Joachim Löw schont mit Blick auf die EM einige Stammspieler. Foto: Baumann

Die DFB-Auswahl gastiert von Montag an in Stuttgart. Sie logiert in Degerloch und bestreitet am Donnerstag gegen Spanien ihr erstes Länderspiel nach mehr als neun Monaten – ohne Zuschauer.

Stuttgart - Der Plan stand. 500 Zuschauer wollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) an diesem Donnerstag gemäß der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg in die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena lassen. 500 Menschen aus den in der Pandemie besonders systemrelevanten Berufen, also zum Beispiel Beschäftigte in Krankenhäusern, sollten auf Einladung des DFB beim Nations-League-Spiel gegen Spanien im Stadion dabei sein – mit freiem Eintritt.

Die für die Nations League zuständige Europäische Fußballunion (Uefa) aber schob dem einen Riegel vor. Denn sie lässt für die Partien Anfang September nirgendwo Zuschauer zu, aus Angst, dass sie die möglicherweise europaweiten Zuschauerströme nicht in den Griff bekommt oder nachverfolgen kann. So ist das also vor dem ersten Länderspiel seit mehr als neun Monaten – die Fans müssen draußen bleiben, und das nicht nur bei der Partie selbst, sondern auch bei den Trainingseinheiten vor dem Spiel. Die Corona-Pandemie lässt keine Nähe zu den Fans zu, auch die DFB-Elf geht daher auf Abstand.

Das erste Training steigt am Montag um 18 Uhr im ADM-Sportpark auf dem Gelände der Stuttgarter Kickers. Dorthin weicht die DFB-Auswahl aus, da der Rasen im eigentlich als Übungsort vorgesehenen Gazi-Stadion aus DFB-Sicht in zu schlechtem Zustand ist. Weitere Trainingseinheiten folgen am Dienstagabend im Robert-Schlienz-Stadion und am Mittwochabend in der Mercedes-Benz-Arena.

Keine Autogramme und keine Selfies mit Fans

Wie bei den Bundesliga-Clubs ist es auch beim Nationalteam noch untersagt, Autogramm- oder Selfiewünsche der Anhänger zu erfüllen. Der Zugang zum Training ist nur dem DFB-Tross und Medienschaffenden erlaubt – für die es ansonsten allerdings nur digitalen Kontakt zur DFB-Elf gibt, so, wie das in der Bundesliga zuletzt auch Usus war. Pressekonferenzen und Interviews also finden per Videoschalte statt.

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Und, na klar, nicht nur die Nationalspieler müssen sich vor ihrer Anreise auf Corona testen lassen, auch der gesamte Stab rund ums Team muss dieses Prozedere durch­laufen – was Joachim Löw allerdings nicht daran hindert, „mit großer Vorfreude und bester Stimmung“ auf die große Bühne ­zurückzukehren.

Der Bundestrainer hat knapp zehn Monate vor dem Beginn der EM 2021 das große Ganze im Blick, weshalb er im Spiel gegen Spanien am Donnerstag und drei Tage später gegen die Schweiz in Basel auf seine Stammkräfte Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry (alle FC Bayern) sowie die beiden Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg verzichtet. Das Sextett war kürzlich beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon im Einsatz und bekommt vor dem nahenden Start der Bundesliga im September eine Pause.

Bei der EM soll das Team fit sein

„Wir können mit Blick auf die EM nur etwas gewinnen, wenn die Mannschaft dann geistig und körperlich fit ist“, betonte Löw mit Nachdruck, „ich weiß erfahrungsgemäß, was so ein Turnier für Belastungen mit sich bringt. Ich möchte nicht die Situation haben, dass wir im Herbst viele Verletzungen haben.“ Torhüter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona fehlt zudem nach einer Knie-Operation, Leroy Sané und Niklas Süle vom FC Bayern dagegen sind nach ihren Kreuzbandrissen wieder dabei.

Der DFB betonte im Allgemeinen die Wichtigkeit der nun anstehenden Länderspiele. „Sie sind wirtschaftlich unsere Lebensversicherung“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, und der Präsident Fritz Keller ergänzte, dass der Verband ohne Länderspiele in eine „finanziell schwierige Lage“ käme. Die Corona-Zwangspause sei die „längste Spielpause seit dem Zweiten Weltkrieg, das sagt einiges aus“, meinte Keller noch: „Der DFB, die Nationalelf, aber auch die Uefa haben zurückgesteckt, um den Ligen den Vorrang zu geben“, sagte Keller. „Jetzt würde ich sagen, sind wir dran.“

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