Auch auf das Aufwiegen eines Prominenten – hier Minister Guido Wolf im Jahr 2015, gestützt von Gerd Trautwein (links) und Frank Jehle – müssen die Besucher verzichten. Foto: Horst Rudel Foto:  

Kaum eine andere Veranstaltung hat in Esslingen für derart viele Schlagzeilen gesorgt – ein kleiner Rückblick.

Esslingen - Gut, aktuell wird in Esslingen intensiv über den geeigneten Büchereistandort diskutiert. Und auch der drohende Verkehrskollaps beschäftigt Menschen wie Medien gleichermaßen. Über all die Jahre betrachtet gibt es in Esslingen aber kein Ereignis, das für derart viele Schlagzeilen gesorgt hat wie das Zwiebelfest – ein kleiner Rückblick.

Woher der Name kam

Der Name Zwiebelfest beruht auf der Sage, nach der im Mittelalter eine Esslinger Marktfrau den Teufel aus der Stadt vertrieben hat. Er hatte nach einem Apfel verlangt. Die Frau erkannte ihn trotz seiner Verkleidung an einem Pferdefuß und dem Schwefelgeruch. Sie reichte ihm listig statt eines Apfels eine Zwiebel. Der Teufel biss in die saftige Knolle und schrie: „Das sollen eure Äpfel sein? Spott über euch Esslinger! Zwiebeln sind es, scharfe Zwiebeln. Deshalb sollt ihr künftig nicht mehr Esslinger heißen, sondern Zwiebeln.“ So kommt es, dass man die Bewohner noch heute Zwiebeln oder Zwieblinger nennt. Grund genug also, ein Zwiebelfest zu feiern.

Die Anfänge

Gerd Trautwein war der letzte Wirt, der auch schon die Premiere hinter dem Tresen miterlebt hat. Noch gut erinnert er sich daran, wie alles vor mehr als 30 Jahren angefangen hatte. Einige interessierte Gastronomen hatten sich damals zu einer Infoveranstaltung getroffen. Aber als klar gewesen sei, dass man als Mitveranstalter 50 000 Mark mitbringen musste, seien die meisten aufgestanden und gegangen. Trautwein: „Wir haben mit Ach und Krach damals zehn Wirte zusammenbekommen.“ " target="_blank">

Worüber es Streit gab

Die Liste der Themen, über die meist im Vorfeld des Zwiebelfests immer wieder heftig gestritten wurde, ist lang. Mal ging es um die Frage, ob den Gästen eines Esslinger Weinfests vorrangig Bottwartaler Tropfen zugemutet werden könne, weil die dortige Kellerei als Hauptsponsor aufgetreten war. Ein anderes Mal hat sich der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger viel Kritik dafür gefallen lassen müssen, dass er sich massiv für die Teilnahme eines Wirts eingesetzt hat, von dem sich die Zwiebelfestgesellschaft wohl begründet getrennt hatte. Zuletzt hatte ein selbst ernannter „Freundeskreis für ein traditionelles Zwiebelfest“ – vor allem Freunde des geschassten Zwiebelfestwirts – immer wieder versucht, das Zwiebelfest infrage zu stellen.

Der Beschluss zum Neubeginn

Nach mehrmonatiger Diskussion hat der Gemeinderat im Oktober 2018 mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen, das Zwiebelfest durch ein von der Stadt organisiertes Sommerfest zu ersetzen. Der Stadtmarketing-Chef Michael Metzler hat sich als Vorbereitungszeit drei Jahre erbeten. Bis 2021 hätten die Zwiebelfestwirte also noch die Möglichkeit gehabt, ihr traditionelles Fest auf dem Esslinger Marktplatz zu organisieren. Doch daraus wird nun nichts.

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