Bezirksvorsteherin Ulrike Zich begrüßte die Zuhörer der Abschlussveranstaltung im Weilimdorfer Bezirksrathaus. Foto: Georg Linsenmann

Im Bezirksrathaus haben Arbeitsgruppen Ergebnisse der Energieoffensive Weilimdorf präsentiert. Ein Fazit: Bei der Fotovoltaik gibt es im Bezirk noch viel Luft nach oben.

Weilimdorf - Die Stadt hat sich die „Urbanisierung der Energiewende“ auf die Fahnen geschrieben. Im Stadtbezirk aber will man es dabei nicht bewenden lassen, sondern damit verkoppelt selbst Impulse setzen. Deshalb hatte der Bezirksbeirat die Aktion „Energieoffensive Weilimdorf“ beschlossen, worauf bei einer Auftaktveranstaltung im April ein Füllhorn an Ideen gesammelt wurden. Arbeitsgruppen haben diese dann sortiert und in vier Themenblöcken verdichtet: Fotovoltaik, Windkraft, Energiespeicherung und Quartierskonzepte. Die Ergebnisse wurden nun im Weilimdorfer Bezirksrathaus vorgestellt – mit überraschenden Ausführungen zum Energiesparen als Zugabe.

Mit der Fotovoltaik, mit deren Hilfe Sonnenenergie in Strom umgewandelt wird, befasste sich Ralf Stockheim: „Entgegen vieler Unkenrufe ist Fotovoltaik nach wie vor wirtschaftlich möglich und wettbewerbsfähig“, betonte er eingangs. Der „große Vorteil“ der Technik sei, „dass sie in alle lokalen Energiesysteme integrierbar ist“ und zudem „einen hohen örtlichen Zuspruch“ habe. Sodann listete er Möglichkeiten der Installation auf: Dächer bei Alt- und Neubauten, Hausfassaden, Frei-, Park- und Brachflächen, zudem Lärmschutzwände, „die inzwischen marktreif sind“. Detailliert stellte Ralf Stockheim Leistungsvarianten vor, einschließlich einer für Privatleute wegen der wegfallenden Energieeinspeiseumlage (EEG) besonders attraktiven Variante. Potenzial habe aber auch der gewerbliche Bereich. Im Übrigen hob Ralf Stockheim hervor: „Über Bürger-Energie-Genossenschaften kann sich jeder an Fotovoltaik-Anlagen beteiligen.“ Sein Fazit: „Bei der Fotovoltaik haben wir in Weilimdorf noch sehr viel Luft nach oben.“

Sonnenstrom selbst verbrauchen

Zumal sich beim Sonnenstrom nicht mehr nur die „klassische Variante“ mit Einspeisung ins Netz bietet, sondern auch die Möglichkeit des Eigenverbrauchs. Befördert wird diese durch neue Batterietechnik zur Speicherung bei situativ geringem Verbrauch: „So wird es viel attraktiver, seinen eigenen Strom zu verbrauchen“, führte Felix Hanle in einer detaillierten Darstellung aus. Auf den Eigenverbrauch setzt perspektivisch auch Dieter Schäfer, Geschäftsführer der Windkraftanlage auf dem Grünen Heiner. Aktuell verschwinde der vom Windrad erzeugte Strom „irgendwo im Netz in Europa“. Die Folge: sinkende Rendite, sodass die 74 Kommanditisten ihren Kapitaleinsatz noch nicht erwirtschaftet haben. Im „schlechtesten Fall“ drohe gar „der Abbau mangels Perspektive“. Vehement forderte Schäfer die Möglichkeit, den per Windkraft gewonnen Strom „direkt in Weilimdorf“ zu nutzen: „Dann sind auch die Erlöse besser.“

Ein richtig großes Rad bewegt hat die Arbeitsgruppe „Quartierskonzept“, deren Ergebnisse Annekathrin Essig und Torsten Tusche vorstellten. Hier geht es um Energieeinsparung und CO2-Reduzierung. Etwa durch die Verkoppelung von Gebäuden bei der Wärmeversorgung, durch energetische Sanierung und Wärmedämmung, Fotovoltaik, Geothermie oder Wärmetauscher beim Abwasser. Ein Bündel an Möglichkeiten wurde dabei skizziert, inklusive vorhandener Beispiele aus anderen Bezirken. Etwa dem Schoch-Areal in Feuerbach. Es gehe darum, so Essig, „alles zu nutzen, was die Technik an der Ecke hergibt“. Etwa bei der Nachverdichtung am Hausenring. Nicht zuletzt geht eine Hoffnung auch auf „mögliche Vorzeigeprojekte im Gewerbegebiet“. Und die Stadt solle helfen „im Dschungel der Fördermöglichkeiten“.

Auch Energieeinsparung war Thema

So dicht geboten, weckte die „Energieoffensive“ fast schon Euphorie im Saal. Für spürbare Nachdenklichkeit sorgte da Gerhard Pfeifer, der die Gruppe „Energieeinsparung“ vertrat und dieses Motto voran setzte: „Die nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die umweltfreundlichste Kilowattstunde.“ Energiesparen sei „nicht so sexy wie die grünen Energien, aber auch die alternativen Energieträger haben einen ökologischen Rucksack“. Etwa die Aluminiumrahmen von Sonnenkollektoren. Der Schlüssel für die „Energiewende in Weilimdorf“ sei die Raumwärme, die 77 Prozent des Energiebedarfs ausmache. Zudem gab er Spartipps, etwa zu Haushaltsgeräten wie Wäschetrockner: „Und gar keinen Strom verbraucht eine Wäscheleine.“

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