Diese beiden Herren – Epic Lloyd (li.) und Nice Peter – mimen höchst erfolgreich Prominente – in Was-wäre-wenn-Rap-Battles. Foto: ERB

Auf dem YouTube-Kanal „Epic Rap Battles of History“ liefern sich historische Figuren parodistische Rap-Duelle. Die Videos erreichen ein Millionenpublikum.

Stuttgart - Will heutzutage niemand mehr Beethoven hören? Zumindest Justin Bieber behauptet das. Vom echten Bieber ist diese gewagte Aussage zwar nicht überliefert – in einem millionenfach geklickten Musikvideo jedoch schlüpft der Schauspieler Alex Farnham in die Rolle des kanadischen Popsängers und arbeitet sich am großen deutschen Komponisten ab. Beethoven aber wehrt sich: Zum Glück sei er taub, sodass er Biebers eigenen Mist nicht hören könne.

Das ebenso fiktive wie rüde Rap-Duell zwischen Beethoven und Bieber ist eines von inzwischen vielen, die auf dem YouTube-Kanal „Epic Rap Battles of History“ veröffentlicht wurden. Zwei bekannte Personen des öffentlichen Lebens treten dabei musikalisch gegeneinander an und verhöhnen sich in gereimtem Sprechgesang. Es ist eine besonders dialogische Variante des etablierten Battle-Rap-Genres, in dem seit jeher unverhohlenes Selbstlob und die Diffamierung des anderen Hand in Hand gehen.

Ein Video mit Barack Obama hält den Rekord

Der Ton in den Clips ist rau und theatralisch, oft geht es vulgär zu oder driftet sogar ins Obszöne ab. Der Erfolg aber gibt den Machern recht: Seit über zehn Jahren erscheinen die Videos nun schon, inzwischen gehen die Klicks durch die Decke: 14,7 Millionen Abonnenten sind es derzeit – ungewöhnlich viele für einen Kanal, auf dem nur alle paar Wochen und damit verhältnismäßig selten etwas gepostet wird.

Text und Melodie der etwa dreiminütigen Raps stammen aus der Feder der US-Comedians Lloyd Ahlquist und Peter Shukoff – besser bekannt als Epic Lloyd und Nice Peter. Meist verkörpern die beiden selbst die jeweiligen Persönlichkeiten, es gibt aber auch immer wieder Gastauftritte. Rapper Snoop Dogg gab zum Beispiel mal den Moses, als er gegen den von Shukoff gespielten Weihnachtsmann anrappte.

Oft fußt die Auswahl der beiden Protagonisten auf Gegensätzen. Im allerersten Clip trat im September 2010 Ex-Beatle und Friedensaktivist John Lennon gegen den konservativen Moderator Bill O´Reilly von Fox News an. Den Klickrekord hält übrigens bis heute das Duell zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem damaligen Herausforderer Mitt Romney aus dem Jahr 2012 – über 150 Millionen Aufrufe sind es mittlerweile.

Der Kanal erhielt bereits mehrere Auszeichnungen

Einbezogen werden auch die Abonnenten des Kanals, die in den Kommentaren Wünsche für künftige Rap-Battles äußern können. Einige bizarre Kombinationen sind dabei schon herausgekommen: Adam gegen Eva, Mutter Teresa gegen Sigmund Freud, Marilyn Monroe gegen Königin Kleopatra. Auch fiktive Figuren treten immer mal wieder auf: Gandalf aus „Herr der Ringe“ und Dumbledore aus „Harry Potter“ stritten zum Beispiel darüber, wer denn nun der größere Zauberer sei. Teils verschwimmen auch die Grenzen zwischen Fiktion und Faktizität: Der Rap des „Star Wars“-Antagonisten Darth Vader gegen Adolf Hitler kam derart gut an, dass zwei Fortsetzungen folgten.

Auszeichnungen erhielt der Kanal schon einige. Bei den Streamy Awards für Online-Videos wird „Epic Rap Battles of History“ seit 2013 quasi jährlich prämiert. Sogar für einen Emmy – den bedeutendsten US-Fernsehpreis – war die Videoreihe schon in der Kategorie bester Kurzclip nominiert. Und auch finanziell hat sich das Ganze für Ahlquist und Shukoff längst als Goldesel erwiesen: Die Raps sind als Album erschienen, sogar einen Online-Shop gibt es. In dem kann man T-Shirts und Mützen mit dem Aufdruck „Epic Rap Battles of History“ erwerben. Kein Wunder also, dass es weitergehen soll: Für 2021 ist die siebte Staffel angekündigt.

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