Mit 6,5 Prozent höheren Löhnen können die streikenden Beschäftigten – wie hier in Stuttgart – wohl nicht rechnen. Foto: dpa

Der Tarifabschluss für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen gibt auch für die Verhandlungen am Montag in Baden-Württemberg die Richtung vor. Demnach können die Beschäftigten bis zu 4,8 Prozent mehr Geld in zwei Stufen erwarten.

Stuttgart - Nordrhein-Westfalen hat ihn, Hamburg und Brandenburg ebenso – so müsste am kommenden Montag auch der Tarifabschluss auch für die rund 490 000 Beschäftigten im Einzelhandel Baden-Württembergs gelingen. Rund 700 von ihnen haben am Freitag im Südwesten mit ihren Warnstreiks noch einmal Druck gemacht. Bereits jetzt können sie sich auf Zuwächse einstellen, wie sie in den drei anderen Tarifgebieten vereinbart wurden: Demnach steigen die Löhne für Mitarbeiter, die bis zur Gehaltsgruppe der Verkäuferin im letzten Berufsjahr (2579 Euro in Vollzeit) eingruppiert sind, zum 1. Juli um drei Prozent. Für die höheren Entgeltgruppen wird ein Festbetrag in Höhe von 77,50 Euro gezahlt. Zum 1. Mai 2020 gibt es für alle weitere 1,8 Prozent mehr. Der Tarifvertrag hat jeweils eine Laufzeit von 24 Monaten bis Ende April 2021.

Baden-württembergische Besonderheiten zu beachten

Nach Ansicht von Verdi Baden-Württemberg könnten diese Ergebnisse wegweisend sein. „Der Abschluss von NRW ist noch von keiner Seite zum Pilotabschluss ausgerufen worden“, sagte Landesfachbereichsleiter Bernhard Franke unserer Zeitung.

Die Verdi-Tarifkoordinierungskonferenz habe am Donnerstag in Göttingen jedoch die gemeinsamen Vorgaben als erfüllt angesehen. Das hätten auch die Hamburger Kollegen so bewertet, die den NRW-Abschluss bis auf geringfügige Abweichungen bei den Erhöhungen für die Auszubildenden nachvollzogen hätten.

Dem Votum der Verhandlungskommission im Südwesten will er nicht mit einer eigenen Bewertung vorgreifen. „Entscheidend wird sicherlich sein, ob die Arbeitgeber bereit sind, das NRW-Ergebnis vollständig und unter Berücksichtigung baden-württembergischer Besonderheiten zu übertragen“, sagte Franke.

Kein Mindesteinkommen für alle in Sicht

Verdi war mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 163 Euro, sowie nach einem Mindesteinkommen von 2100 Euro in die Tarifrunde gestartet. Das alles können die Arbeitgeber demnach abwehren. Zuletzt hatten sie bei einer Laufzeit von 24 Monaten ein Plus von 1,7 und 1,2 Prozent angeboten.

Der Verband des Einzelhandels wollte sich im Vorfeld der voraussichtlich finalen Runde in Stuttgart nicht mehr öffentlich äußern. Bundesweit sind etwa drei Millionen Menschen im Einzelhandel tätig.

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