Christoph Ebensperger zeigt die Stockausschläge: In dieser Flucht wurden vor Jahren junge Bäume gerodet. Foto: Ines Rudel

Bei falscher Pflege drohe den Allee-Bäumen Stammfäule, und der unfachmännische Einsatz von Mähraupen bedrohe die Ökologie, warnt ein Ebersbacher.

Ebersbach - Der Zustand der Straßenbäume ist eigentlich ein Skandal“, findet Christoph Ebensperger. Der Landespfleger, der für die SPD im Ebersbacher Gemeinderat sitzt, macht die mangelhafte Pflege dafür verantwortlich, dass über die Jahre fast die Hälfte der Bäume aus den 50er bis 60er Jahren entlang der alten Bundesstraße 10 auf Ebersbacher Markung eingegangen ist. Betroffen seien ältere Linden, Spitz- und Bergahorne auf der Nordseite, aber auch neue Pflanzungen südlich der Straße. Doch das interessiere niemand, lautet Ebenspergers Vorwurf, obwohl die jungen Bäume Mitte der 90er Jahre als ökologischer Ausgleich für den Bau der neuen Bundesstraße gepflanzt worden seien.

Bei falscher Pflege droht Stammfäule

„Die großen Bäume hier an der Straße sind landschaftsprägend und ganz ansehnlich“, erklärt der Landespfleger, auch wenn der Bestand inzwischen zahlreiche Lücken aufweise. Im Ebersbacher Gemeinderat scheiterte Ebensperger allerdings mit dem Versuch, die Pflanzungen als geschützten Bestand ausweisen zu lassen.

Kritik übt der Stadtrat vor allem an den Mitarbeitern der zuständigen Straßenmeisterei Deizisau (Kreis Esslingen). Deren Pflegetrupp verhindere nicht, dass die Bäume falsch beschnitten würden, wie erst vor Wochen am westlichen Teil der Allee, wo Totholz entfernt wurde. Es sei längst Standard unter zertifizierten Baumpflegern, dass Äste ab einem Durchmesser von zehn Zentimetern nicht am Stamm abgesägt werden, sondern ein Stummel stehen bleibt. So lasse sich verhindern, dass Stammfäule entstehe, die irgendwann die Standsicherheit gefährde – ein heikles Thema bei Straßenbäumen. In den entsprechenden Baumpflegerichtlinien werde so ein Vorgehen als baumschädigend und zerstörend aufgeführt. Für Ebensperger steht fest, dass die Bäume deshalb irgendwann­ gefällt werden müssen – und so wegen des nicht fachgerechten Schnitts ein Umweltschaden entstehe.

Es sei ein Hohn, wenn in der Praxis das Gegenteil geschehe

Ärgerlich sei auch, dass sogar junge Straßenbäume eingingen wie zuletzt entlang der zur Landesstraße zurückgestuften alten B 10 im Ebersbacher Osten. Manche Bäume seien dort regelrecht vertrocknet, moniert der Ökologe. Junge Bäume bräuchten halt auch Pflege. Und es sei ein Hohn, dass sich die Landesregierung die ökologisch orientierte Pflege von Straßenbegleitgrün im Biotopverbund öffentlichkeitswirksam­ auf die Fahnen schreibe, aber in der Praxis das Gegenteil geschehe: „Auch die Straßenmeistereien werden nicht entsprechend geschult.“

Mit Mähraupen würde unfachmännisch gearbeitet, behauptet der Stadtrat

Im Frühjahr 2018 habe die Straßenbauverwaltung Nachpflanzungen zugesagt, doch im Herbst sei erklärt worden, neue Richtlinien, die beispielsweise Leitplanken verlangten, verhinderten außerorts das Pflanzen. Schaden richten nach Ebens­pergers Beobachtungen auch die ferngesteuerten Mähraupen an, mit denen der Gehölzaufwuchs unfachmännisch größtenteils gerodet würde wie zuletzt im Winter 2017/2018 an der Querspange Richtung Uhingen. Dabei seien Eschen verblieben, gesunde Eichen ohne Verkehrssicherungsprobleme seien stattdessen verschwunden. „Meist wird der Einsatz damit begründet, nur so lasse sich Brombeergebüsch entfernen“, sagt Ebens­per­ger. Doch in der Praxis würden Flächen, ökologisch betrachtet, plattgemacht ohne Rücksicht auf die Bepflanzungspläne. Bei der Pflege der Böschungen an der Querspange sei zuletzt mehr gepflügt als gemäht worden. Und für Insekten wichtige Winterquartiere wie die Hochstaudenflur seien im Herbst gleich mitentfernt worden. Ebensperger wirbt stattdessen für einen maßvollen Rückschnitt alle zwei, drei Jahre – und dann besser im Frühjahr.

Die Untere Naturschutzbehörde ist informiert

Mehrfach habe er sich an die Straßenmeisterei gewandt, die dem Straßenbauamt Esslingen unterstellt ist, so der Ökologe: „Ohne Erfolg.“ Auf eine Reaktion seiner Schadensmeldung an die Untere Naturschutzbehörde Göppingen warte er ebenfalls noch. Bis Redaktionsschluss war dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

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