In Kalifornien kann man Buckelwale aus nächster Nähe beobachten. Foto: dpa

Weltweit gibt es wieder mehr Wale, die Maßnahmen zum Schutz der Tiere greifen: Die Bestände erholen sich. Doch nun drohen neue Gefahren wie etwa Plastikmüll.

Stuttgart - Pottwale vor Neuseeland, Buckelwale vor Kalifornien, Orcas vor Alaska: Weltweit gibt es viele Möglichkeiten, die großen Meeressäuger aus nächster Nähe zu beobachten. Und es ist wirklich ein beeindruckendes Erlebnis, einem Wal beim Abtauchen zuzusehen, wie er die mächtige Fluke hoch in die Luft streckt, um dann in die Tiefe abzutauchen. Und auch wenn die Kapitäne der Beobachtungsboote angewiesen sind, den Tieren nicht zu nahe zu kommen, so kann man sie doch oft aus nächster Nähe beobachten: Einfach weil die Wale neugierig sind und von sich aus die Besucherboote inspizieren. Das gilt noch mehr für die ebenfalls zu den Walen gehörenden Delfine: An der australischen Westküste etwa kommen sie jeden Tag freiwillig an den Strand, wo sie gefüttert werden – streng geregelt, versteht sich.

Für Touristen sind Wale eine echte Attraktion und und damit auch für die Veranstalter von Walbeobachtungstrips. Das macht die Tiere heute weitaus wertvoller, als sie es für die Walfänger sind. Doch das war nicht immer so, weshalb viele Walarten im vergangenen Jahrhundert so intensiv bejagt wurden, dass sie beinahe ausgerottet wurden. Vor dem völligen Niedergang hat sie nur das kommerzielle Fangverbot bewahrt, das die Internationale Walfangkommission 1982 beschlossen hat und das 1986 in Kraft trat. Hinzu kam die Einrichtung großer Schutzgebiete. Obwohl in den vergangenen Jahren Norwegen, Japan und Island Wale gejagt haben, scheinen sich die Bestände vieler Arten nun wieder langsam zu erholen.

Auch in europäischen Gewässern lassen sich wieder riesige Blauwale sehen

Das wiederum freut Walbeobachter auf der ganzen Welt. So lassen sich seit einigen Jahren sogar die riesigen Blauwale wieder häufiger in europäischen Gewässern entdecken – etwa vor der Küste Englands, den Azoren oder den Kanaren. Dies ist ein gutes Indiz dafür, dass sich die Population im Nord-Ost-Atlantik wieder ein wenig erholt. Auch Pottwale werden wieder häufiger gesichtet, wobei es zunehmend traurige Meldungen gibt, dass einzelne Tiere tot an Stränden oder vor der Küste aufgefunden werden.

Auf der Suche nach möglichen Ursachen für ihren Tod finden die Wissenschaftler häufiger viel Plastikmüll in den Mägen der Tiere. Bei einem im April in Sardinien gestrandeten Pottwal waren es zum Beispiel 22 Kilogramm. Und bei einem ausgemergelten Tier, das im Februar 2018 an einem südspanischen Strand gefunden wurde, waren es sogar 29 Kilogramm: Plastiktüten, Stücke von Fischernetzen, Seile sowie das Oberteil eines Kanisters.

Die Reste von Netzen werden aber nicht nur gefressen, sie stellen als Geisternetze noch eine weitaus größere Gefahr da: In den Maschen verfangen sich neben anderen Meerestieren auch Wale – und sterben jämmerlich. Jährlich gehen nach Einschätzung von Greenpeace etwa 25 000 Netze verloren – manche reißen sich unbeabsichtigt los, andere werden wohl absichtlich in den Weiten der Ozeane entsorgt. Weitere Gefahren kommen hinzu, etwa das Risiko, mit einem Schiff zu kollidieren. Und dann ist da noch der Klimawandel, der vor allem die Wale im Südpolgebiet trifft – ähnlich wie die Eisbären in der Arktis. Nach Einschätzung von Walexperten könnte ihr Lebensraum in den nächsten 30, 40 Jahren um bis zu einem Drittel schrumpfen. Dann werden sie für weniger Futter immer weitere Strecken schwimmen müssen. Andererseits können sich auch Wale anpassen: So berichteten Forscher, dass insbesondere junge Buckelwalweibchen nicht mehr kräftezehrend Richtung Afrika wandern, sondern auch im Winter in der Antarktis bleiben. Offenbar finden sie dort genug Nahrung.

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