Ermittlungsleiter Dieter Csefan berichtet in Seefeld über die Erfolge der Beamten im Dopingfall um fünf Langläufer und deren Hintermänner. Foto: Getty

Der Dopingskandal bei der Nordischen Ski-Wm in Seefeld erschüttert die Sportwelt. Er zeigt, wie viel kriminelle Energie nach wie vor im Hochleistungssport steckt, kommentiert unser WM-Reporter Jochen Klingovsky.

Seefeld - Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie dreist manche Athleten lügen, dann lieferte ihn Dominik Baldauf. Nach seinem unerwarteten sechsten Platz im WM-Teamsprint mit Max Hauke schrieb der österreichische Langläufer bei Instagram: „Was kostet es eigentlich, Träume wahr werden zu lassen? Mut – nur Mut!“ Vier Tage später wurden Baldauf und Hauke in Seefeld verhaftet, als Blutdoper. Bei einem der beiden steckte noch die Infusionsnadel im Arm, als die Polizei zugriff. Einen Sportler in diesem Moment zu erwischen, ist für Dopingfahnder ein Glücksfall, und auch ansonsten scheint die Beweiskette der Ermittler lückenlos zu sein. Sie reicht vom illegalen Dopinglabor in Erfurt bis zum Betrug vor Ort.

Der Skandal geht über den Langlauf hinaus

Der Skandal erschüttert den Langlauf, doch er geht weit über den nordischen Skisport hinaus. Zum einen, weil er die Version von den Einzeltätern, die von den vermeintlich sauberen Athleten so gerne verbreitet wird, ad absurdum führt. Keiner der fünf Langläufer, die nun verhaftet wurden, zählt zur absoluten Weltspitze. Dorthin, das hat der Österreicher Johannes Dürr in seiner Dopingbeichte erklärt, komme niemand ohne leistungssteigernde Mittel. Der jüngste Skandal stützt diese Theorie.

Viel kriminelle Energie im Sport

Gleichzeitig ist er ein Beleg dafür, wie viel kriminelle Energie weiterhin in der Szene steckt. Alles, was bisher über das nun hoch genommene Dopinglabor in Erfurt bekannt ist, erinnert stark an den Fall Eufemiano Fuentes, der 2006 aufflog – nachdem der spanische Gynäkologe jahrelang Topsportler beim Dopen unterstützt hatte. Rund 200 Blutbeutel wurden damals bei ihm gefunden, überführt worden sind vornehmlich Radprofis. Wie viele Blutkonserven nun in Erfurt gelagert wurden, ist noch nicht bekannt. Als sicher gilt, dass nun etliche Athleten aus diversen Sportarten vor den weiteren Ermittlungen zittern werden. Zu hoffen ist, dass alle auffliegen, die dreist lügen. Um die Sauberen zu schützen – auch wenn es weniger zu sein scheinen, als viele denken.

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