Hazel Vera Britton schätzt ein stilvolles Café und ein Stück gute Literatur. Foto: privat

Auf Englisch über Englisches sprechen. Im neuen Esslinger English Book-Club geht’s um englische Literatur und um das Überwinden von Sprachbarrieren.

Esslingen - Literatur aktiv genießen“ heißt das Motto, unter dem die Stadtbücherei Esslingen ihre Lesezirkel aufbaut. Neu ist ein Lesezirkel in englischer Sprache: Im sogenannten English Book-Club lesen die Teilnehmer nicht nur englische Literatur, sondern besprechen sie auch in dieser Sprache. Alle Levels vom Radebrechen bis zum Oxford-English sind den Organisatoren willkommen.

Die Engländerin Hazel Vera Britton wird den Book-Club bestreiten. Der Weg zur Literatur, den sie beschritt, ist nicht ganz frei von Kurven gewesen, ebenso wenig wie der Weg, der sie von dem ganz reizenden Städtchen Bexleyheath in Südengland zum mindestens ebenso angenehmen Ort Esslingen führte. Bexleyheath, in Deutschland bedauerlicherweise eher wenig bekannt, ist übrigens der angesehene Wohnsitz höchst respektabler Gentlemen gewesen wie des Schauspielers Sir Roger Moore und des Formel-1-Magnaten Bernie Ecclestone.

Schwer genug, einfach drauflos zu reden

Hazel Vera Britton studierte in England Literatur mit Schwerpunkt Französisch und Italienisch und wurde im Brotberuf Sekretärin, weil man jenseits und diesseits des Ärmelkanals genauso schlecht von der wissenschaftlichen Aufbereitung der schönen Künste leben kann. Sie lebte mehr als zehn Jahre in Japan, wo sie als Lektorin arbeitete. Ihre nächste Berufsstation war in Berlin, wo sie bei Firma Sony als Assistentin des Managements arbeitete. Später verließ sie Sony und wurde Freiberuflerin in Stuttgart und Esslingen, wo sie an den Volkshochschulen englische Sprache unterrichtet.

Lange genug musste sie verschiedene Neuanfänge in verschiedenen Kulturen wagen, um nachvollziehen zu können, wie schwer es ist, ohne Hemmungen in einer fremden Sprache einfach draufloszureden. Vor allem als Philologin, wo man sich immer fragt, ob man grammatisch richtigliegt und ob man ja das richtige Wort ausgesucht hat für die Dinge, die man erzählen möchte.

Der Funke der Begeisterung soll überspringen

Hazel Vera Brittons Zauberwort heißt „Begeisterung“. Sie hofft, dass der Funke der Begeisterung über die Literatur so sehr die Gemüter der Teilnehmer entflammt, dass sie ihre Hemmungen über Bord werfen und aus vollem Herzen sich über Sprache, Stil, Technik und Bedeutung der gelesenen Texte auslassen. Natürlich wird die erfahrene Lehrerin dann auch dem einen oder anderen auf die grammatischen Sprünge helfen.

Renate Luxemburger vom Veranstaltungsmanagement der Stadtbücherei ist auf Hazel Vera Britton aufmerksam geworden durch ihre Kurse in der Esslinger Volkshochschule. Zum Start der Reihe haben sie sich zwei Kurzgeschichten von Carson McCullers ausgesucht. „Wir wollen erst kürzere Texte besprechen, bevor wir uns an die Romane wagen“, sagt Luxemburger. Was gelesen wird, bestimmen letztlich die Teilnehmer, jedoch gibt es bereits eine gehaltvolle Liste mit den Titanen englischer Gegenwartsliteratur: Von Cormac McCarthy über Jonathan Franzen bis zu T. C. Boyle spannt sich der Bogen der Reihe, die am Mittwoch beginnt.

Hazel Vera Britton geht darüber hinaus noch einen Schritt weiter. Sie will analysieren, was Bücher für die Welt, was Bücher für die eigene Biografie bedeuten, und hat ein Werk des Amerikaners Will Schwalbe im Hinterkopf, der mit Büchern und dem Gespräch über Büchern das Sterben seiner Mutter begleitete.

Leselust
Der English Book-Club startet am Mittwoch, 18. September, um 18 Uhr im Studio Künste in der Heugasse 9 in Esslingen. Bereits seit 2012 gibt es den deutschsprachigen Lesezirkel um Susanne Lüdtke, der sich ebenfalls einmal im Monat trifft. Der nächste Termin ist am Dienstag, 8. Oktober, um 10.15 Uhr ebenfalls im Studio der Künste.

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