Noch sind die E-Autos auf deutschen Straßen in der absoluten Minderheit, doch das Interesse wächst. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Der Verein Electrify BW will den Leuten die Scheu vor mit Strom betriebenen Fahrzeugen nehmen. Einmal im Monat trifft man sich zum Stammtisch im Siebenmühlental. Wer mit Fragen kommt, soll auf alle Fälle mit Antworten heimgehen.

Filder - Die Ladestation für Elektrofahrzeuge an der Mäulesmühle in Leinfelden-Echterdingen liegt verwaist in der Nachmittagssonne. Ein paar Meter weiter parken sie: ein Tesla, ein Smart Elektro, ein Renault Zoe. Wie an jedem ersten Montag im Monat haben sich Mitglieder des Vereins Electrify BW und neugierige E-Neulinge im Biergarten des Restaurants zum Gedankenaustausch eingefunden. Strom nachtanken muss offenbar niemand. Dabei ist Gabriele Knaupp immerhin aus dem Oberen Filstal angereist, um erstmals an einem Treffen teilzunehmen. „Ich fahre erst seit einer Woche ein eigenes E-Auto“, berichtet sie.

Ihre erste Probefahrt im strombetriebenen Smart ist allerdings schon länger her. „Ich war gleich begeistert von der geringen Schaltzeit und der Beschleunigung“, schwärmt sie. „Das Einzige, woran ich mich noch gewöhnen muss, ist die Automatik. Ich schalte lieber.“ Knaupps Smart verfügt über ein tiefergelegtes Fahrgestell und Breitreifen, die Lackierung in Schwarz und Rot wurde nach ihren Wünschen gestaltet. „Ich fahre gerne Auto“, betont sie.

„Nur weil der Wagen mit Strom fährt, kommt doch das Fahrvergnügen nicht zu kurz“, merkt ein Teilnehmer kopfschüttelnd an. Seit März fährt er einen E-Jaguar. „Und elektrisch fahren, heißt schwäbisch fahren“, wirft einer ein. Große Discounter böten oft kostenlose Ladestationen. „Ich habe lange fast ausschließlich dort getankt.“ Laut einer Umfrage des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung laden die meisten E-Mobilisten ihre Fahrzeuge allerdings daheim: Rund 55 Prozent der Befragten tanken demnach zu Hause nach, 26 Prozent am Arbeitsplatz.

E-Autos seien sehr rasch aufgeladen – anders als oft behauptet

Dass ein E-Auto stundenlang an der Steckdose hängen muss, verweist Jana Höffner, zweite Vorsitzende des Vereins, ins Reich der Sagen: „Die meisten Modelle sind nach 30 Minuten bereits zu rund 80 Prozent geladen“, sagt sie. „Leider kursieren immer noch viele ‚Fake News’, Gerüchte und Vorurteile gegenüber der Elektromobilität. Sie zu entkräften, darin sehen wir eine der Aufgaben von Electrify BW.“ Sieglinde Jung aus Fellbach weiß von regelrechtem E-Mobbing zu berichten. „Gerade von der Generation jenseits der 50 muss ich mir immer wieder anhören, das E-Auto ruiniere die Wirtschaft“, seufzt die 67-Jährige. Sie genießt es sichtlich, in dieser Runde auf Verständnis zu stoßen. Jung ist aber nicht die älteste Stammtischbesucherin. Die Dame neben ihr verrät, sie habe die Führerscheinprüfung vor 63 Jahren bestanden. Sie hat eine Schachtel mit einem Ding mitgebracht, das ihr vom Hersteller ihres Elektro-Wagens zuging. „Ich weiß nicht recht, was das ist“, sagt sie. „Das ist eine Steckdose, mit der Sie schneller und effizienter laden können“, erklärt Jana Höffner und rät, es an der heimischen E-Tankstelle zu installieren. Mit unbeantworteten Fragen muss hier also keiner nach Hause gehen.

Der Stammtisch, bei dem es immer wieder auch Fachvorträge gibt, war zunächst so gar nicht geplant. Als der Vorstand Daniel Betsch, ein begeisterter Elektromobilist, 2011 eine Sport- und Freizeitgruppe bei Bosch ins Leben rief, zeigte sich aber großes Interesse. Nach und nach entwickelte sich die Gruppe zum Treffpunkt für E-Autofans. 2015 wurde dann der Verein gegründet, 2016 folgte die Anerkennung als gemeinnützig.

Die Akkus seien besser als ihr Ruf

Nützlich sind die Einblicke, die in der Mäulesmühle wie nebenbei über den Tisch gehen, allemal. So will Jana Höffner bestehende Bedenken ausräumen, die die Umweltverträglichkeit von Lithium-Ionen-Batterien betreffen. Diese ließen sich im Gegensatz zu verbranntem Diesel oder Benzin recyceln, erklärt die Expertin. Sie seien aber auch langlebiger als gemeinhin behauptet werde.

Robin Engelhardt muss nicht mehr überzeugt werden. Als er vor Jahren mit seinem Vater ein Oldtimertreffen besuchte, stand dort ein Tesla. „Ich saß da den ganzen Tag drin“, erinnert sich der 19-Jährige. Später bearbeitete er die Familie, so ein Gefährt anzuschaffen. Inzwischen vermieten die Engelhardts nebenbei Teslas. „Die Nachfrage ist groß“, zeigt sich das Vereinsmitglied zufrieden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis findet er gut. Zwar seien E-Autos teuerer in der Anschaffung, dafür aber günstiger im Unterhalt. Der Verschleiß sei geringer, Reparaturen fielen seltener an.

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