Didos klare Stimme mischt sich gut mit sinnlichem Bombast. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Dido hat im Beethovensaal ein ziemlich tolles Konzert gegeben, das zwischen Euphorie und Melancholie pendelte. Außerdem hat sie verraten, wie einmal ein deutscher Fan vor ihrer Tür stand – bitte nicht nachmachen.

Stuttgart - Der Erfolg ist eine launische Größe – aber auch fantastisch und süß. Davon kann die Britin Dido mehr als nur ein Lied singen. Als die 47-jährige am Dienstagabend auf die Bühne des Beethovensaals in der Liederhalle tritt, wird sie von frenetischem Jubel empfangen. Ein Zuspruch, den sich die Musikerin mit der ätherisch-hellen Stimme hart erarbeitet hat, nach Anfängen als Backgroundsängerin beim House-Projekt „Faithless“ zum Ende der Neunzigerjahre, später als Sidekick des US-Rappers Eminem. Der Rest ist Geschichte, gefeiert von der Musikerin im Rahmen ihrer „Still on my Mind“ betitelten Konzert-Rückschau.

Fünf Musiker hat Dido mitgebracht, neben Gitarre, Bass und Keyboard ist die Rhythmusgruppe mit einem Schlagzeuger und einer Perkussionistin stark aufgestellt. Über sechs auf der Bühne verteilte Flächenvorhänge flimmern farbige Projektionen, Scheinwerfer und diverse Neonröhren erzeugen teils beeindruckende Lichteffekte – ein bescheidener Abend wird es nicht.

Einstieg voller Wucht

Schon mit „Hurricanes“ bläst Dido das Publikum von den Stühlen. Das in der Studioaufnahme eher ruhige Stück wird in dieser Liveversion mit dicker, komplexer Perkussion unterfüttert, der Bass wummert tief und ist trotz der zunächst moderaten Abmischung physisch spürbar. Ein Einstieg voller Wucht, nahtlos fortgesetzt in „Hell after this“, wenn Didos Bassist die Menge zum Kollektivklatschen animiert – eine über mehrere Takte funktionierende, organische Drum-Machine. Dazu zucken Projektionen flackernder Flammen über die Stoffbahnen.

Dieses Bekenntnis zum sinnlichen Bombast und zur Überwältigung prägt den Abend über weite Strecken. Besonders der elegische Song „Grafton Street“ gewinnt durch die schwere, dunkle Perkussion und die zugesetzten Halleffekte an Tiefe und Textur. Zwischen den Songs scherzt Dido charmant mit ihren begeisterten Fans, erzählt drollige Anekdoten wie die von ihrer ersten „Holiday Romance“, einem Typen aus Deutschland, der dummerweise nach Ende der Ferien und der damit einhergehenden Trennung plötzlich auf ihrer Türschwelle zuhause gestanden habe.

Leichte Abnutzungserscheinungen

Die Unverkrampftheit und Natürlichkeit der Musikerin scheinen im Widerspruch zu stehen zu den ausgeklügelten musikalischen Arrangements und zur durchdachten Dramaturgie, die das Publikum von euphorisch-stampfenden Club-Nummern wie „Sand in my Shoes“ oder „My Boy“ hin zur Innerlichkeit von Balladen wie „Quiet Times“ leitet. Doch gerade diese Mischung macht das Erfolgsrezept des Abends aus, obwohl vereinzelt auch Abnutzungserscheinungen des Konzepts hörbar sind. Beim seltsam flachen, musikalisch belanglosen „Mad Love“ etwa kann Dido in den eng gesteckten melodischen Grenzen des Songs nicht einmal ihren eher kleinen Stimmumfang ausnützen und klingt deshalb fast monoton.

Das große Drama braucht Didos im Kern einfache, sehr unmittelbar wirkende Musik eigentlich nicht, wie das wunderbare „Sitting on the Roof of the World“ beweist: Bloß mit zwei verstärkten Akustikgitarren und Didos klarem Gesang vermittelt es authentisch das Gefühl kontemplativer Melancholie.

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