Bald pulsiert hier das Leben: Der Kombi-Bau aus Schulprovisorium und Wohnhaus in der Schwarzwaldstraße. Foto: factum/Granville

Die Lehrer packen schon die Umzugskartons: Weil die Ellentalgymnasien aufwendig saniert werden, hat die Bietigheimer Wohnbau statt Containern gleich einen Neubau hingestellt. Das Bauwerk bietet einen cleveren Mehrwert.

Bietigheim-Bissingen - Hundert Container auf Schulgelände und Parkplätzen: Diese Perspektive behagte weder den Lehrern und Schülern der Bietigheimer Ellentalgymnasien noch den Entscheidern bei der Stadt. Die rund hundert Container hätte es gebraucht, um Schüler und Lehrer des Doppelgymnasiums für zwei bis drei Jahre umzuquartieren. Der Exodus ist nötig, weil der in die Jahre gekommeneGebäudekomplex für 18,5 Millionen Euro generalsaniert wird. Vor allem Fassaden, Heizung und Lüftung bedürfen einer Überholung. „Wir sind froh, dass es nicht die Container-Lösung geworden ist“, sagt Lutz Kretschmer, Leiter eines der beiden Gymnasien.

Statt für Container-Klassen, deren Kosten mit 1,7 Millionen Euro kein Pappenstiel gewesen wären, setzte Bietigheim-Bissingen auf Bleibendes: Die Wohnbaugenossenschaft der Stadt errichtete auf einem Grundstück, das einen Steinwurf von den Ellentalgymnasien entfernt liegt, einen Neubau als Schul-Interimsgebäude. 13 Millionen Euro kostete das. Die Anmutung einer Übergangslösung hat das vom Stuttgarter Architekturbüro Ackermann+Raff entworfene Haus in der Schwarzwaldstraße jedoch keineswegs. Kein Wunder: Die Stadt – an mehreren Stellen bemüht darum, Behausungen für ihre Bürger zu schaffen – kombinierte das Gymnasialprovisorium mit Wohnungsbau.

Auch die Lehrer packen Umzugskartons

Auf die Schul-Stockwerke wurden 19 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Mietwohnungen aufgesetzt; Vergeben waren sie im Handumdrehen, im April können die Mieter in ihre neuen vier Wände einziehen. „Es sind keine Sozialwohnungen, aber die Mietpreise sind bewusst zu verträglichen Preisen von knapp unter zehn Euro pro Quadratmeter gestaltet worden“, sagt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Die Bietigheimer Wohnbau wolle ihren Teil zur Entspannung der Lage auf dem Wohnungsmarkt beitragen.

Ihre Umzugskartons füllen auch die Lehrer der Gymnasien: Rektorat, Lehrerzimmer und Verwaltung müssen das Stammgebäude als Erste gegen die Schwarzwaldstraße eintauschen. Nach den Faschingsferien wird vom neuen Quartier aus gearbeitet, sukzessive folgen dann die Schulklassen. „Wir sind schwer am Packen“, erzählt Lutz Kretschmer. Zeitgleich werden derzeit die Klassenzimmer und Fachräume im neuen Bau mit nagelneuem Schulmobiliar wie Tischen, Stühlen und interaktiven Tafeln ausgestattet. Diese Woche sei die erste Begehung mit dem Personalrat gewesen, sagt Schulleiter Kretschmer. „Auch wenn wir uns in mancher Hinsicht einschränken werden müssen, können wir von Glück sagen, dass wir in ein festes, lichtes Gebäude ziehen. Wir sind sehr zufrieden.“ Weil die Sanierung der Stammgymnasien, die aus mehreren Gebäudeteilen bestehen, sukzessive vonstatten geht, muss auch jeweils nur ein Teil der knapp 1300 Schüler umziehen. „Kommendes Schuljahr wird die Schwarzwaldstraße aber voll besetzt sein“, sagt Schulleiter Kretschmer. Der Interimsbau ist auf 16 Schulklassen ausgerichtet. Kretschmer ist zuversichtlich, dass die Schulen den Mehraufwand an Organisation und zurückzulegenden Wegen gut hinbekommen werden.

Aus dem Provisorium könnte eine Dauerlösung werden

Und was wird aus dem Schulersatz, wenn alle Gymnasiasten 2021 wieder ausgezogen sein werden? „Die Räume sind so konzipiert, dass Zwischenwände herausgenommen werden können. Dann sind unterschiedlichste Nutzungen denkbar“, erklärt Anette Hochmuth. Weitere Wohnungen oder Büros könnten entstehen. Genauso kann es aber sein, dass dort auch künftig Kinder die Schulbank drücken. „Die Prognosen sagen uns weiterhin steigende Schülerzahlen voraus, und unsere Grundschulen sind trotz Anbauten räumlich am Limit.“ Durchaus denkbar also, dass aus dem Provisorium eine Dauerlösung wird.

Termin Am Samstag, 23. Februar, zeigen Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD) und Bauamtschef Claus-Dieter Jaisle den Bau. Start ist um 13.30 Uhr, Schwarzwaldstraße 27-29.

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