Der Verein Glück-Bringer aus Stuttgart hilft beim Aufbau eines Krankenhauses in Ostafrika mit. Foto: dpa

Der Verein Glück-Bringer um die Ärztin Melanie Rösslein ist maßgeblich am Aufbau eines Krankenhauses im Senegal beteiligt.

S-Süd - Der Container aus Stuttgart steht seit einigen Tagen im Hafen von Dakar und wartet darauf, entladen zu werden. Zwei Operationstische, verschiedene Strahler für Behandlungsräume, medizinische Instrumente, ein Narkosegerät, diverse Infusionsständer, Arzt- und Schwesternkittel sowie Operationstücher sind darin nach Afrika transportiert worden. Alles Spenden aus Baden-Württemberg, die Melanie Rösslein zusammen mit ihren acht Mitstreitern vom Verein Glück-Bringer gesammelt hat. Die Gerätschaften werden einen weiteren Markstein beim Aufbau eines kleinen Krankenhauses im senegalischen Touba Mbacké bilden. „Dort gibt es im ländlichen Raum wenige Krankenhäuser, denn alles konzentriert sich auf Dakar“, berichtet Melanie Rösslein.

Die Chirurgin hat den Verein Glück-Bringer 2010 gegründet. Seinen Sitz hat der Verein im Stuttgarter Süden. „Ich war zwar selbst noch nie im Senegal. Als es möglich gewesen wäre, war ich schwanger und wollte deshalb die Reise nicht machen. Aber das Engagement für die Dritte Welt zieht sich irgendwie durch mein Leben“, erzählt sie. Dass sie nun ausgerechnet am Aufbau eines Krankenhauses in Ostafrika mitwirkt, ist eine Folge der persönlichen Freundschaft mit ihrem früheren senegalesischen Studienkollegen Babacar Diagne.

Austauschprogramme für Medizinstudenten

„Er hat begonnen, dort ein kleines medizinisches Zentrum aufzubauen, und sucht dafür laufend gebrauchte Geräte“, sagt Rösslein. Mittlerweile hat Diagne dort schon einen Arzt und zwei Krankenschwestern engagiert. Finanziert wird die Krankenstation über verschiedene Wege. Zum Beispiel sucht Glück-Bringer laufend an der Universität von Dakar junge Ärztinnen und Ärzte, die in dem kleinen Krankenhaus arbeiten möchten. Auch deutsche Medizinstudenten arbeiten dort zeitweise ehrenamtlich und der Verein vermittelt auch junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Entwicklungsland verbringen wollen.

Die Ärmsten werden kostenlos in dem Krankenhaus behandelt, das von Jahr zu Jahr wächst. Vorhanden ist bereits eine radiologische Abteilung zur Diagnostik. Im Aufbau sind Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Kinderheilkunde. Dafür wird der Inhalt des Containers verwendet, der vor Weihnachten auf die Reise geschickt wurde. „Ich habe eine Anzeige im Ärzteblatt geschaltet und es haben sich darauf vier niedergelassene Ärzte und auch eine Firma gemeldet und gespendet“, berichtet Melanie Rösslein. Damit nicht genug. Für die fachgerechte Verpackung der gespendeten Geräte fand sie über persönliche Beziehungen eine Spedition, die diese Aufgabe besonders kostengünstig übernommen hat.

Auch Krankenbetten vom Olgäle sollen bald in Afrika stehen

Den Großteil der Transportkosten und die Zollgebühren haben die zur Zeit acht aktiven Glück-Bringer durch das Einwickeln von Weihnachtspäckchen zusammen gebracht. „Wir haben das Päckchenpacken einer Firma als Dienstleistung angeboten“, sagt die Chirurgin. Der Verein finanziert sich zum einen aus den schmalen 50 Euro Jahresbeitrag je Mitglied und Spenden. „Wir bitten zum Beispiel bei Geburtstagen immer darum, nichts zu schenken, sondern zu spenden.“ Auch mit regelmäßigen Wohltätigkeitsfeiern kommt der Verein zu Geld, das in das Projekt wandert.

Hinzu kommt Rössleins hartnäckige Werbung bei Firmen und bei Krankenhäusern, damit sie dem Verein gebrauchte Gerätschaften überlassen. Mit dem Olgäle ist sie bereits wegen der Krankenbetten in Verhandlungen. Wenn die Kinderklinik in ihr neues Domizil umzieht, werden alle Betten ausgemustert.

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