Ein US-Militärausbilder und ein malischger Soldat bei einem Antiterrormanöver in Burkina Faso Foto: AFP

Die Bundesregierung ignoriert das Stuttgarter US-Afrika-Kommando. Das zeigt sich bei der Unterstützung für die neue G5-Antiterrortruppe für die Sahelzone. Und ist wenig begreiflich, findet unser Kommentator Christoph Reisinger.

Stuttgart - Das verstehe, wer will. In Berlin, Brüssel und Paris wird militärische Ausbildungs- und Materialhilfe der EU für die Antiterror-Truppe fünf afrikanischer Staaten in der Sahelzone (G5FC) auf den Weg gebracht. Mit einem Budget von 100 Millionen Euro. Im Stuttgarter Kommando der US-Streitkräfte für Afrika, dem Africom, wird Ausbildungs- und Materialhilfe der USA für dieselbe Streitmacht auf den Weg gebracht. Mit 50 Millionen Euro.

Merkwürdig, dass so enge Verbündete komplett aneinander vorbei dasselbe machen. Politisch scheinen Stuttgart und Berlin weiter auseinanderzuliegen als Mauretaniens Atlantikküste und der Sudan, die den riesigen Einsatzraum der G5-Truppe begrenzen.

Das ist umso weniger begreiflich, als die europäische und die amerikanische Sicht auf dieses militärische Engagement identisch sind. In Bundestag und -regierung heißt es: Das ist nur Teil einer umfassenden Unterstützung. Die zielt auf Entwicklung der fünf schwachen Staaten und auf Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierungen. Und besonders darauf, Fluchtursachen in Afrika zu bekämpfen. Africom-Kommandeur Thomas Waldhauser wird nicht müde zu betonen: Es gibt keine militärische Lösung für die Flucht-, Armuts- und Terrorismusprobleme dieser Region; Militär kann nur Zeit und Raum für entwicklungspolitische Lösungen schaffen. Um die geht es.

Dass diese Übereinstimmung wie auch Expertise und Kräfte des Africom ausgerechnet von deutscher Seite ignoriert werden, ist kurzsichtig. Erst recht, da es im Sahel eher um Europas als Amerikas Interessen geht. Aus Steuerzahler-Sicht ärgert diese bewusste Abgrenzung. Schließlich wird dieselbe Arbeit doppelt erledigt – und somit Geld verschwendet.

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: