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Roger Combotte verschickt per Post Kuhmist aus eigener Produktion. Bevorzugte Adressaten sind Menschen, an denen die Auftraggeber mal so richtig ihre Wut ablassen möchten.

Paris - Roger Combotte ist ein Bauer wie aus dem Bilderbuch. Mit seinem blauen Overall, dem rötlich-runden Gesicht und dem unverwechselbaren harten Akzent der Franche-Comté sorgt er im Internet seit Wochen für Furore. Sein höchst ungewöhnliches Nebengewerbe hat den Franzosen bereits über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht. Denn Roger Combotte verschickt per Post "100-prozentigen Kuhmist aus eigener Produktion". Bevorzugte Adressaten sind Menschen, an denen die aufgebrachten Auftraggeber mal so richtig ihre Wut ablassen möchten: die nervende Schwiegermutter, der böse Chef oder der unsympathische Nachbar.

"Fumier.com" heißt Roger Combottes Homepage. "Fumier" - das heißt so viel wie "Mist" oder auch "Mistkerl" und gilt im Französischen als gemeines Schimpfwort. Der pfiffige Bauer aus dem ostfranzösischen Département Jura nahe der Schweizer Grenze macht aus Mist Geld. Der freche "Mistkerl" ist sogar so stolz drauf, dass er sich augenzwinkernd "Roi du Fumier" nennt - der "Mist-König".

Mit seiner Geschäftsidee ist Roger seit etwa vier Wochen auf dem Markt. Und das Gewerbe brummt. In kleine hölzerne Schächtelchen betten sie 100 Gramm Kuhdung sowie eine Postkarte mit einem individuellen Anschreiben - und ab geht die Post, allerdings nur innerhalb der Landesgrenzen. 8,50 Euro kostet diese "dufte" Dienstleistung, die immer mehr Kunden findet. Vor allem seitdem französische Fernseh- und Radiosender und sogar Hauptstadtblätter wie die angesehene "Le Monde" über den geschäftstüchtigen "Mist-König" aus dem Provinzkaff namens Ranchot berichten.

Dort residiert der bizarre Kuhdung- Versand tatsächlich. Nur: Unser Bauer namens Roger Combotte ist in Wirklichkeit eine Kunstfigur. Der echte Macher des florierenden Versandgeschäfts heißt Olivier Legrand und ist Art-Direktor einer Kommunikationsagentur. Der Kuhhirte, den sie als "Roger Combotte - den Rächer", ausgeben, ist sein Nachbar.

"In den ersten Wochen kamen fast 70 Prozent aller Aufträge nur aus Paris und Umgebung, und meistens gingen die Päckchen an den Ex-Partner", berichtet Legrand und fügt eine drollige Anekdote hinzu. "Eines Tages bestellte eine Frau bei mir 14 Päckchen auf einen Schlag für ihren untreuen Ehemann - für jeden Seitensprung eines." Dank des kometenhaften Aufstiegs verteilt sich die Kundschaft inzwischen auf die gesamte Republik. "Wir haben mittlerweile 30.000 Klicks am Tag und verschicken täglich 50 Pakete", heißt es in seinem Büro.

Besonders erhitzte Kunden dringen auf besonders ausgeklügelte Gemeinheiten. Doch dem schiebt Olivier Legrand ausdrücklich einen Riegel vor. "Mitteilungen, die eindeutig ausländerfeindlich, diffamierend oder bösartig sind, lehne ich kategorisch ab", stellt er klar. Ein Prinzip, das in dem schwierigen Metier zu funktionieren scheint. Denn Beschwerden habe es bislang noch keine gegeben.

Legrand: "Ich verlasse mich auf mein Gefühl, und das klappt." Es ist zwar richtig, dass im Namen Roger Combottes 100 Gramm reiner Kuhdung verschickt werden. Allerdings geschieht dies in einer sehr "entschärften" Version: Der im Stroh gut getrocknete Kuhdung wird luftdicht verschlossen in die schicke Holzschachtel gelegt, weil sich La Poste, die französische Staatspost, ansonsten kategorisch weigern würde, den problematischen Inhalt zuzustellen.

"Das Ganze soll eigentlich ein Gag sein", erklärt Legrand. Viele Auftraggeber hätten sogar ein sehr versöhnliches Anliegen. "Sie wollen ausdrücken, dass sie sich gründlich über jemanden geärgert haben und sich nun wieder vertragen wollen." Allein der Deckel der Holzschachtel dürfte die meisten Adressaten schon zum Schmunzeln bringen. Er zeigt eine lustige Kuh mit strahlendem Smiley-Gesicht, die in Anlehnung an "Zorro, den Rächer" einen wallenden Umhang trägt.

Zur Freude der wachsenden "Fumier"-Community haben die cleveren Geschäftsleute aus dem Jura ihr Sortiment inzwischen um die üblichen PR-Artikel erweitert. Über die "Boutik Vache", die "Kuh-Boutique", verschicken sie neben "E-Cards" auch "Fumier"-T-Shirts. Und Combottes lustigen Song "Roi du Fumier" kann man für 99 Cent auf den MP3-Player herunterladen.

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