Dieter Hallervorden wird inzwischen auch als Charakterkopf wahrgenommen. Foto: dpa/Fabian Sommer

Wer nicht erst geboren wurde, als MTV schon wieder tot war, kennt garantiert ein paar Dieter-Hallervorden-Sketche. Dem Komiker, der nun 85 wird, war sein Ruf als Blödelkönig nicht nur eine Freude. In späten Kinohits hat er gezeigt, dass er anderes kann als „Palim palim“.

Stuttgart - Profi-Spaßmacher sind im Leben selten die sonnigsten Gemüter. Auch Dieter Hallervorden, der am 5. September 85 Jahre alt wird und einst Etiketten wie „Deutschlands Blödelkönig“ trug, kann Stacheln stellen. Bei der Arbeit sei er Perfektionist, wird ihm nachgesagt, unduldsam gegen sich, hart gegen andere.

Didi fegt Hallervorden weg

Dass Hallervorden lange so viel Frustration wie Jux in sich trug, merkt jeder, der ihn über seine enorme Popularität reden hört. Die ereilte ihn 1975, mit der Klamaukreihe „Nonstop Nonsens“ im Hauptabendprogramm des Ersten. Hallervorden verwandelte sich da in jene Kunstfigur Didi, die dann auch in Kinofilmen auftrat und ihn eigentlich hätte schützen sollen: Der ulkige Chaosbringer der Gags sollte von ihm klar unterscheidbar sein. Aber der Quatschkopf Didi schützte seinen Erfinder nicht, sondern fegte ihn beiseite.

In der ZDF-Mediathek kann man den dreiviertelstündigen Porträtfilm „Dieter Hallervorden – Eine deutsche Legende“ finden. Darin erzählt Hallervordens Tochter Nathalie, ihr Vater sei auf dem Höhepunkt der Popularität von „Nonstop Nonsens“ mit Perücke und Sonnenbrille aus dem Haus gegangen, weil er sich sonst nicht hätte retten können „vor Kindern, die unbedingt mit ihm irgendwie was machen wollten, und wollten, dass er bitte mal die Treppe runterfällt.“ Dieter Hallervorden aber wollte auch als tiefschürfender Charaktermime, Kabarettist und Zeitgeistkritiker wahrgenommen werden.

Der unterschätzte Senior

Der 1935in Dessau Geborene ist in der DDR aufgewachsen, rieb sich am System und setzte sich nach West-Berlin ab. Dort gründete er die Kabarettbühne „Die Wühlmäuse“, die er bis heute leitet, und spielte im Hausensemble. Seit 2008 führt er auch das Berliner Schlosspark-Theater. Hier kann er sich anders in Szene setzen als im Nonsens-Format – auch wenn das nie und nimmer zur Korrektur des Didi-Image gereicht hätte.

Im Dezember 2014 aber startete im Kino der Kassenknüller „Honig im Kopf“, der den Blick auf Hallervorden stark verändert hat. Der Schauspieler selbst war schon im Jahr zuvor über den Kinofilm „Sein letztes Rennen“ sehr froh gewesen: Da spielte er einen Ex-Marathonläufer, der aus dem Altersheim heraus wieder auf die Strecke geht und allen zeigt, was er noch drauf hat. Der unterschätzte Senior mit den ungeahnten Reserven und dem zähen Kampfeswillen, diese Rolle entsprach ganz Hallervordens Selbstverständnis. Mit rund 412 000 Besuchern wurde der Film ein Achtungserfolg.

Tragik und Würde

Hallervordens Darstellung des an Alzheimer erkrankten Amandus, der in „Honig im Kopf“ mit seiner Enkelin nach Venedig reist, erreichte im Kino 7,3 Millionen Menschen. Es ist Til Schweigers bislang beste Regiearbeit, die Umsetzung eines bitteren Themas in eine Wohlfühlkomödie. Das konnte nur gelingen, weil Hallervorden seinen Amandus einerseits so kauzig anlegte, dass er sich von der Wirklichkeit abhob, die Figur aber nicht überriss. Amandus bleiben Tragik, Würde und Verschmitztheit.

Es gab Zeiten, da schienen Hallervorden die zu geflügelten Worten gewordenen Nonsens-Sprüche seiner Sketche – „Palim palim“ etwa oder „Eine Flasche Pommes frites, bitte“ – wie ein Tinnitus zu quälen. Seit seinen späteren Kinoerfolgen wirkt er viel zufriedener mit sich, mit seinem Ruhm und seinen Perspektiven. Jetzt, sagt er im ZDF-Porträt, ginge es darum, gesund die 100 zu erreichen. Das sei dem Nicht-Didi von Herzen gegönnt.

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