So soll das Haus der katholischen Kirche im neuen Jahr aussehen. Foto: Christenhusz

Die katholische Kirche gibt dem Handel und der Gastronomie in ihrem Haus an der Königstraße 7 mehr Raum. Dafür schließt das Haus im Februar 2019 für einen Monat.

Stuttgart - Das Haus der katholischen Kirche (HdkK) schließt. Keine Sorge, nur einen Monat lang. Im Februar 2019 wird das Haus, das mit dem Eberhardsdom verbunden ist, ertüchtigt. Grund sind kleinere Umbauarbeiten, um nach zehnjährigem Betrieb ein neues Konzept zu verwirklichen. Nachdem der Pachtvertrag mit Hochland Kaffee zum Beginn des neuen Jahres ausläuft, nutzt man die Gelegenheit. Hochland hatte den Vertrag aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht verlängert. Birgit Krauße von Hochland bestätigte bereits im April dieses Jahres gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“, „dass viele Gäste kamen, die nicht genug konsumiert haben, um ein Café dieser Größe auskömmlich betreiben zu können“.

Das soll nun anders werden. Eine neue Gesellschaft unter dem Namen „Atrium 7“, die sich aus den Gesellschaftern Schwabenverlag AG, dem Caritasverband Stuttgart und der Kronen Hotel GmbH zusammensetzt, wird voraussichtlich ab dem 11. März 2019 die gesamte Fläche (420 m²) mit Gastronomie und Handel bespielen. Dort sollen wie bisher Hochland-Kaffeesorten zum Kuchen des Café Stöckle ausgeschenkt werden, aber auch weiter Bücher, Karten oder Geschenkartikel erhältlich sein. „Das Warenangebot soll als Gesamtkunstwerk platziert werden“, sagt Ulrich Peters, der Vorstand der Schwabenverlag AG. Neu sind auf der Einzelhandelsfläche Klosterprodukte.

800 Gäste am Tag

Bisher frequentierten im Schnitt 800 Gäste am Tag das Haus an der Königstraße 7. Um wirtschaftlich zu arbeiten, sind das offenbar zu wenig. Nicht umsonst sagt Peters daher: „Wir brauchen deutlich mehr Traffic auf der Fläche. Wir werden das Potenzial aller Partner voll ausschöpfen.“

Gewährleisten soll dies das neue Konzept: Das Café wird nicht nur wie bisher den Eingangsbereich zur Königstraße einnehmen, sondern sich über das gesamte Erdgeschoss erstrecken. Das bedeutet gleichzeitig, dass das Symbol des Hauses der katholischen Kirche weichen muss. Gemeint ist die große Eichentafel, an der sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Schicht ohne Verzehrzwang aufhalten und ins Gespräch kommen konnten. Ganz verschwinden wird der Eichentisch jedoch nicht – er soll eine Etage höher auf der Galerie Platz finden.

Damit das Haus seinen Charakter der Offenheit und des zwanglosen Aufenthalts nicht verliert, verspricht Ralf Kampf vom Kronen Hotel, dass an den Café-Tischen sowie im ganzen Haus kein Verzehrzwang besteht. Das Indiz dafür sei, „dass es keinen Bedienungs-Service gibt“. So soll die „gute Stube“, die Gastlichkeit, Information, Bildung, Kultur und Seelsorge vereint, laut Stadtdekan Christian Hermes auch in Zukunft ihr Markenzeichen behalten: „Man soll sich weiterhin einfach niederlassen können und da sein.“ Das Haus der katholischen Kirche mitten in der Königstraße sei „ein Schaufenster der katholischen Kirche“ in Stuttgart, weiß Hermes: „Dort kommen viele Menschen mit Kirche in Berührung, die seit Jahren in keinem Gottesdienst und keiner Kirche mehr waren.“

210 000 Euro Investitionen

Dieses Schaufenster zu modernisieren, lassen sich die neuen Partner etwas kosten. Die Investitionen in Höhe von 210 000 Euro teilt sich das katholische Stadtdekanat als Vermieter (60 000 Euro) mit der neuen Atrium GmbH (150 000 Euro). „Die Laufzeit des Mietvertrages beträgt fünf Jahre – mit einer Option auf Verlängerung“, erklärt Roland Weeger, der Leiter des HdkK. Auch er betont, dass weiterhin die rund 1000 Bildungs- und Kulturveranstaltungen den Charakter des Hauses prägen sollen. Nicht wegzudenken sei ebenfalls die Infotheke als zentrale Anlaufstelle. „Wir wollen Anregungen geben und inspirieren, was natürlich genauso für unsere Vorträge und Kurse gilt. Wichtig ist es uns, den ganzen Menschen im Blick zu haben“, sagt Weeger.

Die Menschen im Blick zu behalten wird auch in dem Schlagwort Inklusion deutlich. „Wenn der Betrieb läuft, ist es unser erklärtes Ziel, Menschen mit Behinderungen in den Betriebsalltag zu integrieren“, sagt Wolfgang Röder, Fachdienstleiter bei der Caritas.

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