Eine französische Spezialeinheit hat die beiden Entführer festgenommen (Symbolbild). Foto: Phillip Weingand

Gute Nachrichten aus dem Elsass: Die 47-Jährige, die letzte Woche im Rems-Murr-Kreis verschleppt wurde, ist wohlauf. Zum Erfolg führte die Zusammenarbeit der Polizei – und eine Portion Zufall.

Aspach/Strassburg - Am Dienstagabend kam die erlösende Nachricht aus Frankreich: Jolanta S. lebt, ihre beiden Entführer sind gefasst. Angesichts dessen, dass die Polizei mehrere Tage lang kein Lebenszeichen von der aus dem Rems-Murr-Kreis ins Elsass verschleppten Frau erhalten hatte, lässt dieser Ausgang Fahnder in gleich drei Ländern – Deutschland, Frankreich und Polen – aufatmen.

Laut französischen Medienberichten ist die 47-Jährige „am Leben, aber geschockt“. Sie wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus eingeliefert.

Zeugenhinweise führten zum Erfolg

Die Täter sind am Dienstagnachmittag in einem Waldstück bei Haguenau im Département Bas-Rhin festgenommen worden, rund 30 Kilometer nördlich von Straßburg. Deutsche Polizeibeamte waren nach Frankreich gereist, um die dortigen Ermittlungen zu unterstützen. Laut einem Sprecher waren sie an der Festnahme jedoch nicht direkt beteiligt: „Den Zugriff hat eine Spezialeinheit der französischen Polizei übernommen, sie ist vergleichbar mit unserem Mobilen Einsatzkommando“, so der Sprecher.

Die Polizei in allen drei Ländern hatte sich mit Zeugenaufrufen an die Öffentlichkeit gewandt – und schlussendlich führte genau dies zum Erfolg. Bei der Polizei meldete sich unter anderem ein Jäger, dessen versteckte Wildkamera die beiden Entführer festgehalten hatte. „Ein anderer Zeuge hat die Täter im Wald entdeckt und sie leider verscheucht“, sagt der Polizeisprecher.

Einer der mutmaßlichen Entführer wurde zudem beobachtet, wie er sich in einem Ort Verpflegung beschaffte. „Das war schon einmal ein Ermittlungsansatz.“ Das Wochenende über hatte die Polizei offenbar die Fährte verloren. „Dann ist wieder einer von ihnen aufgetaucht und man konnte die Spur aufnehmen“, verrät der Sprecher.

Der Entführer soll die Tat schon länger geplant haben

Das Wohnmobil, mit dem die beiden 51 und 23 Jahre alten Männer ihr Opfer nach Frankreich gebracht hatten, war schon am vergangenen Mittwoch festgefahren und verlassen in dem Waldstück entdeckt worden. Wie genau sich die Entführer fast eine Woche lang durchgeschlagen haben und wo sie ihr Opfer derweil versteckt hielten, ist unklar.

Die Polizei geht davon aus, dass der 51 Jahre alte Ex-Freund des Opfers die Entführung von langer Hand geplant hatte. Als Motiv wird vermutet, dass die 47-Jährige, die als Altenpflegerin in Großaspach (Rems-Murr-Kreis) gearbeitet hatte, die Beziehung zu dem Mann beendet hatte, mit dem sie ein gemeinsames Kind hat. Er gilt als gewalttätig und psychisch instabil.

Ob die beiden mutmaßlichen Entführer in Deutschland oder in Frankreich vor Gericht kommen, ist noch unklar. Derzeit laufen die Strafverfahren der deutschen und der französischen Staatsanwaltschaften parallel, über einen Auslieferungsantrag wird dann die Staatsanwaltschaft in Stuttgart entscheiden.

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