Leihgroßeltern der llm frischen ihr Erste-Hilfe-Wissen auf. Foto: Waltraud Daniela Engel

Die Ilm hat ihre Leihgroßeltern in Erster Hilfe am Kleinkind ausgebildet. Da Kinder risikobereiter sind, ihre Grenzen austesten und so häufiger mal einen Unfall haben, müssen die ehrenamtlichen Helfer auf den Ernstfall vorbereitet sein.

Möhringen - Hallo du, hörst du mich?“, fragt Marko Hedler und rüttelt Jessica Knirsch an der Schulter. Im Ernstfall würde Knirsch jetzt nicht lächeln und nicken, sondern tatsächlich bewusstlos sein. Und was dann? Wie war das gleich noch mit der Beatmung und der stabilen Seitenlage? Und was wäre anders, wenn anstelle der Erwachsenen ein Kleinkind vor dem Ersthelfer liegen würde?

„In erster Linie geht es um Prävention“, erklärt Sonja Randhahn, die an diesem Tag die Leihgroßeltern in Erster Hilfe am Kleinkind schult. Da Kinder risikobereiter sind, ihre Grenzen austesten und so häufiger mal einen Unfall haben, müssen die ehrenamtlichen Helfer der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm) auch wissen, wie Gefahren zu vermeiden sind. Klassische Notfälle sind das Verschlucken von Gegenständen oder giftigen Substanzen. „Eine verschluckte Murmel bekommt man in der Regel mit einer Oberbauchkompression heraus“, sagt Randhahn. Dazu müsse Druck unterhalb der Rippen ausgeübt werden. Und giftige Substanzen, wie sie etwa in Putzmitteln oft enthalten sind, sollte man wegschließen und niemals in Sprudelflaschen umfüllen, betont die Ausbilderin.

„Geliehene“ Großeltern

Bereits seit vier Jahren gibt es das Projekt Leihgroßeltern und das funktioniert so: Familien mit Kindern, bei denen die eigenen Großeltern weit weg sind, bekommen eine Leihoma oder einen Leihopa, der in der Regel einmal wöchentlich einen Nachmittag mit den Kindern verbringt. Auf den Spielplatz gehen, ein Zoobesuch oder Vorlesen: alles Dinge, die die „geliehenen“ Großeltern, ehrenamtlich und mit großer Freude mit den Kindern unternehmen. „Wir sind darauf angesprochen worden, ob wir nicht einmal einen Erste-Hilfe-Kurs anbieten können“, sagt Birgit Keyerleber, die zusammen mit Knirsch das Projekt betreut. Schließlich ist bei den meisten der verpflichtende Kurs zum Führerschein schon eine Weile her.

„Ein wichtiger Unterschied bei der Wiederbelebung von Kindern ist, dass man zuerst fünfmal beatmet, während man bei Erwachsenen gleich mit der Herzdruckmassage anfängt“, sagt Randhahn zu den Leihgroßeltern. Bei Kindern setze die Atmung schneller aus und durch die Initialbeatmung komme sie meist wieder in Gang. „Und dann 30 mal drücken, zweimal beatmen“, sagt sie. Das ist bei allen gleich – schließlich soll Erste Hilfe vor allem eins sein: einfach, damit sich jeder zutraut im Notfall zu helfen.

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