Bilal Erdogan (r), Sohn des türkischen Präsidenten Erdogan, sitzt im Juli 2018 im Parlament in Ankara, kurz bevor sein Vater als Präsident vereidigt wird. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Der Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Bilal Erdogan, hat sich bei einem Bogenschützen-Wettbewerb in Istanbul Anfang der Woche zum Gespött gemacht. Dabei ist seine Rolle in der Stiftung der Sportschützen hoch umstritten.

Istanbul - Die Osmanen – sie waren wahrhaftig ein Kriegervolk. Mit Istanbul als ihr religiöses und politisches Zentrum hat das Osmanische Reich seit ihrer Gründung im 13. Jahrhundert in vielen kriegerischen Auseinandersetzungen große Teile des Nahen Ostens und einen Teil Europas erobert. Jenes blutige Zeitalter ist noch heute Projektionsfläche für nostalgische Türken. Daher sind auch die Traditionen jener Epoche in der türkischen Kultur erhalten geblieben.

Die Stiftung der Bogenschützen

So findet man manchen Brauch der osmanischen Armee in Tänzen und Sportarten wieder. Eine Stiftung, die sich vor allem mit einer bestimmten Tradition des Osmanischen Reiches auseinandersetzt, ist die „Okcular Vakfi“ in Istanbul, die Stiftung der Bogenschützen.

Auf ihrer Webseite schreibt die Stiftung, wie die einstige Kriegswaffe der Osmanen nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches heute vor allem von Sportlern genutzt werde. Einer der prominentesten Unterstützer der Istanbuler Bogenschützen ist der Sohn des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Bilal Erdogan. Er ist sogar Mitglied des Kuratoriums der Stiftung.

Osmanische Festung als Schauplatz

Besagter dritter Sohn Recep Tayyip Erdogans hat sich Ende Mai zu einem Wettbewerb in Istanbul eingefunden. Als historischen Ort haben sich die Sportschützen die sogenannte Rumeli Hisari ausgesucht. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige osmanische Festungsanlage, die insbesondere bei der Belagerung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 eine entscheidende Rolle gespielt haben soll.

Eine eigenartige Frage

Trotz aller historischer Relevanz könnte man meinen, dass so eine Vereins-Veranstaltung außerhalb von Bogenschützen-Kreisen kein besonders interessantes Ereignis darstellt. Diesmal jedoch war es anders. Grund war ein ungewollt witziges Auftreten des Präsidentensohnes. Auf Videoaufnahmen von Nachrichtenportalen wie der Zeitung Cumhuriyet ist zu sehen, wie Erdogan sich selbst am Bogenschießen versucht und von der Festung aus Pfeile ins Marmarameer schießt.

Sehen Sie hier das Video auf der Homepage des Nachrichtenportals Cumhuriyet.

Nachdem die Schüsse bereits abgefeuert sind, fragt er unwissend in die Runde: „Da unten ist aber gerade niemand, oder?“ Spott und Häme in den sozialen Netzwerken waren die Antwort darauf. „Wie kann er die Frage stellen, nachdem er den Pfeil bereits abgefeuert hat“, schreibt da einer.

Spott für den Präsidentensohn

Dass sich Bilal Erdogan mit seiner Aussage zum Gespött gemacht hat, hängt jedoch auch mit seiner umstrittenen Rolle in der Stiftung zusammen. Umstritten deshalb, weil die Bogenschützen laut der Abgeordneten der nationalkonservativen Partei „IYI-Partisi“ Meral Aksener enorme finanzielle Zuschüsse von der Istanbuler Kommune erhalten. So kritisierte sie, dass dem Verein ein unverhältnismäßig hoher Betrag zugeschossen würde (Meral Aksener spricht von einem Betrag von 16,5 Billionen türkischer Lira. Offensichtlich spricht die Politikerin umgangssprachlich von dem Geldbetrag, wie er vor der Währungsreform im Jahr 2005 verwendet worden wäre. Tatsächlich meint sie einem Betrag von 16,5 Millionen neuer Türkischer Lira. Das sind umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro). „So viele Pfeile wurden nicht mal bei der Schlacht um Manzikert verschossen“, spottet sie. Auch hierbei handelt es sich um eine historische Schlacht der osmanischen Vorfahren.

Bilal Erdogan hat die Gelegenheit des Pressespektakels um den Bogenschützen-Wettbewerb zwar primär dazu genutzt, Werbung für den Verein zu machen, dennoch hat er es sich nicht nehmen lassen, auch zu den Vorwürfen Akseners Stellung zu nehmen. „Verleumdungen“ seien sie, so Bilal Erdogan.

Wahlen in wenigen Wochen

Selbst wenn der Präsidentensohn seine Verbindungen zu der Regierungspartei genutzt haben könnte, um den Bogenschützen Vorteile zu verschaffen, könnte es damit ohnehin bald ein Ende haben. Denn in wenigen Wochen findet erneut die Wahl des Bürgermeisters in Istanbuls statt. Die erste Wahl vom 31. März wurde von der Wahlkommission YSK für ungültig erklärt. Wenn sich die Istanbuler Bevölkerung wieder für den Kontrahenten der regierenden AK-Partei, den CHP-Abgeordneten Ekrem Imamoglu, entscheiden sollten, könnte auch die Zukunft der Bogenschützen, bald nicht mehr allzu rosig aussehen. Denn dann entscheidet der neue Bürgermeister, wie die Gelder der Kommunen genutzt werden sollen.

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