Grünen-Chef Habeck freut sich über den Wahlerfolg. Foto: dpa

Nach Bayern wird auch die Hessenwahl zum Erfolg für die Grünen. Zwar können sie die SPD doch nicht überholen – aber das hat für die Ökopartei auch sein Gutes.

Berlin - Auf Feierlaune sind die Grünen schon vor Schließung der Wahllokale eingestellt. Ein gutes Ergebnis ist nach dem Dauerhoch in den Umfragen eingepreist. So ist am Sonntag um 18 Uhr der Jubel in der Parteizentrale erwartungsgemäß groß. Gemessen an 11,1 Prozent bei der Hessen-Wahl vor fünf Jahren, gemessen an der Bundestagswahl vor einem Jahr mit 8,9 Prozent oder gemessen an der Bayern-Wahl mit 17,5 Prozent der Stimmen für die Grünen vor 14 Tagen kommen sie einem grünen Triumph schon ziemlich nahe. Umso bemerkenswerter ist, dass der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck wenige Minuten nach 18 Uhr in einem Interview davon spricht, dass der grüne Höhenflug „uns zwingt, mit Respekt und sehr verantwortungsvoll an die Sache heranzugehen“. Einem Höhenrausch, so viel ist klar, will Habeck nicht erliegen.

Vom Zwang zu Respekt und Verantwortung

Offen ist zu diesem Zeitpunkt noch, ob die Grünen bei dieser Hessenwahl wieder einmal Geschichte schreiben. Im Wiesbadener Landtag hat vor 33 Jahren der Marsch der Grünen durch die Institutionen mit einem Paar weißer Turnschuhe begonnen. Joschka Fischer wurde damals zum ersten Landesminister mit grünem Parteibuch vereidigt. 13 Jahre später wurde Fischer der erste und bisher einzige Vizekanzler der Grünen.

Dass die Grünen fast so stark werden wie die SPD, lässt die Erwartungen an ihre Rolle im Bund noch weiter wachsen. Nach der Bayernwahl haben Medien dem Grünen-Chef Habeck Kanzler-Potenzial attestiert und die Erwartung formuliert, dass die Grünen die SPD vom zweiten Platz im Parteiengefüge verdrängen. Können die Grünen aufbrechen zu neuen Ufern? Rütteln sie gar, wie einst der Sozialdemokrat Gerhard Schröder, am Zaun des Kanzleramts?

2019 wird für die Grünen ein härteres Wahljahr als 2018

Das ist wenig wahrscheinlich, denn das nächste Wahljahr wird für die Grünen deutlich härter als 2018. Wenn der Trend ihr Freund bleibt, können sie zwar in Bremen und bei der Europawahl im Mai gut abschneiden. Aber Brandenburg, Sachsen und Thüringen sind schwierige Pflaster. Dort lagen die Grünen bei den vorherigen Wahlen bei 5,7 bis 6,2 Prozent. Von dieser Basis aus betrachtet scheint das Kanzleramt gleich wieder furchtbar weit weg.

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