Das Premierenpublikum sieht den Schwenk über das Landratsamt. Foto: factum/Granville

Das Landratsamt hat einen Imagefilm in Auftrag gegeben. In vier Minuten soll die Schönheit des Landkreises gepriesen werden.

Böblingen - Selbstverständlich, es musste ein Mercedes sein. „Normalerweise würde man einen VW Bus nehmen“, sagt Oliver Koblenzer, „aber das geht natürlich nicht für den Landkreis Böblingen“. Koblenzer ist Geschäftsführer der regionalen Filmproduktionsfirma r.tv – nicht zu verwechseln mit der in München ansässigen Gesellschaft rtv, ohne Punkt.

R.tv mit Punkt hat im Auftrag des Landratsamts einen knapp vierminütigen Film produziert, der das Image des Landkreises polieren und auch korrigieren soll: „Es gibt manchen, der uns nur als Industriekreis betrachtet“, sagt der Landrat Roland Bernhard, „dabei sind wir ein wunderbarer, herrlicher, schöner Landkreis“. Am Montag ist der Film vor Premierenpublikum präsentiert worden.

Opa und Enkelin liefern Obst, Gemüse und Saft aus

Opa hievt Obstkisten auf die Ladefläche eines Transporters, eben jenes Mercedes, Farbe blau, Baujahr historisch, wie nicht nur der Augenschein verrät, sondern auch das Abgaswölkchen, das beim Anlassen des Motors in Nahaufnahme aus dem Auspuff spotzt. Die Enkelin hüpft auf den Beifahrersitz und die Tour beginnt, Opa und Enkelin liefern Obst, Gemüse und Saft aus, zuerst in Herrenberg. Am Rande der geschwungenen Landstraße begegnen den beiden Hauptdarstellern die ersten beiden Mitarbeiter des Landratsamts.

Sie knien im Gras, klauben Streuobst auf und winken dem blauen Oldtimer ebenso selbstverständlich zu, wie der Transporter ein Mercedes sein musste. 25 000 Euro hat r.tv für die Produktion kassiert. Mit Ausnahme von Opa und Enkelin sind alle Darsteller Laien, die im wahren Leben beim Landratsamt arbeiten. „Aus Kostengründen“, sagt Bernhard. Gespart wurden auch Drehbuch-Texter und Toningenieure. Der Film kommt ohne Sprache aus, mit Ausnahme der Sätze „Willkommen im Landkreis Böblingen“ und „Landkreis Böblingen, die Vielfalt macht’s“ – zu lesen im Vor- und im Abspann.

Der alte Imagefilm war noch 17 Minuten lang

So zuckeln Opa und Enkelin dahin, stets vorbei an sattgrünen Wiesen oder Wäldern. Die Autobahn meiden sie. Im Auftragsheft für die Produzenten standen Szenen aus den vier großen Kreisstädten. „Wir konnten in vier Minuten nicht alle 26 Gemeinden ergründen“, sagt Bernhard. Der Landkreis hatte einst schon einmal mit einem Film für sich geworben, damals in der Reportagelänge von 17 Minuten. Was dem Landrat heute „einer Ewigkeit“ gleicht.

Mountainbiker radeln durchs Bild, die Schönbuchbahn huscht vorbei. Dass ein Porsche den alten Transporter überholt, ist genauso Pflicht wie der Schwenk über die Firmenwerbung von Bosch und das Landratsamt selbst. Die letzte Station der Obstlieferanten ist das Mercedes-Werk in Sindelfingen. Die Kleine setzt sich ans Steuer eines weißen Cabrios, die beiden werfen einen Blick in die Lackiererei und in die Montage. Insgesamt ist nur Böblingen länger im Bild als Mercedes, wenn auch knapp: zwei Sekunden. Sindelfingens Image als Daimler-Stadt zu korrigieren, scheint nicht die Absicht gewesen zu sein. Dort war das Werk die einzige Station.

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