Hat auf Twitter mit rassistischen Äußerungen Abgeordnete attackiert: US-Präsident Donald Trump. Foto: AP

Trump hat auf Twitter mehrere Demokratinnen aufgerufen, die USA zu verlassen. Dumm nur, dass die allermeisten von ihnen in den USA geboren sind.

Stuttgart - US-Präsident Donald Trump hat mehrere Demokratinnen im Kongress aufgerufen, die USA zu verlassen und in ihre vermeintliche Heimat zurückzukehren. Trump schrieb am Sonntag auf Twitter, es sei interessant zu beobachten, wie „progressive“ Demokratinnen, die ursprünglich aus Ländern mit katastrophalen, korrupten und unfähigen Regierungen kämen, den USA erklärten, wie die Regierung in den Vereinigten Staaten zu funktioniere habe. „Warum gehen sie nicht zurück und helfen dabei, die total kaputten und von Kriminalität befallenen Orte in Ordnung zu bringen, aus denen sie gekommen sind“, schrieb der US-Präsident.

Er nannte keine Namen, spielte aber unmissverständlich auf eine kleine Gruppe junger und aufstrebender demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus an, die sich derzeit Machtkämpfe mit Pelosi liefern. Dazu gehören Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib, Ayanna Pressley und Ilhan Omar. Sie kommen zum Teil aus Einwandererfamilien. Bis auf Omar sind aber alle in den USA geboren. Ilhan Omar kam in Somalia auf die Welt.

„Ihr könnt nicht schnell genug gehen“

Am Ende seiner Tirade, die aus drei Tweets hintereinander bestand, wurde Trump noch schärfer: „Diese Orte brauchen eure Hilfe, ihr könnt nicht schnell genug gehen. Ich bin mir sicher, Nancy Pelosi wäre gerne bereit, euch schnell mit den Reisearrangements zu helfen.“

Nancy Pelosi ist eine wichtige Politikerin der Demokraten in den USA und Sprecherin des Repräsentantenhauses. Mit Trumps letztem Satz spielt er möglicherweise auf einen Konflikt zwischen Pelosi und den besagten Politikerinnen an. Die Frauen kritisieren, dass nicht genug für den Schutz von Kindern in Haftzentren an der Grenze zu Mexiko getan werde.

Streit bei den Demokraten

Bei dem Streit geht es um ein Gesetz, dass vergangene Woche verabschiedet wurde. Es soll 4,6 Milliarden US-Dollar Nothilfe für die humanitäre Situation an der Grenze bereitstellen. Für Pelosi gilt das Gesetz als Niederlage, weil sie sich mit ihrer Forderung nach strengeren Auflagen bei der Unterbringung von Migrantenkindern nicht durchsetzen konnte.

Trotz des Streits innerhalb der Demokratischen Partei sprang Pelosi den Politikerinnen schnell zur Seite, die Trump auf Twitter attackiert hatte.

„Ich lehne Donald Trumps xenophobe Äußerungen ab, mit denen er unsere Nation spalten will“, schrieb Pelosi ebenfalls auf Twitter. Seine Tweets zeigten laut Pelosi: Trumps Plan, Amerika wieder großartig zu machen, bedeute in Wirklichkeit, Amerika wieder weiß zu machen.

Auch Alexandria Ocasio-Cortez und ihre Kolleginnen, die mit Trumps Tweet wohl gemeint waren, wehrten sich auf Twitter. „Mr. President, das Land ‚aus dem ich komme’ und auf das wir alle schwören, sind die USA“, twitterte Ocasio-Cortez.

„So sieht Rassismus aus“

Ayanna Pressley, mit der die Menschen in dem US-Bundesstaat Massachussetts erstmals eine schwarze Frau ins Repräsentantenhaus gewählt hatten, konterte gegenüber Trump: „So sieht Rassismus aus. Wir gehen nirgendwo hin – außer nach Washington, um für die Familien zu kämpfen, die Sie jeden Tag marginalisieren und diffamieren.“

Rashida Tlaib, eine Abgeordnete aus Michigan, nannte den US-Präsidenten nach seiner Attacke„gesetzeslos“ und „einen kompletten Versager“.

Und auch Ilhan Omar machte auf Twitter deutlich, was sie von Trumps Attacke hält. Als Kongressabgeordnete seien die USA das einzige Land, auf das sie einen Eid geschworen habe. Deshalb kämpfe sie dafür, das Land „vor dem schlechtesten, korruptesten und unfähigsten Präsidenten zu beschützen, den wir je hatten“.

Trumps verbale Attacke fiel auf den Tag, für den der Präsident groß angelegte Razzien gegen Menschen ohne Aufenthaltspapiere in den USA angekündigt hatte. Diese blieben nun aber weitgehend aus. Unter anderem hatten mehrere Bürgermeister von Städten, in denen Razzien angekündigt waren, angekündigt, dass sie nicht mit den Behörden kooperieren würden.

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