Ein Bild von einem Abend zum Vergessen: Der VfB um Mario Gomez (re.) verlor vor einem Jahr in Rostock mit 0:2.Foto: Baumann Foto:  

Der VfB Stuttgart tritt zum fünften Mal im DFB-Pokal bei Hansa Rostock an, die ersten viermal flog er raus – so wie vergangene Saison.

Stuttgart - Cebio Soukou und Mirnes Pepic haben jetzt nicht unbedingt die ganz großen Namen in der Fußballwelt. Beim VfB Stuttgart sind sie aber hängen geblieben. Das waren die beiden Spieler, die den Drittligisten Hansa Rostock vor fast genau einem Jahr mit ihren Toren zum 2:0-Coup über den VfB geschossen haben. Für die Stuttgarter war das nicht einfach nur ein Pokal-Aus, sondern es ging weit darüber hinaus.

Die Pleite in Rostock war ein gewaltiger Stimmungskiller für den Erstligisten, der zuvor nach einer starken Rückrunde in der Bundesliga noch den siebten Platz belegt hatte und anschließend in der Sommervorbereitung 2018 ohne Niederlage geblieben war. Dieser unerwartete Rückschlag an der Ostsee war, wie sich herausstellen sollte, der Anfang vom Ende in einer Saison mit zwei Trainerwechseln (von Tayfun Korkut über Markus Weinzierl zu Nico Willig) und dem Rauswurf des Sportvorstands Michael Reschke, dessen Kaderplanung trotz gewaltiger Investitionen gründlich danebengegangen war. Letztlich mündete es – nach Relegation gegen Union Berlin – im Abstieg.

Jetzt steht wieder die erste Runde im DFB-Pokal an, und die Reise geht für die Stuttgarter erneut nach Rostock. Diesmal kommt der VfB zwar nur noch als Zweitligist an, allerdings abermals mit frischem Rückenwind dank des 2:1-Auftaktsiegs gegen Hannover 96 und dem über weite Strecken ebenfalls guten Auftritt in Heidenheim (2:2) – und er ist in dem Cupduell am Montagabend (18.30 Uhr) naturgemäß einmal mehr der große Favorit.

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Zeit eine Stimmungskiller-Warnung auszugeben? Tim Walter, der neue VfB-Trainer, sieht null Veranlassung dazu. Er sieht „überhaupt gar keine Gefahr“, dass es in Rostock für sein Team ein böses Erwachen geben könnte, weil die Voraussetzungen andere sind als für die Stuttgarter der vergangenen Saison. „Wir haben schon zwei Spiele gehabt, die kamen direkt aus der Vorbereitung, das ist immer etwas anderes“, sagt der 43-Jährige.

Er selbst schaltete in der vergangenen Saison mit dem Zweitligisten Holstein Kiel nach einem 3:1-Auftaktsieg bei 1860 München in der zweiten Runde den Bundesligisten SC Freiburg (2:1) aus und scheiterte dann im Achtelfinale knapp am Bundesligisten FC Augsburg (0:1). „Ich mag den Pokalwettbewerb sehr gerne. Von daher gilt es für uns, so weit wie möglich zu kommen“, sagt Walter.

Nun heißt die erste Hürde mit seinem neuen Verein Hansa Rostock. Das ist nicht nur ein besonderes Los für den VfB wegen des Ausscheidens in der vergangenen Saison, sondern weil der Club aus Cannstatt alle bisher insgesamt vier Pokalpartien gegen diesen Gegner verloren hat. Allesamt auswärts. Schon 1992 (0:2 nach Verlängerung in der zweiten Runde), 1999 (1:2 im Viertelfinale; VfB-Tor: Sean Dundee) und 2005 (2:3 in der zweiten Runde; VfB-Tore: Thomas Hitzlsperger und Danijel Ljuboja) kehrten die Stuttgarter aus dem 621 Kilometer entfernten Rostock mit leeren Händen zurück.

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Gibt es also so etwas wie einen Hansa-Pokalfluch für den VfB? Tim Walter schüttelt den Kopf. „Nein! Gegen Flüche kann man immer angehen, wenn man hart arbeitet. Darum gibt es das für uns nicht“, sagt er. „Wir wissen, was wir jeden Tag tun, dass wir jeden Tag besser werden. Von daher beschäftigen wir uns damit überhaupt nicht.“

Zumal das Team dieser Saison eine ganz anderes ist als das der Vorsaison. Zum einen personell: Holger Badstuber, Gonzalo Castro, Daniel Didavi und Mario Gomez sind die einzigen vier Spieler aus der damaligen Rostock-Startelf, die auch am Montag auflaufen könnten. Und zum anderen hat sich die Spielweise grundlegend verändert: Die Ausrichtung unter Walter ist eine ganz andere als seinerzeit unter Korkut. Der neue VfB ist es gewohnt, gegen defensive Gegner das Spiel zu machen. „Wir spielen in der zweiten Liga, wo jeder denkt, wir sind der Favorit. Wir spielen im Pokal, in dem Fall sind wir auch der Favorit. Da brauchen wir uns nicht gezielt drauf vorbereiten“, sagt Walter. „Wir wissen, was auf uns zukommt, und dementsprechend treten wir auf.“

So, wie wenn ein Endspiel ansteht. Das ist die Mentalität, die der ehrgeizige VfB-Trainer von seiner Mannschaft von Wochenende zu Wochenende jedes Mal aufs Neue fordert. „Jeder Verein, der gegen uns spielt, versucht es mit 150 Prozent anzugehen. Von daher müssen wir es so auffassen“, erklärt Walter. „Wir können nicht vom Großen reden, wenn wir uns zu schade sind für die kleinen Aufgaben.“

Denn ansonsten kann es ganz schnell schiefgehen – und die Cebio Soukous und Mirnes Pepics dieser Fußballwelt erleben Pokalabende, von denen sie noch ihren Enkelkindern erzählen werden.

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