Die Unzufriedenheit an der Gemeinschaftsschule nimmt zu. Foto: Horst Rudel

Die Anspannung im Verhältnis zwischen der Ostfilderner Stadtverwaltung und der Erich-Kästner-Schule wächst zunehmend. Eltern und Lehrer werfen den Verantwortlichen im Rathaus vor, die Behebung der akuten Raumnot nicht entschlossen anzugehen.

Ostfildern - Unter den Lehrern und den Eltern der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Ostfildern-Nellingen macht sich Unmut breit – und ein stückweit Verzweiflung. Die beliebte Gemeinschaftsschule platzt aus allen Nähten, sie sollte dringend erweitert und zudem saniert werden. Das hängt jedoch stark mit dem Zeitplan für einen Neubau der benachbarten Sporthalle 1 ab. Die Elternvertreter schlagen deshalb vor, den Abriss der alten Halle vorzuziehen, um so Platz für einen EKS-Neu- oder Anbau zu schaffen, der dann spätestens zum Schuljahr 2022/2023 fertig wäre. Diesem Vorschlag kann die Stadtverwaltung nichts abgewinnen. Denn es müsse bis zum Bau der neuen Halle ein Sportunterricht für alle Schulen gewährleistet werden. Das sei nur möglich, wenn die alte Halle bis zur Fertigstellung der neuen zur Verfügung stehe.

Schulleiter wünscht sich „Planungssicherheit“

Udo Lang, der Leiter der EKS, bemängelt, „keine Planungssicherheit“ für seine Schule zu haben. Er wisse noch nicht einmal, ob und auf wie viele Unterrichtscontainer er von September an zurückgreifen könne, um die Raumnot zumindest lindern zu können. Zurzeit herrschten massive Platzprobleme – unter anderem fehlten Fach- und Betreuungsräume. Es würden Kinder „teilweise auf dem Gang unterrichtet“, sagt der Rektor.

Der Oberbürgermeister Christof Bolay (SPD) weist die Vorwürfe von sich. In Gesprächen mit der Schulleitung sei seitens der Verwaltung aufgezeigt worden, wie in den nächsten Jahren geplant werde, um mit Hilfe einer Übergangslösung den Unterricht an der EKS aufrecht erhalten zu können. Unter anderem könnten schon ab dem kommenden Schuljahr die dann frei werdenden Container der Realschule genutzt werden.

Udo Lang erachtet das indes nicht als gute Lösung, denn in diesen Behelfsräumlichkeiten – er nennt sie „Billigschrottcontainer“ – sei allenfalls ein Kunstunterricht möglich. Die Systembauten, die für die Sanierungszeit der beiden Gymnasien aufgestellt worden seien, böten einen weit höheren Standard, würden aber in den kommenden beiden Jahren nicht frei: „Das haut zeitlich nicht hin“, sagt Udo Lang, der die aus seiner Sicht Untätigkeit der Ostfilderner Stadtverwaltung in dieser Sache als „Armutszeugnis“ bezeichnet.

Die Elternvertreter der EKS fordern deshalb, die alte Sporthalle 1 früher als geplant abzureißen, womit der An- oder Neubau der Gemeinschaftsschule bis 2022/2023 und nicht erst 2025 oder 2026 realisiert werden könne. Doch der Rathauschef Christof Bolay erachtet das als nicht machbar. Denn es sei notwendig, die alte Sporthalle für den Sportunterricht und den Trainings- und Spielbetrieb der Vereine so lange zu nutzen, bis die neue Sporthalle 1 stehe. Die Elternvertreter schlagen für diesen Fall eine Freiluftsporthalle als Interimslösung vor.

Stadtverwaltung beteuert, die Pläne für eine Übergangslösung seien erstellt

Freilich hätten sich die Verwaltung und der Gemeinderat noch nicht festgelegt, in welcher Form die EKS erweitert werden soll, erklärt Bolay. Die Entscheidung, ob angebaut oder neu gebaut werde, sei noch nicht gefallen. Wohl aber stehe eine konkrete Planung, wie der Betrieb der Schule übergangsweise in den nächsten Jahren gewährleistet werden könne. Dazu zähle die Nutzung der frei werdenden Realschulcontainer, die den von der EKS angegebenen Raumbedarf deckten. Das sei in diversen Gesprächsrunden zwischen der Schulleitung und Verantwortlichen der Verwaltung besprochen worden. Im Übrigen seien die Systembauten für die Gymnasien „nur optisch besser“ als die der Realschule, „von der Ausstattung her sind sie nicht schlechter“. Freilich könne er die emotionale Betrachtungsweise der Eltern nachvollziehen.

Diese rechneten jüngst an einem Informationsabend vor, dass es schon im kommenden Schuljahr zu Engpässen komme, wenn drei neue Klassen mit jeweils 27 Kindern hinzukämen. Wie auch der Schulleiter Udo Lang vermissen die Eltern eine verlässliche Perspektive, wie es mit der EKS in den nächsten Jahren weiter gehen soll. Sie bezweifeln zudem, dass die Verantwortlichen bei der Ostfilderner Stadtverwaltung die Probleme entschlossen anpacken. Und der Rektor befürchtet, dass sich dieser Schwebezustand des Ungewissen „irgendwann auf die Anmeldezahlen auswirkt“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: