An ihren roten Augen kann man die Opfer der Partydroge erkennen. Foto: SyFy

Im SF-Horror-Mix „Spides“ macht eine Partydroge Menschen für eine Alien-Invasion gefügig. Das Ganze kommt mal nicht aus den USA oder Fernost, sondern aus Deutschland. Das merkt man an guten Bildern aus Berlin – und leider auch an ein paar Schwächen.

Stuttgart - Francis Fulton-Smith, der bairische Engländer, wie er sich nennt, spielt meist seifige Figuren. Kein Wunder, dass dieser Pfundskerl von einem Klischeebajuwaren baff war, als ihm der Regisseur Rainer Matsutani die Vaterrolle in der Serie „Spides“ anbot. Mit Außerirdischen, sagt der Schauspieler, „hatte ich zuvor in der Tat noch nichts zu tun“.

Partydroge mit Kick

Das ändert sich mit dem Achtteiler, der beim Spartensender SyFy läuft. Fulton-Smith gibt den geradlinigen Macher mit Schwimmerkreuz und Familie. Dummerweise ist seine Tochter ein Alien. Als diese Nora in einem Berliner Krankenhaus aus dem Koma erwacht, hat sie nämlich nicht nur ihr Gedächtnis verloren. Wie Dutzende Gäste der lokalen Clubszene wurde sie von einer Partydroge namens „Blis“ gefügig gemacht und als Wirt extraterrestrischer Invasoren missbraucht. Nora ist nun Teil einer weltweiten Verschwörung zur Unterjochung der Erde durch insektenartige Horrorwesen.

Klingt absurd? Ist es auch! Aber ähnlich wie Comics darf sich Science-Fiction nun mal die Freiheit nehmen, eine ganz eigene Wirklichkeit zu kreieren. Umso spannender ist es, dass „Spides“ dabei eine relativ reale Hauptstadt zum Schauplatz ihrer gegenwärtigen Zukunftsvision wählt. Wenn sich falsche Polizisten und Ärzte an der Seite echter Mafiosi und Politiker mit Nora ein bizarres Rennen ums Überleben der Menschheit liefern, hetzen sie durch eine erstaunlich authentische Plattenbau-Hauptstadt, deren Clubs und Bars, Straßen und Ecken nur gefilmt statt gestaltet wurden.

Leider viele Knallchargen

Im Inneren dieser urbanen Naturkulisse aber erliegt der horrorerfahrene Showrunner Matsutani wie so oft der deutschesten aller Fernsehkrankheiten: klischeehafte Effekthascherei in artifizieller Kulisse voller Knallchargen mit Kinderfilmmimik. Während die Figur der Hauptdarstellerin Rosabell Laurenti Sellers („Game of Thrones“) noch angenehm zwischen Jugendkultur und Erwachsenenwelt schwanken darf, sind Noras Mit- und Gegenspieler fast durchweg überdrehte Kunstfiguren.

Was die überaus begabte (und derzeit gut gebuchte) Desirée Nosbusch in dieser Karnevalstruppe zu suchen hat, bleibt wohl ewig ihr Geheimnis. Francis Fulton-Smith hingegen verspricht sich nicht zu Unrecht eine Erweiterung seines beengten Rollenprofils. „Spides“, sagt er im Interview, sei auch eine „Chance, sich hier mal in einer Geschichte auszutoben, die es aus Deutschland zumindest noch nicht gab“.yFy, abrufbar u. a. via Sky sowie T-Online- und Vodafone-Programmpakete.

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