Pferdeherpes ist eine Gefahr, Anlass zur Hysterie besteht Experten zufolge jedoch nicht. (Symbolbild) Foto: dpa

In der Region Stuttgart geht die Angst vor einer Pferdekrankheit um: Im Ostalbkreis mussten drei Tiere wegen Pferdeherpes eingeschläfert werden. Zwei Ställe sind unter Quarantäne, viele Reitvereine wappnen sich gegen das Virus.

Region Stuttgart - Pferdebesitzer und Reiter in der gesamten Region sind derzeit in großer Sorge: Im Ostalbkreis gibt es drei bestätigte Fälle von Pferdeherpes. Die drei Tiere, die in Aalen-Waldhausen sowie in Horn auf zwei verschiedenen Höfen untergebracht waren, mussten aufgrund der Viruserkrankung eingeschläfert werden. „Die Lage ist unter Kontrolle“, sagt die Tierärztin Susanne Müller vom Pferdegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg in Fellbach. Die zwei betroffenen Ställe seien nun für drei Wochen unter Quarantäne. Dort darf kein Tier das Gelände verlassen. Andere Betriebe könnten sich nun entspannen, betont Müller.

Die Krankheit schlummert fast überall, bricht aber nur selten aus

Das Risiko an Pferdeherpes zu erkranken sei grundsätzlich immer da, erklärt die Tierärztin und verweist auf ein Merkblatt zur Equinen Herpesinfektion, das man im Internet auf der Homepage der Tierseuchenkasse herunterladen kann. Das Virus schlummert demnach latent und unbemerkt in 90 Prozent der Pferde. Ist die Abwehr eines infizierten Tieres geschwächt, kann sich das Virus stark vermehren und zu Krankheitssymptomen führen. Dabei kann es zu hohem Fieber, Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten bei trächtigen Stuten oder zu Störungen im Nervensystem kommen. Betroffene Pferde leiden dann unter schwankendem Gang, Blasenlähmung, können teilweise nicht mehr stehen – und müssen eingeschläfert werden.

„Die Krankheit tritt ganz vereinzelt auf“, sagt die Veterinärin Susanne Müller. Pro Jahr seien ein bis zwei Ställe in ganz Baden-Württemberg betroffen. Im Rems-Murr-Kreis habe es in den neun Jahren, seitdem Müller beim Pferdegesundheitsdienst arbeitet, keinen Ausbruch gegeben.

Angst vor Pferdeherpes droht zur Hysterie zu werden

Seitdem die Todesfälle im Ostalbkreis bekannt sind, grassiert die Angst vor der Ansteckung auch im Rems-Murr-Kreis und sogar in der gesamten Region. In vielen WhatsApp-Gruppen und über Facebook warnen sich Reiter gegenseitig, Falschmeldungen machen die Runde. Es herrscht schon beinahe Hysterie. Turniere wie das vom Gestüt Birkhof in Donzdorf (Kreis Göppingen) oder gar in Zöschingen (Kreis Dillingen in Bayern) sind wegen des Pferdeherpesvirus vorsichtshalber abgesagt worden.

Beim Pferdesportkreis Ostalb stehen die Telefone nicht mehr still. Deren Vorsitzender Hans-Peter Ruberg muss die Anrufer am laufenden Band beruhigen: „Es besteht kein Grund zur Panik“, betont der Mann. Um die Fakten richtig zu stellen, hat der Pferdesportkreis ein Rundschreiben verfasst. „Das Virus ist nicht von Mensch auf Pferd übertragbar“, steht unter anderem dort. Und: „Hufschmiede und Tierärzte dürfen die Stallungen jederzeit betreten.“

So wappnen sich Reitvereine gegen das Virus:

Im Reitverein Schorndorf ist die Nachricht vom Pferdherpes ebenfalls angekommen. „Das Thema wird leider völlig hochgespielt“, sagt Vereinsvorsitzende Sigrid Lamp. Sicherheitshalber sei der Verein in Kontakt mit dem Tierarzt Michael Oberthür, der die vereinseigenen Pferde betreut. Den Pferdebesitzern, die ihr Tier auf der Anlage des Vereins an der Lortzingstraße untergebracht haben, rät sie vorsichtshalber von Turnierteilnahmen im Ostalbkreis ab. Auch Fremdreiter aus dem benachbarten Kreis sollen derzeit den Reitverein nicht besuchen.

Der Reitverein Welzheim an der Grenze zum Ostalbkreis lässt seinen Betrieb normal weiterlaufen. „Wir sind nur ein kleiner Verein mit wenig Außenkontakten“, sagt Vereinsvorsitzender und Reitlehrer Kim Hauer. Eine gesunde Vorsicht sei bei dem Thema angemessen – und etwas mehr Hygiene statt der Hysterie, die derzeit herrsche.

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