Alexander Kögel sieht in guten Online-Auftritten zwar eine Ergänzung, aber kein Allheilmittel für den Einzelhandel. Foto: Ines Rudel Foto:  

Alexander Kögel, in Personalunion Stadtrat, Sprecher der Cityinitiative Esslingen und Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses, stellt sich auf die Konkurrenz aus dem Internet auf seine ganz eigene Weise ein.

Esslingen - Vor der Zukunft ist Alexander Kögel nicht wirklich bange: „Natürlich hinterlässt der Online-Handel auch in Esslingen seine Spuren, und wir werden deshalb in Zukunft wohl nicht mehr alle Straßenzüge mit Einzelhandel bespielen können. Aber Esslingen ist nach wie vor ein guter und attraktiver Standort. Immerhin sind wir die zweitgrößte Stadt in der Region.“ Alexander Kögel, in Personalunion Sprecher der City-Initiative Esslingen, Stadtrat der Freien Wähler und Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses, weiß, wovon er redet.

Das Modehaus hat einst Perserteppiche und Gardinen verkauft

Und er weiß auch, wie man mit den Veränderungen umgehen muss: „Wir als Modehaus haben doch hier nur so lange überlebt, weil wir uns immer wieder angepasst haben“, erzählt der 48-Jährige und fügt lachend hinzu: „Wer weiß denn noch, dass wir einst hier auch Perserteppiche und Gardinen verkauft haben?“

Vor 118 Jahren haben Kögels Vorfahren das Modehaus in einem benachbarten Gebäude direkt neben dem Alten Esslinger Rathaus eröffnet. Es ist eine bewegte Geschichte – mit vielen Aufs und Abs gewesen. Doch letztlich hat sich Kögel am Markt behauptet. „Ich kann mir Esslingen ohne das Modehaus Kögel gar nicht mehr vorstellen“, hat der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger gesagt, als Kögel vor wenigen Tagen die Neueröffnung seines Hauses offiziell gefeiert hat.

Auch dieser Umbau ist natürlich eine Reaktion auf die Entwicklungen des Marktes. Alexander Kögel hat sein Kleidungsangebot nun in einem Haus konzentriert, den Standort in der Hirschstraße aufgegeben und die Verkaufsfläche um 600 Quadratmeter auf 2500 Quadratmeter reduziert. Gleichzeitig aber hat er das Stammhaus umfangreich renoviert. „Wir setzen halt auf unsere Stärken“, beschreibt Alexander Kögel seinen Ansatz: „Wir bieten einen schönen Laden, ein schönes Ambiente und eine ehrliche Beratung. Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern.“ Das Modehaus zählt heute 70 Mitarbeiter, die sich 45 Vollzeitstellen teilen.

Die Erfahrungen mit Zalando waren katastrophal

Natürlich, das weiß Alexander Kögel, wird auch er das Online-Geschäft nicht vollkommen ignorieren können – auch wenn die ersten Erfahrungen, die er dabei gesammelt hat, als er sich einen Monat an Zalando drangehängt hatte, „wirtschaftlich einfach katastrophal“ waren, wie er sagt. Dennoch ist er von der neuen Aktion der City-Initiative Esslingen überzeugt: Der Zusammenschluss der Esslinger Einzelhändler, Gastronomen und Gewerbetreibenden in der Esslinger Altstadt hat ein zweijähriges Projekt angestoßen, in dem Fachleute den Mitgliedern sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten des Internets aufzeigen sollen.

„Das wird uns sicher helfen, denn natürlich wollen auch wir online präsent sein“, sagt der Geschäftsführer. Aber ein Haus in seiner Größe könne es sich nicht leisten, jeden Artikel einzeln zu fotografieren und ins Netz zu stellen. „Der Otto-Versand rechnet pro Artikel mit Online-Kosten von 60 Euro“, macht Alexander Kögel eine einfache Rechnung auf. „Wenn ich dann sechs Hemden davon im Haus habe, rechnet sich das einfach nicht.“

Bleibt da noch der Kommunalpolitiker Kögel. Im vergangenen Mai ist er in den Esslinger Gemeinderat gewählt worden. „Ich habe das aus Überzeugung getan, weil ich gerne an der Entwicklung der Stadt mitarbeiten will“, sagt er. Das Fazit des ersten Jahres fällt für ihn aber eher ernüchternd aus: „Ich dachte immer, dass auf kommunaler Ebene alle an einem Strang ziehen würden, um das Beste für die Stadt zu erreichen. Ich hätte deshalb nicht gedacht, dass so viel Parteipolitik dabei im Spiel sein würde.“

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