Annegret Kramp-Karrenbauer soll am kommenden Montag zur neuen CDU-Generalsekretärin gewählt werden. Foto: dpa

Die Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bedient mehrere Strömungen in der CDU – und taugt dennoch nicht zum radikalen Gegenentwurf zu Angela Merkel.

Berlin - Sie hält sich „nicht für die Prinzessinnenrolle geeignet“, sagt die designierte CDU-Generalsekretärin, „auch früher in der Fasnacht nicht.“ Dort ist die Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer vergangenes Jahr lieber als Putzfrau aufgetreten, die bodenständig den Boden wischt und über den „Zirkus“ im fernen Berlin lästert. Genau dorthin wechselt die vor knapp einem Jahr wiedergewählte Ministerpräsidentin nach reiflicher Überlegung nun, was die in ihrer Partei nur „AKK“ gerufene Politikerin automatisch zu einer potenziellen Nachfolgerin von Parteichefin Angela Merkel auch im höchsten Regierungsamt macht.

Kramp-Karrenbauer lässt sich nicht in eine Schublade stecken

Die 55-Jährige genießt in der Partei, die sie hinter einem neuen Grundsatzprogramm wiedervereinen will, hohes Ansehen. Das hat auch damit zu tun, dass sich Kramp-Karrenbauer nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. „Ich habe sehr unterschiedliche Wurzeln“, sagt sie etwa, als es um die Strömungen in der Union geht, von denen sich die konservative bekanntlich vernachlässigt fühlt. Diesen Konservativen kann es beispielsweise gefallen, dass da jemand nie aus seinem Heimatort Püttlingen weggezogen, seit 33 Jahren glücklich verheiratet ist und die „Ehe für alle“ ausdrücklich abgelehnt hat. Die Mutter dreier Kinder ist als erste Landesinnenministerin der Republik auch um harte Positionen nie verlegen gewesen und hat später als Ministerpräsidentin in der Flüchtlingskrise obligatorische Röntgenuntersuchungen zur Altersfeststellung von Asylbewerbern unterstützt.

Die Fasnachtsliebe ist ein Pluspunkt

Die westdeutsche Katholikin mit dem christsozialen Hintergrund und der Fasnachtsliebe bietet auch Anknüpfungspunkte für jene in der Union, denen die ostdeutsche Protestantin Merkel immer zu spröde und unnahbar schien. Zum radikalen Gegenentwurf zur Bundeskanzlerin taugt Annegret Kramp-Karrenbauer aber nicht – dazu sind die Parallelen viel zu groß. Beide Frauen teilen ein ähnlich Verständnis von Politik, setzen nicht auf schrille Wortmeldungen, sondern auf konzentrierte Sacharbeit. Nicht umsonst zählt die Saarländerinnen zu den engsten Vertrauten der Kanzlerin. Sie war es, die Merkel nach dem überraschenden „Jamaika“-Aus tröstend in die Arme schloss. „Wir können uns sehr aufeinander verlassen, selbst wenn jeder seinen eigenen Kopf hat“ – aus Merkels Mund kommt das einem größtmöglichen Lob gleich.

Über Ambitionen schon länger spekuliert

In Merkels Kabinett wollte Kramp-Karrenbauer, über deren bundespolitische Ambitionen schon länger spekuliert wird, aber nicht. Sie will den Parteiposten ausdrücklich als Signal verstanden wissen, dass nicht alle Politiker auf lukrative Staatsämter schielen, sie vielmehr sogar eines aufgibt. Ihr Nachfolger in Saarbrücken soll nun der 40-jährige CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Hans werden. „AKK“ ist spätestens seit diesem Montag nicht nur designierte CDU-Generalsekretärin, sondern auch alternative Kanzlerkandidatin für die Zeit nach Merkel.

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