Blumen auf Feldern selber schneiden, das geht deutschlandweit. Der Bernhäuser Landwirt Fritz Alber beklagt allerdings eine sinkende Zahlungsmoral. Foto: dpa

Am Blumenfeld von Fritz Alber in Filderstadt sollen Langfinger keine Chance mehr haben. Denn es wird nun überwacht.

Filder - Fritz Alber und seine Familie wollen Langfingern das Handwerk legen. Der Bernhäuser Landwirt stellt eine Videokamera an seinem Feld auf, an dem sich Blumenfreunde gegen Gebühr selbst ihre Sträuße schneiden können. „Zur Abschreckung“, sagt er. Und: „Die Kamera ist nichts Kleines.“ Die Idee dazu hatte er schon früher, nach dem Vorfall am Wochenende setzt er sie auch um.

Diebe hatten in der Nacht von Samstag, 17. August, auf Sonntag, 18. August, an Blumenfeldern und an einem Kürbisverkaufsstand auf den Fildern Kassen aufgebrochen, um sich an den dort eingeworfenen Münzen zu bedienen. So auch am Feld der Familie Alber. Dass sich Leute an der Schatulle zu schaffen machen, sei nichts Neues, sagt der Landwirt. Das komme ein- bis zweimal pro Jahr vor. Überrascht habe ihn die Professionalität der Langfinger vom Wochenende. „Sie müssen mit einem Akku-Trennschleifer die Kasse aufgeflext haben“, sagt er. Diese war an einem schweren Ölfass befestigt.

Diebe gingen wohl leer aus

Den großen Reibach haben die Diebe – zumindest auf dem Feld von Fritz Alber – nicht gemacht. „In der Kasse war nichts drin“, sagt der Bernhausener Landwirt. Jeden Abend, wenn es dunkel geworden ist, fährt die Familie zum Feld, um das eingeworfene Geld zu sichern. Der Sachschaden sei dagegen nicht zu verachten.

Fritz Alber erhofft sich durch die Videoüberwachung auch, ein paar mehr Informationen darüber zu erhalten, wer auf seinem Feld Blumen schneidet, dann aber nichts oder einen zu kleinen Betrag in die Kasse wirft. Seine Preise seien, wie er sagt, nicht übertrieben. 60 Cent kostet eine Gladiole oder Sonnenblume. „Wir haben viele Stammkunden, die gerne kommen und dann freilich auch bezahlen“, erklärt er. Doch die Zahlungsmoral sei im Vergleich zu früher deutlich gesunken.

Auch Händler wollen offenbar nicht bezahlen

„Wir machen das seit 20 Jahren“, sagt er. „Am Anfang hatten wir null Probleme und zwei solcher Felder.“ Mittlerweile würden sogar Händler, welche die Blumen auf Wochenmärkten weiterverkaufen wollen, großzügig Pflanzen von seinem Feld schneiden, dann aber nichts oder zu wenig dafür zahlen. Fritz Alber hat einen solchen Händler schon vom Feld gejagt und ihm Platzverbot erteilt. Aber auch andere Leute hat der Bauer schon beim Blumenklau erwischt. Es werden also immer mehr Gewächse ohne Gegenleistung geschnitten. Auch deshalb bewirtschaftet die Familie Alber mittlerweile nur noch ein Blumenfeld.

Dass die Zahlungsmoral sinkt, bestätigt auch Walter Vohl, landwirtschaftlicher Obmann in Stetten. Bei Nahrungsmitteln gehe deshalb der Trend zu Automaten, welche die Bauern auf ihren Höfen aufstellen. Der Vorteil: „In den Automaten muss man erst Geld einwerfen, bevor etwas rauskommt“, sagt er. Das aber gehe bei Blumen freilich nicht.

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