Die Dispozinsen für Girokonten sind in Deutschland viel zu hoch – das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest. Foto: dpa

Ein Drittel der Deutschen geraten mit ihrem Kontostand ab und an ins Minus – und zahlen dafür horrende Dispozinsen. Die Stiftung Warentest wollte eine flächendeckende Übersicht über diese Zinsen erstellen. Doch die meisten Banken verweigerten ihr eine Angabe.

Berlin - Am Ende des Geldes ist oft noch viel Monat übrig. Diesen Spruch kennen viele in Deutschland. Doch was tun, wenn das Konto leer ist, der Kühlschrank aber auch? Oder wenn gerade am Ende des Monats das Auto kaputtgeht? Fast ein Drittel der Deutschen greifen dann zu der unbürokratischen Möglichkeit, einfach das Girokonto zu überziehen. Zehn Prozent machen das laut einer Umfrage der Meinungsforscher von Emnid sogar mehrmals im Jahr. Dafür müssen sie den sogenannten Dispositionskredit, kurz Dispo, zahlen. Und der kann richtig teuer werden. Denn für den Dispokredit verlangen viele Banken überhöhte Zinsen. Das schreibt die Stiftung ­Warentest in der aktuellen Ausgabe des „Finanztest“.

Der Durchschnitt der bei 945 Banken ermittelten Dispozinsen liegt in der Untersuchung bei 11,76 Prozent. „Das ist viel zu hoch“, sagte Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung, am Dienstag in Berlin. Der Durchschnitt habe sich zwar im Vergleich zum Vorjahr um 0,63 Prozentpunkte verringert, doch habe sich auch der Zins der Europäischen Zentralbank, zu dem sich die Banken Geld leihen, auf 0,75 Prozent halbiert. Diese Senkung geben die meisten Banken aber nicht an die Kunden weiter.

So verlangt die Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich in Nordrhein-Westfalen laut Stiftung Warentest von ihren Kunden 14,25 Prozent Zinsen, wenn sie ihr Girokonto überziehen. Wenn ein Kunde dieser Bank also sein Konto ein halbes Jahr lang dauerhaft mit 1000 Euro im Minus hält, zahlt er dafür 71 Euro Zinsen. Und wer nach Ansicht der VR-Aalen eine schlechte Bonität aufweist, muss sogar über 15 Prozent Zinsen zahlen. „Diese Zinssätze sind inakzeptabel“, sagt Stephanie Pallasch, die die Untersuchung der Stiftung Warentest geleitet hat.

In Österreich zahlt man für das Überziehen des Kontos durchschnittlich 5,52 Prozent Zinsen

Warum die Banken einen derart hohen Dispozins aufrufen, könne er nicht verstehen, so Primus. Nach eigenen Angaben der Banken zahlen nur 0,2 Prozent der betroffenen Kunden ihre Dispokredite nicht mehr zurück. Ein hoher Risikoaufschlag sei also nicht gerechtfertigt. Und ein Blick in die Nachbarländer zeigt: In Österreich zahlt man für das Überziehen des Kontos durchschnittlich 5,52 Prozent Zinsen, in den Niederlanden sind es 6,69.

Doch die hohen Zinsen sind nicht das Einzige, was die Stiftung Warentest moniert. Zusätzlich fehle es beim Thema Dispositionskredit bei vielen Banken an Transparenz, so das zweite negative Ergebnis der Untersuchung. 1566 Kreditinstitute bieten in Deutschland Girokonten für Privatkunden an. Die Stiftung Warentest wollte die Daten aller vergleichen. Doch: „Drei Viertel der Banken haben sich verweigert“, sagt Primus. Nur 357 Institute haben auf die Anfrage direkt geantwortet. Die Konditionen von weiteren 588 Banken und Sparkassen konnten die Mitarbeiter selbst ausfindig machen. „Sie sind in Filialen gefahren und haben den Zinssatz dort abgeschrieben“, sagt Pallasch. Nur 50 Prozent aller Institute veröffentlichen ihre Konditionen im Internet. Eine flächendeckende Erhebung, wie sie die Stiftung geplant hatte, war somit nicht möglich.

Während bei 18 Banken im Test die Zinssätze über 13,75 Prozent lagen, haben die Verbraucherschützer bei etwa 60 Banken Zinssätze unter neun Prozent gefunden. Ein besonders positives Beispiel sei die Deutsche Skatbank, so Pallasch. Sie verlange nur 5,25 Prozent Zinsen, wenn das Konto überzogen werde. Es gäbe zwar durchaus auch noch günstigere Angebote, aber die gelten oft nur für bestimmte Konten, die dann andere Kosten verursachen, etwa einen hohen monatlichen Grundpreis. Bei dem aktuellen Zinsniveau sollte der Zinssatz für den Dispokredit deutlich unter zehn Prozent liegen, so die Forderung der Stiftung Warentest.

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