Mats Hummels ist ganz scharf auf das Trikot von Marc Schnatterer (links). Foto: dpa

Höhepunkt der Woche war für Mats Hummels nicht der 5:0-Sieg gegen Borussia Dortmund, sondern der Trikottausch mit Heidenheims Marc Schnatterer.

Stuttgart - Die beste Geschichte der Saison ist nicht zu Ende erzählt worden. Die beste Geschichte der Saison war der Sieg der Heidenheimer in München – der blöderweise nicht zustande kam. Ich war an diesem Abend in der Münchener Arena, ohne viel Hoffnung auf ein halbwegs spannendes Fußballspiel. Dann aber half Niklas Süle dabei, aus dem erwarteten Allerweltskick das mit Abstand aufregendste Spiel dieser Saison zu machen.

Niklas Süle ist die fußballerische Wiederkehr von Hans-Peter Briegel, plus Technik allerdings. Die „Walz aus der Palz“, wie Briegel auch genannt wurde, hörte mit dem Kicken auf, als die Schienbeinschonerpflicht eingeführt wurde. Von da an hatten gegnerische Spieler nämlich nicht mehr ganz so viel Angst vor ihm und gaben die Bälle nicht mehr freiwillig her, nur weil er angewalzt kam. Niklas Süle ist noch größer, noch schneller und noch athletischer als Briegel, und er kann sogar ziemlich elegant einen Ball stoppen. Manchmal aber langt er daneben: wie in dieser Situation gegen den Heidenheimer Robert Andrich, als der den Ball nicht freiwillig hergab. Ich bin Niklas Süle für dieses rüde Foul außerordentlich dankbar. Er musste anschließend mit Rot vom Platz. Und die Zuschauer bekamen danach ein absolut großartiges Fußballspiel geboten, dem nur das richtige Ende fehlte.

Niklas Süle hilft dem Spiel

Ich jedenfalls erinnere mich an deutlich ödere Dienstfahrten nach München. In der Arena roch es nach einer Sensation, wildfremde Reporter tauschten verschwörerische Blicke aus. Und tatsächlich: Zehn Bayern verloren gegen elf Heidenheimer erst den Überblick – und dann die erste Halbzeit. Mit 1:2 lag München zur Pause zurück, dank eines tretenden Niklas Süle und eines schlampigen Mats Hummels. Selten habe ich meine Reporterkollegen im Stadion so strahlen sehen. Sie rieben sich die Hände und formulierten schon die Schlagzeilen. Ich auch: „Bayerndämmerung in München“ war ein erster, ganz brauchbarer Ansatz. Dann brachten die Münchner Robert Lewandowski und drehten die Angelegenheit. Aber nur knapp. Denn dieses Heidenheimer 4:5 in München hätte genauso gut ein 5:4 für Heidenheim werden können, wenn die ihre Riesenchance kurz vor dem Ende genutzt hätten.

Dass die Bayern selbst gegen einen Zweitligisten wie Heidenheim ihr sprichwörtliches Bayern-Dusel haben, ist für Menschen, die an das Gute im Fußball glauben wollen, schon schwer zu ertragen. Erstaunlich daher, wie abgeklärt Heidenheims Franz Beckenbauer die Niederlage hinnahm. In Heidenheim heißt Franz Beckenbauer Frank Schmidt, er ist dort seit über elf Jahren Trainer und eine städtische Institution. Frank Schmidt ging ohne große Illusionen ins Spiel und dennoch mit einem möglichen Sieg wieder heraus.

Süle tritt die Bälle, nicht die Gegner

Dortmunds Trainer Lucien Favre dagegen ging mit großen Illusionen ins Spiel und ohne jede Siegmöglichkeit wieder heraus. Am Samstag machten die Münchner mit Dortmund kurzen Prozess, 5:0. Im Spiel der Saison! Mats Hummels war von seiner Schlampigkeit aus dem Pokalspiel wieder genesen und Niklas Süle trat die Bälle, nicht die Gegner. Seit Wochen hätte das eigentlich die Story der Saison werden sollen: Dortmund in München, der deutsche Clasico, oder Germanico, wie manche ihn tauften, war ein müder Kick der Dortmunder und eine Machtdemonstration der Bayern. Die werden, da braucht man jetzt kein großer Prophet zu sein, mit dieser Effizienz auch den siebten Titel in Folge holen. Und den Pokal. Der Rest der Saison stirbt in Eintönigkeit.

Höhepunkt der Woche war für Mats Hummels denn auch nicht das Spiel gegen Dortmund. Höhepunkt war der Trikottausch mit Heidenheims Marc Schnatterer. Der Sieg gegen Dortmund dagegen war für ihn Routine. Der Fußball erzählt nicht immer die besten Geschichten. Sondern manchmal nur die langweiligen.

Spannend sind auf jeden Fall die Sprüche des Spieltages in unserer Bildergalerie.

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