Wenige Millimeter groß und für den Menschen teils lebensgefährlich: der Gemeine Holzbock. Foto: dpa

Zecken springen vom Baum? Zecken sterben im Winter? Wir räumen mit den sieben populärsten Irrtümern zur Zecke auf und erklären, was beim Stich zu tun ist. 

Stuttgart - Die Gefahr lauert beinahe unsichtbar im Grünen. Wenige Millimeter groß und für den Menschen teils lebensgefährlich: der Gemeine Holzbock. Diese Zeckenart, wissenschaftlich Ixodes ricinus genannt, hat sich als einzige in Europa an die verschiedenen Umweltbedingungen und Wirte angepasst – und ist somit auch hierzulande für die meisten Zeckenstiche beim Menschen verantwortlich. Kein Wunder also, dass er auch hauptsächlich Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose ist.

Doch obwohl der Holzbock so weit verbreitet ist, kursieren viele falsche Vorstellungen über das Verhalten der Zecke und die Krankheiten, die sie auslösen kann. Das Deutsche Grüne Kreuz und das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg räumen mit folgenden Irrtümern auf:

1. Im Winter sterben Zecken

Der Name Frühsommer-Meningoenzephalitis ist irreführend: Denn die Zecken, die diese Krankheit übertragen, sind schon ab sieben Grad Celsius aktiv. Das bedeutet, dass die Tiere laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg auch bei mildem Winterwetter durchaus aktiv sein können. So kam es in Vergangenheit, als die Winter mild und feucht waren, zu einer erhöhten Zeckenaktivität – die sich auch in den FSME-Erkrankungsfällen niederschlug.

2. Zecken leben im Wald

Wer im Schwarzwald unterwegs ist, weiß um die Gefahr, die in Büschen und Gräsern lauert. Doch auch in der Stadt besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko, sich mit Borreliose und FSME anzustecken. Untersuchungen in Gärten und Parks in Städten zeigen laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, dass auch hier mit einer erheblichen Anzahl an Zecken zu rechnen ist. Vor allem, wenn diese recht naturnah gestaltet sind. So wurde beispielsweise im Berliner Tiergarten jahrelang im Oktober und November das Herbstlaub entfernt und damit gab es dort auch praktisch keine Zecken. Seitdem der Park wieder möglichst ökologisch belassen sein soll, hat sich auch die Zeckenzahl wieder erhöht. Auch in Stuttgarter Gärten leben die Spinnentiere: So gab es Ende der 80er Jahre einen FSME-Fall in einem Stuttgarter Garten. Daraufhin wurde das Grundstück alle paar Jahre vom Landesgesundheitsamt untersucht – mit dem Ergebnis, dass dort bis heute Zecken leben, die das Virus in sich tragen. Das Landesgesundheitsamt empfiehlt daher, sich daher auch nach der Gartenarbeit gründlich abzusuchen – vor allem an folgenden Körperstellen: Kniekehlen, Leistenbeuge, Achselhöhlen, Haaransatz. Denn dort ist die Haut dünn, warm und feucht.

3. Zecken springen vom Baum

Die Spinnentiere können zwar klettern – aber eigentlich nicht auf Bäume, sondern auf Grashalme oder in Büsche. Meistens sind sie in Knie- bis Hüfthöhe zu finden. Hat die Zecke ihre Jagdposition eingenommen, streckt sie oft ihre Vorderbeine in die Höhe, um mit ihrem Hallerschen Organ alle Duftstoffe in ihrer Umgebung besser wahrzunehmen. Bei diesem Organ handelt es sich um eine grubenartige Senke in den Vorderbeinen der Tiere und ist sozusagen deren Nase. Damit nimmt die Zecke Stoffe wahr, die Menschen und Tiere absondern, wie beispielsweise Buttersäure und Ammoniak im Schweiß oder Kohlendioxid. Streift der Wirt – vor allem Nagetiere, aber auch der Mensch – die Zecke, greift sie mit ihren Vorderbeinen in die Haut, das Fell oder die Kleidung. Dafür reicht eine Berührung von wenigen Sekundenbruchteilen aus.

4. Zecken beißen

Zwar hat die Zecke scherenartige Mundwerkzeuge, die sogenannten Cheliceren, dennoch beißen die Tiere genaugenommen nicht damit zu. Die Mundwerkzeuge dienen vielmehr dazu, die Haut ihres Wirts aufzureißen. Dann bohrt die Zecke ihren Stechrüssel, das Hypostom, in das Gewebe. Das Blut, dass sich in dem Loch sammelt, saugt sie dann immer wieder ab. Daher sprechen Biologen von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss.

5. Ein Zeckenstich tut weh

In der telefonischen Impfberatung des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) behaupten viele Anrufer, dass sie noch nie eine Zeckenstich gehabt hätten und daher auch keinen Zeckenschutz bräuchten. Das lassen die Experten aber nicht gelten: Tatsächlich bekommen viele die Tiere gar nicht mit. Laut DGK haben Befragungen gezeigt, dass sich etwa 30 Prozent der FSME-Patienten gar nicht an den krankheitsauslösenden Zeckenstich erinnern können. Das liegt daran, dass die Zecken ihre Stichzellen betäuben – und zwar mit ihrem Speichel. Der enthält auch noch weitere Stoffe, die dafür sorgen, dass das Blut nicht gerinnt und verhindern, dass sich die Einstichstelle entzündet. Allerdings werden mit eben diesem Speichel auch die Krankheitserreger übertragen, die dem Menschen so zu schaffen machen: Das FSME-Virus und die Borreliose-Bakterien.

6. Zecken mit Öl entfernen

Hände weg von Klebstoff, Alkohol, Nagellack, Feuerzeugbenzin oder Brennspiritus. Eine Studie aus den Niederlanden hat gezeigt: Diese Mittel bringen nichts. Stattdessen empfehlen die Experten des Landesgesundheitsamts das Tier mit einer geeigneten Pinzette oder Zeckenkarte möglichst nah an der Haut zu fassen und gleichmäßig senkrecht herauszuziehen. Je schneller die Zecke entfernt wird, umso geringer wird das Risiko an Borreliose zu erkranken. Während der Zeitfaktor bei der Übertragung der FSME-Viren keine Rolle spielt, weil sie sofort übertragen werden, braucht es für eine Infektion mit Borrelien mehrere Stunden, bis sie vom Magen-Darm-Trakt der Zecke ins Blut übergehen. Es spielt übrigens keine Rolle, ob die Mundwerkzeuge des Tieres in der Haut stecken bleiben. Denn von ihm geht keine Infektionsgefahr aus. Wichtig ist beim Entfernen, dass die Zecke nicht am Hinterleib gequetscht wird, da sonst vermehrt Erreger in die Blutbahn gelangen. Experten raten, sich wenn möglich den Stichtag im Kalender zu notieren und die Stelle einige Wochen zu beobachten: Denn die Symptome der Krankheiten treten immer erst einige Tage später auf.

7. Waschen tötet Zecken ab

Zecken sind extrem widerstandsfähig. Selbst eine Maschinenwäsche bei 40 Grad Celsius und Weichspüler tötet sie nicht unbedingt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hitzetoleranz bei Zecken etwa um die 44 Grad Celsius liegen. Wer also sicher sein möchte, dass auf seiner Kleidung keine Zecke überlebt hat, wäscht sie bei 60 Grad – oder nutzt den Wäschetrockner.

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