Margot Käßmann wurde mit 1,54 Promille am Steuer erwischt. Wie viel Alkohol müssten eine Frau (Durchschnittsgewicht 65 Kilo) und ein Mann (Durchschnittsgewicht 80 Kilo) trinken, um das zu erreichen? Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Die Berechnungen gehen davon aus, dass die Getränke innerhalb von ein bis zwei Stunden getrunken werden. Foto: dpa

Mit 1,54 Promille bei Rot über die Ampel: Margot Käßmann ist von der Polizei erwischt worden.

Hannover/Berlin - Wenn Hollywoodstars betrunken Auto fahren oder Rockstars öffentlich über ihre Drogensucht philosophieren, gilt das vielen als irgendwie menschlich. Die Fallhöhe von Pastoren und Bischöfen ist da erheblich höher.

Margot Käßmann hat sich oft angreifbar gemacht - mit ihrer Meinung wie auch als Person: Als eine der wenigen Frauen in einem leitenden geistlichen Amt steht die 51-Jährige unter kritischer Beobachtung. Ihre temperamentvolle Art stößt nicht überall auf Gegenliebe - und dann ist die hannoversche Landesbischöfin auch noch geschieden. Trotzdem wurde sie vor vier Monaten zur ersten Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Doch mit ihrer Alkoholfahrt wird die Luft für sie dünn.

Samstagabend, 23 Uhr, Käßmann ist mit ihrem Dienstwagen von einem privaten Termin auf dem Weg nach Hause. In der Innenstadt von Hannover überfährt sie eine rote Ampel, wird von der Polizei gestoppt. Ein Atemalkoholtest ergibt zunächst 1,1 Promille, die angeordnete Blutprobe fällt mit 1,54 Promille noch höher aus. Die Bischöfin muss ihren Führerschein abgeben. Ein Strafverfahren wird eingeleitet.

Käßmann gibt sich reuig. Der "Bild"-Zeitung sagt sie: "Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe. Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen." Ob diese Reue reicht, um ihre Führungsämter weiter ausüben zu können, ist fraglich. Am Dienstag heißt es zunächst, Käßmann erledige ihre Arbeit wie bisher. Wenig später sagt sie alle öffentlichen Termine bis auf weiteres ab. Die EKD erklärt, es werde darüber beraten, ob das Alkoholvergehen ihrer Ratsvorsitzenden Konsequenzen bis hin zum Rücktritt nach sich ziehen wird.

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