Danielle Allmendinger (re.) und Christine Göttler-Kienzle (Mitte) mit den Sternsingern bei den Proben Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In der katholischen Gemeinde in der Stuttgarter Stadtmitte machen dieses Jahr 45 Kinder mit. Dafür braucht es aber jede Menge Werbung, fleißige Planer und einige Telefonate.

Stuttgart - Im Haus der katholischen Gemeinde Sankt Georg stehen die letzten Vorbereitungen auf dem Programm. Lieder, Texte und Aufgaben werden noch einmal geprobt. Gleich machen sich die ersten Kinder als Sternsinger auf den Weg. Sie segnen Häuser und sammeln Spenden, die behinderten Kindern in Peru zugute kommen. Hinter den zehn Organisatoren der Sankt-Georg-Gemeinde stecken Monate der Planung. Danielle Allmendinger (57 Jahre), Mitglied im Kirchengemeinderat der Gemeinde, ist eine der Verantwortlichen. „Im November eröffnen wir die Aktion mit einem Gottesdienst und beginnen mit der Werbung“, sagt die 57-Jährige. Kinder, die an der Aktion teilnehmen oder Menschen, die einen Hausbesuch wünschen, melden sich über ein Formular an.

Aktion von Kindern für Kinder

Das Konzept: in 16 Touren bis zum 6. Januar alle Straßen des Gemeindegebiets vom Killesberg bis zum Nordbahnhof ablaufen. Auf einer Liste steht, welche Häuser in den Straßen die Sternsinger besuchen. Sie setzt sich aus den besuchten Häusern vom Vorjahr, den Neuanmeldungen, Tauffamilien und Neuzugezogenen zusammen. Nur selten wird von Haus zu Haus gelaufen. „Wir sind dadurch willkommen. Die Menschen freuen sich über unseren Besuch“, sagt Georg Schikora, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Dadurch hätten auch die Kinder Freude an der Aktion. Jede Tour wird von einer Gruppe ausgeführt. Mindestens vier Kinder, drei davon spielen die Könige und das vierte Kind den Sternträger, bilden eine Gruppe. Bei größerer Gruppenzahl sind andere Kinder beispielsweise für Empfang der Spende und den Weihrauch verantwortlich. Mindestens ein Erwachsener begleitet jede Gruppe, auch weil die großen Distanzen oft mit dem Auto bewältigt werden müssen.

Christine Göttler-Kienzle begleitet ihre Gruppe mit einer Gitarre und unterstützt den Gesang der Kinder. „Man erlebt ganz tolle Geschichten“, sagt sie. Denn die Gemeinde besuche auch eine Flüchtlingsunterkunft, Altersheime und Männerwohnheime, um sie zu segnen. „Die Sternsinger leisten als Türoffner einen wichtigen Dienst für die Kirche“, betont Göttler-Kienzle. Bei den Proben holen sich die Neulinge von den erfahreneren Sternsinger Tipps ab – beispielsweise von Emilia Wagner. Sie engagiert sich dieses Jahr zum fünften Mal für Kinder in Not. „Es macht mir Spaß, den Leuten beim Singen eine Freude zu machen“, sagt die 13-Jährige. Vor allem ältere Leute würden sich über den Besuch freuen und Getränke und Essen anbieten. „Mir gefällt an der Aktion, dass sie von Kinder für Kinder ist“, sagt die elfjährige Kiara Frölich. Manche Freundinnen würden es aber lustig finden, dass sie sich bei den Sternsingern engagiert.

Totz schlechten Wetters sind die Kinder dabei

Kinder für die Aktion zu gewinnen, „ist die größte Herausforderung bei der Organisation“, bestätigt Allmendinger. Zwar hätten sie in ihrer Gemeinde mit den 45 teilnehmenden Kindern Glück, dafür sei aber sehr viel Werbung erforderlich. „Oft müssen wir Kinder vom Vorjahr noch mal für eine Teilnahme überzeugen, weil wir zu wenig Kinder haben“, ergänzt die 57-Jährige. Das liege auch daran, dass viele Kinder zu der Zeit im Urlaub seien.

Allmendinger und Schikora sind sich einig, dass die Gesamtsituation in Stuttgart „nicht leichter“ wird: „Man muss viel telefonieren und ein Netzwerk aufbauen, sonst geht das nicht“, sagt Allmendinger. Die teilnehmenden Kinder kämen aus dem gesamten Gebiet der Gemeinde. Jede habe mit anderen Problemen zu kämpfen, die Anzahl der Kinder hänge auch davon ab, wie viele Familien im Gebiet wohnen würden. Die Erwachsenen-Sternsinger-Gruppe der Gemeinde Sankt Eberhardt beurteilen Schikora und Allmendinger kritisch: „Die Aktion ist von Kindern für Kinder.“

Allmendinger hebt das Engagement der Kinder hervor: „Hochachtung vor den Kindern, die sich trotz Ferien und teils schlechten Wetters engagieren.“ Viele Touren fangen um 14 Uhr an und enden erst um 19 Uhr bei Dunkelheit. „Die Kinder treten vor die Häuser, sprechen die Leute an und sammeln die Spenden ein“, ergänzt Schikora. Im vergangenen Jahr seien in der Gemeinde rund 12 000 Euro zusammen gekommen. Dieses Jahr geht ein Teil des Erlöses der Gemeinde auch an ein Projekt in Guatemala, das Kindern über Stipendien eine Schulbildung ermöglicht.

Nach Dreikönig trifft sich das Team zur Generalkritik. Dann werden die diesjährigen Neuanmeldungen auf die Listen übertragen – damit die Gemeinde auch im nächsten Jahr einen möglichst hohen Erlös erzielt.

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