenige im und um den Club haben dabei ein recht gutes Gefühl, auch von Euphorie ist die Rede. Ist diese berechtigt? Ist das Team bereit für den Pflichtspielstart am Samstag (20.45 Uhr) im DFB-Pokal bei Hansa Rostock? Halten die Neuen, was man sich von ihnen versprochen hat? Definitive Antworten gibt es, wenn die Saison begonnen hat, einen Eindruck schon jetzt:

Die Ergebnisse

„Das Ergebnis ist immer wichtig“, sagt Tayfun Korkut. Der Trainer des VfB steht dabei in der Abendsonne von Weinstadt, seine Mannschaft hat gerade das letzte Testspiel gegen Real Sociedad San Sebastián 1:0 gewonnen, und der Coach spricht von „unserem klassischen Ergebnis“. Soll heißen: Wie schon in der Rückrunde der vergangenen Saison hat es der VfB auch in der Vorbereitung geschafft, die knappen Spiele positiv für sich zu gestalten. Und weil es für ein 4:0 auch nicht mehr Punkte gibt als für ein 1:0, macht das den Trainer erst einmal zufrieden. Einfach sei dies nämlich nicht, „das ist viel Arbeit“. Also lobt Korkut die geistige und körperliche „Bereitschaft“ seiner Spieler, diese zu verrichten: „Wir können uns auf alle verlassen, das ist sehr erfreulich.“ Wie es auch die Testspielergebnisse gegen verschiedenste Mannschaften waren – bei fünf Siegen, zwei Unentschieden und null Niederlagen.

Die Neuzugänge

Das große Plus des VfB in dieser Vorbereitung: Bereits kurz nach deren Beginn waren alle Neuzugänge mit dabei, die Phase der Eingewöhnung ist also entsprechend lang und schon vor den ersten Pflichtspielen so gut wie abgeschlossen. „Uns war wichtig, dass sie die Abläufe schnell verinnerlichen“, sagt Korkut und ist mit dem Prozess zufrieden: „Die neuen Spieler haben sich Woche für Woche besser angepasst.“ Einen starken Eindruck hat dabei Nicolas Gonzalez hinterlassen, der sich als Partner von Mario Gomez im Angriff empfehlen konnte. Wahrscheinlich ist auch, dass Pablo Maffeo, Gonzalo Castro und Daniel Didavi auf Anhieb einen Platz in der Startformation ergattern werden. Marc-Oliver Kempf hat die starke Konkurrenz in der Innenverteidigung trotz solider Auftritte noch nicht überflügeln können, Borna Sosa wird an Emiliano Insua zunächst nicht vorbeikommen, David Kopacz spielt noch keine größere Rolle.

Die Personalsituation

„Wir sind gut durch die Vorbereitung gekommen“, sagt Korkut und ist vor allem froh, dass sich kein Spieler eine schwerwiegende Verletzung zugezogen hat. Christian Gentner und Santiago Ascacibar haben ihre Blessuren auskuriert und standen gegen Real Sociedad wieder auf dem Spielfeld. Andreas Beck, der nach seinem Kreuzbandanriss schnell zurück­gekehrt ist, bekommt zwar immer wieder Spielpausen verordnet, aber auch der Rechtsverteidiger könnte in Rostock auflaufen. Was die Testspiele zudem gezeigt haben: Trotz jeweils vieler Wechsel geriet das Spiel des VfB nie aus den Fugen – was für die Breite im Kader spricht. Dieser verändert sich bis zum Ende der Transferperiode wohl kaum mehr. Berkay Özcan und Marcin Kaminski sind noch Kandidaten für eine Leihe, ein Wechsel von Weltmeister Benjamin Pavard ist noch nicht vollends vom Tisch. Offen ist, wer den neuen Mannschaftsrat bilden wird. Klar ist für Trainer Korkut: Christian Gentner bleibt Kapitän.

Die Spielanlage

Korkut freut sich über „mehr Optionen“ und „andere Typen“ in seinem jetzigen Kader. Wer in der Vorbereitung das große Experimentieren erwartet hatte, wurde aber enttäuscht. Ganz bewusst setzte der Trainer auf die Festigung des zuletzt erfolgreichen 4-4-2-Systems – zum einen, damit die neuen Spieler dies schnell kennenlernen, zum anderen, damit sich auch die bewährten Kräfte „an das erinnern, was uns stark gemacht hat“. In dieser Grundordnung gebe es nun aber mehr Möglichkeiten zu variieren, versichert Korkut – zum Beispiel, indem Positionen offensiver oder defensiver interpretiert werden. „In den nächsten Wochen“, ist Korkut sicher, werden auch spielerisch und taktisch „die nächsten Schritte kommen“.

Das Fazit

Die Grundlagen sind gelegt, die neuen Spieler integriert, „jetzt geht es um Details“, sagt Korkut, der wohl vernommen hat, welch positive Stimmung sich rund um den Verein breit gemacht hat. „Klar, wir gehen optimistisch in die Saison“, sagt auch er und will die Euphorie gar nicht bremsen. Er empfindet sie schließlich als „Wertschätzung für die Mannschaft“, die dafür einiges getan habe. Prognosen gibt der Trainer dennoch keine ab, denn er weiß, dass jeder noch so kleine Erfolg bestätigt werden muss. „Fußball ist nicht gestern“, sagt er, „Fußball ist immer heute und morgen.“

Also nicht mehr FV Illertissen, Atlético Madrid oder Real Sociedad, sondern nun Hansa Rostock und Mainz 05.

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