Ein Miet-E-Scooter blockiert als Falschparker die Straße Rebhalde im Stuttgarter Norden. Foto: Decksmann

Grundsätzlich passen E-Scooter in die kleinste Parklücke – doch nun machen die elektrischen Gefährte neue Probleme: als Wegwerfware.

Stuttgart - Das nennt man wohl Wegwerfgesellschaft. Mit dem zunehmenden Spaß an den elektrisch angetriebenen Tretrollern steigt der Ärger anderer Verkehrsteilnehmer in Stuttgart. Denn die E-Scooter, die in der Stadt für Kurzfahrten gemietet werden können, stehen hinterher oftmals kreuz und quer auf den Wegen herum. Wer räumt die achtlos abgestellten Kleinfahrzeuge eigentlich auf?

„Auch das noch“, schimpft ein Passant auf dem Geh- und Radweg an der Deckerstraße in Bad Cannstatt: Gleich fünf Miet-Elektroroller stehen kreuz und quer neben einem Treppenabgang, und wer hier als Radfahrer unterwegs ist, hat hier eine Engstelle mehr: „Neben Behinderungen durch Hundegassigeher oder Parkschein lösende Menschen, jetzt auch noch abgestellte und abgelegte E-Roller!“

Warum stellt man einen Roller quer?

Ein Bild, wie es sich zunehmend über das Stadtgebiet ausbreitet. Dabei sind der Fantasie der E-Falschparker keine Grenzen gesetzt. So steht ein Miet-Roller auch schon mal in einer beschaulichen Anwohnerstraße mitten auf der Fahrbahn. Mit schönem Blick über die Weinreben hinunter auf die Innenstadt. Sehr zum Ärger eines Mercedes-Fahrers, der in der Straße Rebhalde im Stuttgarter Norden keinen Meter weiterkommt. Hatte es der E-Scooter-Benutzer einfach nur eilig? Oder war’s ein Dummejungenstreich?

„Auch wir machen uns Gedanken über dieses Phänomen“, sagt Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge, „warum stellt man so einen Roller quer auf den Weg hin?“ Auch in Berlin weit draußen in den Randbezirken würden solche Roller gefunden. Auch der Verband habe dafür keine Erklärung. Weil die Roller auch normal mit Beinkraft bewegt werden können, glaubt Zemke auch an jugendliche Scherzbolde, die den Roller provozierend anderen in den Weg stellen wollen. Beweise dafür gibt es freilich nicht. Die Polizei hat mit solchen Problemen im sogenannten ruhenden Verkehr wenig zu tun.

Und wieder ein Betrunkener unterwegs

Die Beamten haben schon genug Probleme mit den rollenden E-Mobilen. Denn es häufen sich auffällig die Alkoholfahrten auf den E-Scootern. Am Samstag gegen 3.40 Uhr wurde ein 45-Jähriger in der Königstraße in der Innenstadt erwischt. Der Mann war betrunken. Ein Alkomattest ergab 1,6 Promille. Erst in den vergangenen Tagen hatte die Polizei Werte bis zu 2,3 Promille bei den Scooter-Nutzern feststellen müssen. „Für einen deutschen Autofahrer hätte es im jüngsten Fall Probleme mit dem Führerschein gegeben“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Der 45-Jährige aus einer benachbarten Alpenrepublik musste aber lediglich eine Blutprobe abgeben und eine Sicherheitsleistung zahlen. Dann kam er wieder auf freien Fuß – ohne Roller.

Wer sammelt die Fahrzeuge hinterher wieder ein? Laut Bundesverband haben ein paar Anbieter Subunternehmer beauftragt, die mit Miet-Transportern unterwegs sind und die verstreuten Roller mit Hilfe der Satellitenortung aufspüren. Die Roller werden in eine Lagerhalle gebracht und die Akkus aufgeladen. Die Aufräumer werden je nach Firma in waschechtem Englisch „Hunter“, „Ranger“ oder „Juicer“ genannt.

Strenge Regeln für E-Scooter-Demonstration

Bei Stuttgarts erstem Anbieter Lime ist dies eher Privatsache. Jeder Juicer kann sich per Internet anmelden, für jeden Roller gibt es ein paar Euro. Das Flaschenpfand wird aber nur fällig, wenn der Roller aufgeladen und um 7 Uhr bereitgestellt wird.

Der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge hat für den 12. Oktober eine Demonstration in Stuttgart angemeldet. Man fordert vom Gesetzgeber auch für die Elektroroller ohne Haltestange eine Fahrerlaubnis. Das Bundesverkehrsministerium habe eine Ausnahmegenehmigung versprochen – die Zusage aber nicht eingehalten. Das Stuttgarter Ordnungsamt bremst die Demonstranten allerdings. Die nicht zugelassenen Verkehrsmittel dürfen auch bei einer Demo nicht auf die Straße, heißt es. „Leider“, sagt Vorsitzender Zemke, „müssen wir in Stuttgart unsere Geräte schieben.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: