Das Colosseum in Rom: in der italienischen Hauptstadt kommen drei Ratten auf einen Einwohner. Foto: dpa

Das Leben in der italienischen Hauptstadt Rom spielt sich vor allem draußen ab, auf den unzähligen Piazzas der Stadt. Das haben auch die Ratten erkannt.

Rom - Valentina Fatuzzo sitzt gemütlich mit Freundinnen auf einer Bank auf einer Piazza, die Frauen trinken Wein, plaudern ein wenig über dies und das. Vielleicht wird auch das Müllproblem der Stadt thematisiert. Es ist kurz nach Mitternacht. Da passiert es: Eine Ratte beißt Valentina in den Fuß. Mitten auf der belebten Piazza San Cosimato im Szeneviertel Trastevere.

Die 42-Jährige ist schockiert. Groß wie eine Katze sei das Tier gewesen, erzählt sie der Zeitung „La Repubblica“ später. Sie geht sofort in eine nahe gelegene Klinik, lässt die Wunde desinfizieren, bekommt ein Antibiotikum und den Rat, schnellstmöglich ihre abgelaufene Tetanus-Schutzimpfung auffrischen zu lassen. Eine Odyssee durch die Kliniken beginnt – ihre Geschichte verbreitet sich im Netz.

Denn sie passt in das Bild, das derzeit von Rom gezeichnet wird: vermüllt, dreckig, eklig. In der italienischen Hauptstadt bevölkern die Ratten die Straßen. Sechs bis neun Millionen Nager sollen es bereits sein – damit kämen auf jeden Einwohner Roms etwa drei Ratten. Auch tagsüber kriechen sie nun schon aus den Kanaldeckeln und spazieren durch die Straßen. Auf der Internetseite „Roma fa schifo“ (deutsch: Rom ist eklig) teilen Bürger ihre Erlebnisse.

In Rom gibt es keine Müllverbrennungsanlage

Die Ursache der Plage: Rom hat ein Müllproblem. Von Korruption und Schlamperei bei der kommunalen Müllabfuhr Ama ist schon seit Langem die Rede. Dazu kommt, dass der Ex-Bürgermeister Ignazio Marino Roms offene Mülldeponie hat schließen lassen. Gemessen an EU-Vorschriften war das auch dringend nötig. Leider wurde versäumt, sich eine dauerhafte Alternative zu überlegen. In Rom gibt es keine Müllverbrennungsanlage.

Der Abfall wird nach Norditalien oder auch mal über die Grenze in andere EU-Staaten gebracht. Was eher schlecht als recht funktioniert. Hinzu kommen immer wieder Streiks der Ama-Angestellten – und so türmen sich an manchen Tagen nicht nur in den Vororten, sondern auch mitten in der Metropole die Müllberge an den Straßenrändern.

Kinder zählen 25 Ratten in fünf Minuten

Im Vorstadtviertel Tor Bella Monaca zeigte sich in diesen Tagen das Ausmaß der Rattenplage auf verstörende Weise: Ein paar Kinder hatten ein Video ihres neuen Lieblingszeitvertreibs auf Facebook hochgeladen – Ratten zählen. An einer Mülltonne kamen sie auf 25 Stück in fünf Minuten. Virginia Raggi, seit rund einem Monat neue Bürgermeisterin der Ewigen Stadt, stürmte medienwirksam in das Viertel, war schockiert von den Zuständen, versprach Besserung. Einen mobilen Reinigungstrupp wie auch mehrere Fernsehkameras hatte die 38-Jährige gleich mitgebracht. Raggi, die der populitischen Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo angehört, drohte auch gleich mit härteren Strafen für diejenigen, die die Stadt verschmutzen.

Das ist leicht gesagt. Schon ihr unmittelbarer Vorgänger, der nach dem Rausschmiss von Bürgermeister Marino im November vergangenen Jahres eingesetzte Stadtverwalter Paolo Tronca, hat vor Monaten bereits eine Sonderkommission eingesetzt. Vertreter aus Stadtverwaltung, Stadtreinigung, Gesundheits- und Umweltministerium sollten sich des Problems endlich annehmen. 125 Millionen Euro wurden für Sofortmaßnahmen bereitgestellt. Sichtbar passiert ist nichts.

In Topolonia, dem Reich der Ratten, wie Rom schon verächtlich genannt wird, hat zumindest Rattenbiss-Opfer Valentina für sich eine Lehre gezogen: Sie wird in Zukunft auf das Tragen offener Schuhe ­verzichten.

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