Wayne Nelson (links) und Greg Hind am Sonntag im Beethovensaal Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Null Prozent Australien, hundert Prozent USA: Die Little River Band hat als durch und durch amerikanische Coverband in der Liederhalle gastiert.

Stuttgart - Wie viel Ursprungs-DNA steckt eigentlich in jener Formation, die rund fünfundvierzig Jahre nach ihrem Karrierebeginn heute noch als Little River Band (LRB) durch die Land tourt? Rein rechnerisch: null Prozent. Sämtliche Gründungsmitglieder, allen voran Glenn Shorrock, Graham Goble und Beeb Birtles, hauptverantwortlich für die musikalische Handschrift und das wesentliche Songmaterial, haben die australische Band teils schon vor Jahrzehnten verlassen; und australisch ist an der 1975 in Melbourne gestarteten Gruppe heute rein gar nichts mehr.

Anno 2019 besteht das Quintett aus durchweg amerikanischen Musikern, deren dienstältester – Bassist und Sänger Wayne Nelson – jedoch immerhin schon seit 1980 mit an Bord ist und auf über 20 LRB-Alben zu hören. Doch auch der 69-Jährige, etwas älter wirkende Bandleader will, dezent hüftsteif und von leicht hölzerner Bühnenpräsenz, zur Identifikationsfigur nicht recht taugen. Die weiteren Beteiligten? Ein bis eineinhalb Generationen jüngere Sonnyboys überwiegend aus der Musikszene um Nashville, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Flamme weiterzutragen, und die dabei ordentlich vom einstmals großen Bandnamen profitieren. Bis zu 100 Euro kosten die Tickets am Sonntagabend für ein Wiederhören mit der Little River Band – viel Geld für eine Gruppe, die ihrem Œuvre seit Jahrzehnten nichts Substanzielles hinzugefügt hat. Das bis dato letzte Album „Cuts like a Diamond“ von 2013 blieb selbst in Fankreisen nahezu unbeachtet.

Die Harmoniegesänge sitzen

Doch immerhin: Die mehrstimmigen Harmoniegesänge, das typische Element des LRB-Stils, gibt es in der Liederhalle in bewährter Form zu hören – es fehlt nichts, denn die Stimmen der Gründergeneration verströmten zwar sonoren Wohlklang, aber nie das ganz große Charisma. Für jenen Rocksound, der die LRB Ende der 1970er Jahre zu Australiens Antwort auf die Eagles und Fleetwood Mac machte, sorgen drum herum viele klassische, ab und an zweistimmig gespielte E-Gitarren plus einige hübsch antiquierte Tastenklänge, die Chris Marion mit teils über dem Kopf gespieltem Hängekeyboard in die Halle trägt. „Reminiscing“, „Cool Change“, „The Night Owls“, „Happy Anniversary“ oder „Take it easy on me“ hießen damals die Erfolge der Band, und natürlich gibt es sie alle zu hören im mit rund 1000 Besuchern eher luftig besetzten Beethovensaal. Gespielt werden sie aber von einer tendenziell austauschbaren bis nahezu gesichtslosen Gruppe, die auch als ihre eigene Coverband durchgehen würde und die ihren Auftritt ziemlich geschäftsmäßig abhandelt. Kurz nach 19 Uhr geht es mit „It’s a long Way there“ los, um 20.35 Uhr endet der Abend erwartungsgemäß – und soll man sagen: altersgerecht? – mit „Lonesome Loser“, dem größten Hit.

Sie machen nicht viel falsch

Routiniert schütteln Wayne Nelson & Co. zum Abschied noch die Hände der tapfer auf ihren Sitzplätzen verharrenden, erst zur Zugabe an den Bühnenrand geströmten Fans, der Applaus fällt zwar nicht euphorisch aus, aber allemal freundlich. Falsch gemacht hat die LRB an diesem Abend also nicht viel, und die Frage, wie sich die Geschichte dieser Band anders, zeitgemäßer, packender auf die Bühne bringen ließe, ist sicher nicht ganz leicht zu beantworten. Oder doch auch wiederum recht simpel: Vielleicht überlebt sich manches einfach.

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