Die Tafel in Welzheim gibt es seit einem guten Jahr. Mit dem Start und der Anzahl der Helfer sind die Ehrenamtlichen sehr zufrieden. Foto:  

Die Läden im Rems-Murr-Kreis sind gut aufgestellt, müssen sich aber trotzdem aktiv um Waren und Helfer bemühen. Bundesweite Trends wie etwa ein deutlicher Anstieg an Senioren unter den Kunden schlagen sich im Kreis nicht nieder.

Waiblingen - Eine Insel der Glückseligen ist der Rems-Murr-Kreis sicherlich nicht. Aber die dramatischen Zahlen, die der Bundesverband Tafel Deutschland kürzlich veröffentlicht hat, können die Standorte in Backnang, Murrhardt, Schorndorf und Welzheim nicht bestätigen.

Die Tafel-Kunden werden älter, aber es gibt keinen explosionsartigen Anstieg

Vermeldet wurde beispielsweise, dass im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent mehr Senioren die Angebote der insgesamt 947 Tafeln nutzen. „Wir haben einen Anteil an Senioren von 20 Prozent. Aber das sind langjährige Kunden“, sagt Daniela Kramm von der Tafel Backnang. Von einem altersbedingten Anstieg des Seniorenanteils unter den Kunden berichtet auch Berthold Müller von der Tafel Murrhardt, in Schorndorf sind gerade einmal zehn Prozent der Kunden im Seniorenalter. Daniela Kramm vermutet, dass der Anteil der Senioren vor allem in Großstädten angestiegen ist: „Dort, wo Mieten explodieren“, sagt sie. Eine Ausnahme im Kreis bildet die Tafel Welzheim, die es erst seit gut einem Jahr gibt: „Wir merken, dass mehr Senioren kommen. Aber das hat damit zu tun, dass sie die Scheu überwunden haben, die Tafel zu besuchen“, sagt Karl-Heinz Lindauer.

Schwierige Warensuche für die Tafelläden

Die bundesweite Beobachtung, dass die Zahl der Tafelkunden innerhalb eines Jahres um zehn Prozent auf aktuell 1,65 Millionen gestiegen ist, lässt sich für den Kreis nicht bestätigen: „Die Zahl ist während der Flüchtlingskrise exorbitant in die Höhe geschossen. Aber mittlerweile bewegen wir uns immer auf dem gleichen Niveau“, sagt Helmut Topfstedt von der Tafel Schorndorf, die derzeit 1010 Einkaufsberechtigungen ausgegeben hat. Die Schorndorfer können allerdings einen anderen Trend bestätigen – so konnte Tafel Deutschland nur unwesentlich mehr Lebensmittel retten. „Wir haben weniger Ware, das treibt uns schon um“, sagt Helmut Topfstedt. Er berichtet, dass Supermärkte schärfer kalkulieren und Waren kurz vor Ablauf der Haltbarkeit selbst billiger verkaufen.

Aktive Akquise von neuen Warenlieferanten

Zufrieden mit den Warenmengen ist man dagegen in Murrhardt. „Wir haben genug, allerdings haben wir aktiv akquiriert und konnten neue Lebensmittelhändler gewinnen“, sagt Berthold Müller. Gerade die Discounter unterstützten die Tafeln gut. Das bestätigt auch Daniela Kramm: „Bei uns geht selten etwas aus – wenn, dann wird es bei Molkereiprodukten schwierig.“

Schwierig wird es in Backnang manchmal auch mit Helfern. Von der herausfordernden Suche nach Ehrenamtlichen berichten mehrere Tafeln. In Welzheim ist man dagegen hoch zufrieden: „Viele haben ihre Bekannten animiert mitzumachen. Wir sind mit 50 Helfern sehr gut aufgestellt“, sagt Lindauer.

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