Brautpaar: pittoresk. Ambiente: auch. Die Frischvermählten im Schloss Favorite. Foto: factum/Simon Granville

Die Stuttgarter Szene-Größen Deborah Tramitz und „DJ Le Shuuk“ Chris Stritzel haben im Ludwigsburger Schloss Favorite geheiratet. Sie waren dort die Ersten nach der jahrelangen Sanierung – und nach dem Corona-Shutdown.

Ludwigsburg - Dass sie weiß, wie man sich in Szene setzt, sieht man dieser Braut sofort an. Mit laszivem Blick über die braun gebrannte Schulter fixiert Deborah Tramitz, Model und Influencerin mit einer Million Instagram-Followern, vor der Kulisse des Favoriteparks das auf sie gerichtete Kameraobjektiv. Auch auf der Motorhaube des blumengeschmückten Rolls Royce und auf der prunkvollen Freitreppe ist die Braut ganz klar der Blickfang Nummer eins bei dieser ersten Trauung in Schloss Favorite nach der Renovierung und nach dem Corona-Shutdown. Am Mittwoch hat die 27-Jährige vor der Standesbeamtin Sarah Gutscher „Ja“ zu ihrem Zukünftigen gesagt – der seit Jahren schon ihr Gegenwärtiger ist: zu Chris Stritzel, Musiker und DJ, auch bekannt unter dem Künstlernamen DJ Le Shuuk.

Nur nicht nullachtfünfzehn

Dass sie nicht nullachtfünfzehn heiraten wollten, „womöglich in einem muffigen Trauzimmer“, habe von Anfang an festgestanden, sagt Chris Stritzel. Die Location sollte „bunt, knallig und freakig“ sein, „so wie es zu uns passt“. Außerdem, so der glückstrahlende Frischvermählte, passe ein Schloss zur prinzessinnenhaften Anmutung seiner Frau. So kam Schloss Favorite ins Spiel. „Als wir es besichtigt haben, waren wir komplett geflasht“, erzählt Stritzel. „Wir haben richtig Glück gehabt, dass wir einen Trautermin bekommen haben.“

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Fast vier Jahre lang war das zwischen 1717 und 1723 erbaute einstige Lustschlösschen der Öffentlichkeit versperrt gewesen; in dieser Zeit wurde es für rund 3,2 Millionen Euro saniert und farblich aufgefrischt. Am 15. März 2020 eröffnete es neu – und musste wegen Corona direkt wieder schließen. Seit Mitte Juni darf man es nun unter Auflagen wieder besichtigen. Und nun auch wieder darin heiraten. Allerdings nur an wenigen ausgewählten Terminen. Dass das so restriktiv gehandhabt wird, liegt daran, dass das Schloss mitten im Naturschutzgebiet liegt. Gäben sich die Hochzeitsgesellschaften dort die Klinke in die Hand, ließe sich das kaum mit dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Favoritepark vereinbaren – und der Exklusivitäts-Kitzel wäre auch weg.

Wie im Märchen

Trauungen im eleganten Ambiente von Schloss Favorite bleiben also eine Ausnahme – die sich Brautpaare auch etwas kosten lassen müssen. 600 Euro plus Mehrwertsteuer und Standesamtgebühr zahlen sie, wenn sie sich für die Hochzeit im Schloss mit Blick auf Uralt-Baumriesen und Mufflon-Wild entscheiden. Selbst die Standesbeamtin hat ihr Herz an diesen temporären Arbeitsort verloren: „Es ist traumhaft. Ein bisschen wie im Märchen“, sagt Sarah Gutscher. „Schloss Favorite hat einfach eine besondere Atmosphäre.“ Ohnehin sei Ludwigsburg gefragt für die standesamtliche Trauung, nicht nur wegen der Schlösser. „Auch das Trauzimmer im Standesamt mit Blick auf den Marktplatz und die rosafarbene Stadtkirche ist ein attraktives Ambiente“, findet sie. Ludwigsburg ist deshalb auch für Nicht-Ludwigsburger ein heißer Tipp zum Heiraten. 2019 ließen sich dort 559 Paare trauen.

In diesem Jahr haben sich, trotz des Corona-Shutdowns, schon 204 Paare das Ja-Wort gegeben. Selbst in der Zeit, als nicht einmal die Trauzeugen mit ins Zimmer durften, hatten die Standesbeamten gut zu tun. „Viele haben gesagt: Das ist unser Tag. Wir machen das für uns“, berichtet Gutscher. Manche hätten gesagt, sie würden dann an ihrem ersten Hochzeitstag im größeren Stil nachfeiern – „eine total schöne Idee“, findet sie.

Fortsetzung folgt – in der Toskana

Auch für Deborah und Chris ist der formvollendete Eintritt in den Ehestand mit dem Termin in Schloss Favorite noch nicht abgehakt. „Wir heiraten nächstes Jahr noch richtig, auf einem Weingut bei Florenz mit vielen Gästen“, erzählt der Bräutigam. Am Mittwoch verfolgen hingegen fast alle zugelassenen Angehörigen und Freunde die Trauzeremonie von draußen – an geöffneten Fenstern und Türen stehend, damit trotzdem niemand etwas versäumt. Teile der Hundertwasser-Ausstellung, Kassentresen und Shop sind für die Trauung aus dem Saal geräumt worden. „Das Vestibül wurde bei der Sanierung extra so geplant, dass es unkompliziert umgebaut werden kann“, sagt Sonja Menold, die stellvertretende Leiterin der Schlossverwaltung.

Dass sich bei der ersten Hochzeit nach Sanierung und Umbau das Wetter etwas artiger hätte benehmen können, verdross die Frischvermählten – die sich vor sechs Jahren bei einer Silvesterparty kennenlernten, bei der DJ Le Shuuk auflegte – nicht über die Maßen. Zwar goss es während und nach der Trauung in Strömen. Später, als im Garten von Chris Stritzels Eltern weitergefeiert wurde, blinzelten zwischendurch aber sogar mal ein paar Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervor.

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